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Schleswig : Giftige Altlasten am Wikingturm: Einigung in Sicht

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Seit Jahrzehnten sickern am Wikingtum giftige Rückstände einer Teerpappenfabrik in die Schlei – noch streiten Stadt und Kreis über die Sanierungskosten.

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erstellt am 02.Jun.2015 | 17:23 Uhr

Altöl, Teer und krebserregende polycyklische aromatische Kohlenwasserstoffe: Seit Jahrzehnten schlummern diese Gifte im Boden der Wiking-Halbinsel rund um die Callisenstraße. Es sind Hinterlassenschaften der 1952 geschlossenen Teerpappenfabrik Erichsen und Menge. Seit Jahren streiten die Stadt Schleswig und der Kreis Schleswig-Flensburg, wer für die Entsorgung bezahlen soll. Es geht um Millionensummen. Unterdessen berichten aufmerksame Beobachter, dass immer noch hin und wieder auf der Schlei am Ufer der Wiking-Halbinsel Ölfilme auftauchen. Offenbar sickert bis heute Gift aus der Teerpappenherstellung ins Wasser.

Nun aber könnte die seit langem geplante Schadstoffsanierung tatsächlich beginnen. Jürgen Strube, der Leiter der zuständigen Abfall- und Bodenschutzbehörde des Kreises, ist jedenfalls zuversichtlich, noch in diesem Jahr zu einer Einigung zu gelangen. Dabei ließ er auch ein gewisses Verständnis für die Position der Stadt Schleswig durchblicken, die nicht die gesamten Kosten für die Sanierung übernehmen will, wie der Kreis es ursprünglich verlangt hatte. Schließlich gehört nicht die gesamte belastete Fläche der Stadt, sondern es sind auch zahlreiche Privatgrundstücke betroffen. Ob auch deren Eigentümer belangt werden sollen, ist offen.

Zuletzt war von Gesamtkosten in Höhe von mindestens 1,2 Millionen Euro die Rede. Für diese Summe ließe sich das Areal so weit abdichten, dass so gut wie kein Gift mehr in die Außenwelt gelangt. Eine Komplettsanierung mit Bodenaustausch könnte sogar mehr als sieben Millionen Euro verschlingen. Diese Schätzung ist indes sechs Jahre alt – so lange schon gärt der Streit zwischen Stadt und Kreis. Im Schleswiger Rathaus möchte man sich zum Stand der Dinge gar nicht äußern. Stadt-Sprecherin Antje Wendt sagt lediglich: „Es handelt sich immer noch um ein nicht abgeschlossenes Verfahren.“

In einer anderen Sache gibt Strube unterdessen Entwarnung: Dabei geht es darum, ob auch die Königswiesen mit den Rückständen aus der Teerpappenfabrik verseucht sind. Diese Frage hatte die Autorin Ingrid Thomsen in den jüngsten Mitteilungen der Gesellschaft für Schleswiger Stadtgeschichte aufgeworfen. Sie erinnerte daran, dass während der Bauarbeiten für den Wikingturm der Schlick von der Baustelle über riesige Rohre entlang der Schleipromenade auf die Königswiesen gepumpt wurde. Am Luisenbad hätten sich die Erdmassen einen Meter hoch aufgetürmt. Von schädlichen Stoffen, erinnert sich Ingrid Thomsen, habe damals niemand gesprochen.

„Wir haben die Königswiesen vor der Landesgartenschau von 2008 untersucht“, sagt Strube dazu. Dabei sei nur an einer einzigen Stelle eine minimale Belastung festgestellt worden, nämlich dort, wo sich jetzt der Kanal befindet. Das verseuchte Erdreich sei ausgetauscht worden. Strube vermutet, dass der Schlamm, der auf die Königswiesen gelangte, aus dem Bereich stammte, in dem sich jetzt der Wikingturm und der Sportboothafen befanden. „Dort stand früher nicht die Teerpappenfabrik, sondern das Gaswerk.“

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