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„Nutten, Koks und frische Erdbeeren“ : Glamour, böse Sticheleien und eine wilde Reise durch die Schlagerwelt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Im dritten Jahr in Folge füllen Mary Roos und Wolfgang Trepper die „Heimat“ auf der Freiheit in Schleswig.

Vor zwei Jahren kamen sie zum ersten Mal in die „Heimat“, im vergangenen Jahr kehrten sie zurück – und auch 2017 gehören Mary Roos und Wolfgang Trepper mit ihrem Programm „Nutten, Koks und frische Erdbeeren“ zu den Höhepunkten im Jahreskalender der „Heimat“ auf der Freiheit. Offensichtlich haben die Schleswiger noch lange nicht genug von dem ungleichen Paar und ihrer Sicht auf die Schlager der 1970er Jahre. Denn auch dieses Mal wieder war ein Zusatztermin nötig. Am Sonnabend und noch einmal am gestrigen Sonntag standen die 68-jährige Schlagersängerin und der 56-jährige Comedian auf der Bühne. Trepper als unverschämter und wütender Kommentator mit Gespür für die große Pointe. Roos voller Hingabe im Auftritt, zurückhaltend im Gespräch. Gemeinsam lieferten sie aufs Neue einen wirklich kuriosen Abriss der deutschen Schlagergeschichte.

Mary Roos durfte erst übernehmen, nachdem Trepper seiner Wut über den deutschen Schlager ausreichend Luft gemacht hatte. „Sinnfreies Gedudel“ sei das, Carmen Nebel die „Päpstin der Geschmacklosigkeit“ und Andrea Berg „Beweis dafür, dass der Yeti doch gefunden wurde“. Je mehr sich Trepper in Rage redete, desto lauter begeisterte sich das Publikum. „Sie kannten das Tote Meer noch, als es krank war“, fuhr Trepper die Sängerin an. Der inszenierte verbale Schlagabtausch trieb die Stimmung in die Höhe. Bemerkenswert dabei ist vor allem, dass es dem stänkernden Trepper trotz aller Boshaftigkeit gelang, einigermaßen sympathisch zu bleiben. Vielleicht liegt das auch an seiner Gabe, genau zu beobachten und das Publikum mit einzubeziehen.

Im schwarzen paillettenbesetzten Kleid sang Mary Roos Lieder wie „Liebeskummer lohnt sich nicht“, „Hamburg im Regen“ oder „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“. Dabei brachte sie Glamour in den Saal, und es zweifelte wohl niemand daran, dass ihre authentische Performance ihr selbst Freude machte. Das Publikum durfte mitsingen, mitklatschen und wippen und immer wieder schreien vor Lachen. Die musikalischen Ausflüge in die Jugend der meisten Anwesenden wechselten nämlich mit Treppers Anekdoten über Zeitgeschehen und Kultur der 70er Jahre. Bissig und mit Körpereinsatz parodierte er die Refrains einiger alter Schlager. Heintje ist das „blöde Kind aus Holland“ und auch die damalige Begeisterung der Mädchen für die Bay City Rollers bringt Treppers Blut noch heute in Wallung.

Zwischendurch erlebte das Publikum auch einen ruhigen und nachdenklichen Trepper. Etwa beim Thema Homosexualität, dem Mary Roos 1980 das Lied „Bevor du einen Mann liebst“ gewidmet hatte. „Sie waren Ihrer Zeit weit voraus. Chapeau und Respekt“, sagte Trepper. Aber natürlich lässt seine nächste Frechheit nicht lange auf sich warten. Es folgten noch viele Erinnerungen an die alte Schlagerwelt, die er zu bösen Gags verarbeitete.

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