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Schlaglöcher : Gibt der Winter den Straßen den Rest?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Schon jetzt sind viele Strecken im Kreis Schleswig-Flensburg mit Löchern übersät – und die Kälte kommt erst noch. Es fehlt das Geld, um rechtzeitig und flächendeckend zu sanieren.

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erstellt am 10.Jan.2014 | 15:05 Uhr

Schleswig | Die richtige Kälte ist noch nicht einmal da gewesen, doch beim Blick auf die Straßen im Kreis könnte man meinen, Angeln und die Geest haben gerade erst einen russischen Winter durchgemacht, der sich in den Asphalt gefressen hat. Wie sollen die Straßen erst aussehen, wenn der Winter da war? Was bleibt von ihnen dann noch übrig? Einigen besonders schweren Fällen hat der Dienstwagen der Kreisredaktion einen Besuch abgestattet. Er ist heil geblieben – das hätte allerdings auch ganz anders ausgehen können.

Böse überrascht werden Autofahrer, die von der Großsolter Straße in die Flensburger Straße (K 44) in Süderschmedeby einbiegen: Wer nicht aufpasst, fährt währenddessen mitten durch ein Löcher-Meer. Ortskundige wissen das, biegen erst im allerletzten Moment ab, um einen großen Bogen darum machen zu können – was meist für Verwirrung bei den dahinter Fahrenden sorgt. Bürgermeister Finn Petersen ärgert sich seit Langem über diesen Zustand. Verwunderlich: Teilbereiche der Straße wurden Mitte und Ende der 90er Jahre saniert, sie ist gut erhalten – die wichtige Einmündung aber bröckelt vor sich hin. Schilder, die auf die Straßenschäden hinweisen, gibt es hier nicht.

Wer sich über die K 102 auf den Weg nach Dingholz macht, wird von drei Schildern rechtzeitig gewarnt: Tempo 20, „Straßenschäden“ und ein fettes Ausrufezeichen. Autofahrer dürften aber dennoch schockiert darüber sein, was sie auf den folgenden Kilometern erwartet: Die Straße sieht aus, als wäre ein Kometenhagel auf sie niedergegangen. Sie besteht fast nur aus Löchern, hier 20 Zentimeter breit, dort 50, ein Finger verschwindet leicht in den meisten. An vielen Stellen bricht der Asphalt seitlich weg. Selbst, wenn man 20 fährt, hat man das Gefühl: Das kann nicht gut gehen. Der Ausbau wurde 2013 aus „planerischen Gründen“ verschoben, viele Bürger hoffen, dass dieses Jahr endlich etwas passiert – nach Jahren des Wartens.

Wenn man nach Kronsgaard weiterfährt, hat man ein Déjà-vu: Hier ist der Anblick der Gleiche – und schlimmer. Zeitweise nimmt die K 111 Richtung Hasselberg Züge eines Feldweges an, denn der Asphalt löst sich derart auf, dass man meint, auf Schotter zu fahren. Kein Wunder, dass sich hier längst eine Bürgerinitiative gebildet hat. Die Straße soll dieses Jahr erneut repariert werden, die Bürger fordern jedoch einen Ausbau inklusive Radweg. Warnschilder mit Tempo 20 sieht man hier mehrere – vonnöten wären eher welche mit Tempo 10.

Auch, wer aus Richtung Hüsby nach Schleswig und zurück pendelt, muss eine Holperstrecke hinnehmen. Die K 51 scheint an einigen Stellen förmlich aufzureißen, ein langer Bruch frisst sich den Mittelstreifen entlang oder auch quer über die Fahrbahn, durchzieht einen Flickenteppich. Wenn man auf der K 14 von Bollingstedt nach Langstedt fährt, schreckt einen kein Löcher-Meer auf: Ein einziges riesiges Loch macht sich plötzlich mitten auf der Straße breit.

Fast 200 Kilometer hat der sh:z-Dienstwagen auf der Schlaglöcher-Tour zurückgelegt. Man hätte sicherlich viele andere Strecken dieser „Art“ finden können – und fragt sich: Warum werden die Straßen, auf denen sich täglich zigtausende Menschen durch das Kreisgebiet bewegen, nicht saniert? Beate Röh vom Service-Betrieb des Kreises sagt: „Wir haben in den vergangenen Jahren bereits ein wahnsinnig großes Sanierungsprogramm gefahren, dafür vom Kreistag deutlich mehr Mittel bekommen – weil erkannt wurde, dass mehr passieren muss.“ Stefanie Bergner vom Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr in Flensburg erklärt: „Nach dem letzten Winter haben wir längst nicht alles geschafft, und was bis jetzt nicht angepackt wurde, kann nur schlimmer werden – aber vieles, das gemacht wurde, sehen die Bürger auch nicht, bei den vielen Kilometern Straße im Kreis.“

Der Grund, warum nicht alle Schäden schneller oder überhaupt repariert werden: „Es liegt am Geld, es ist einfach nicht da.“ Sie weist darauf hin, dass der Zustand der Straßen in ganz Schleswig-Holstein in allen Kreisen ähnlich sei. Fest steht laut Bergner jedenfalls: „Wir haben für 2014 ein hartes Programm.“

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