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ATU schliesst in Schleswig : Gewerkschaft übt scharfe Kritik

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Erst versetzt, dann gekündigt: IG Metall spricht von „Schrottplatzmentalität“.

von
erstellt am 16.Apr.2014 | 07:44 Uhr

Schocknachricht für die neun Mitarbeiter der ATU-Filiale in St. Jürgen: Die Kfz-Werkstatt wird „in absehbarer Zeit“ geschlossen. Das bestätigte der Sprecher des Unternehmens, Markus Meißner, auf SN-Nachfrage. Wann genau der Standort dicht gemacht wird, dazu wollte Meißner keine genaueren Angaben machen. Fest stehe aber, dass der Schritt „noch in diesem Jahr“ vollzogen wird.

Aber auch unabhängig vom Datum traf die Schleswiger Angestellten die Nachricht von der Schließung wie ein Schlag. Zwar wollte sich keiner von ihnen direkt zu der in der ATU-Zentrale (Weiden in der Oberpfalz) getroffenen Entscheidung äußern. Ihr Unverständnis war angesichts „voller Auftragsbücher“ und „regen Kundenverkehrs“, wie es hieß, aber deutlich zu vernehmen. Weit mehr als nur Unverständnis äußerte hingegen Ulf Thomsen von der Gewerkschaft IG Metall in Flensburg. Er wirft dem Konzern vor, im Zuge der geplanten Schließung auch Mitarbeiter anderer Standorte „elegant zu entsorgen“. Konkret geht es um zwei Angestellte, die jeweils erst vor zwei Wochen aus Husum beziehungsweise Flensburg an die Schlei versetzt wurden, einer von ihnen ein älterer, teils behinderter Arbeitnehmer. Beiden Männern stehe nun, ebenso wie der Schleswiger Stammbesetzung, die Kündigung bevor. „So etwas habe ich noch nie erlebt. Beschäftigte aus anderen Filialen zu versetzen, um dann den Standort zu schließen, hat nichts mit sozialer Verantwortung zu tun, sondern mit Schrottplatzmentalität“, schimpfte Thomsen. Pressesprecher Markus Meißner äußerte sich zu den Anschuldigungen nicht, sagte aber, dass die Entscheidung, den Standort zu schließen, erst am Donnerstag vergangener Woche (10. April) getroffen worden sei.

Dass der – laut eigenen Angaben – Marktführer im deutschen Kfz-Service einige seiner deutschlandweit knapp 650 Filialen aufgeben wird, darüber wurde indes schon länger spekuliert. Bereits im Januar hatte der neue Geschäftsführer Norbert Scheuch eine Prüfung aller Standorte angekündigt, nachdem die Werkstattkette zuvor in finanzielle Schieflage geraten war. Lange schien gar das komplette Aus von ATU nur eine Frage der Zeit. Nun aber wurde bekannt, dass zunächst 20 Filialen geschlossen werden. Dabei werden rund 900 von insgesamt 12 000 Stellen des Unternehmens abgebaut. In Schleswig-Holstein ist neben der Werkstatt und dem Kfz-Zubehör-Laden in Schleswig auch der Standort Rendsburg betroffen.

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