Geradeaus oder Links abbiegen? : Gestrandet in der Einöde

Was denn nun, geradeaus oder links rum? Hunderte Autofahrer trafen in den letzten zwei Wochen die falsche Entscheidung.
Foto:
1 von 2
Was denn nun, geradeaus oder links rum? Hunderte Autofahrer trafen in den letzten zwei Wochen die falsche Entscheidung.

Die missverständliche Beschilderung der B77-Umleitungsstrecke bei Tetenhusen führt Auto- und Lkw-Fahrer in die Irre. Hunderte Lkw- und Autofahrer trafen in den letzten zwei Wochen die falsche Untscheidung

shz.de von
09. Juni 2014, 17:15 Uhr

Tetenhusen | Dass er mächtig fluchte, war am Tonfall und an der Lautstärke deutlich herauszuhören. Wen der polnische Lkw-Fahrer beschimpfte, ließ sich immerhin erahnen. Der Mann war mit seinem mächtigen Lastwagen in der Ödnis kurz vor Tetenhusen gestrandet – so wie viele hundert andere Verkehrsteilnehmer zuvor. Sie alle haben sich in den vergangenen Tagen auf der Umleitungsstrecke für die zwischen Kropper Busch und Sorgbrück gesperrte B 77 verfranst. Und die Verwirrung trifft nicht nur Auswärtige: Theda Schwermer und Jenny Lau waren zu Besuch in Husum. Auf dem Heimweg folgten sie den Umleitungsschildern und scheiterten.

Eigentlich ist die Baustelle auf der Bundesstraße 77 überhaupt kein Problem. Aus Richtung Rendsburg zuckeln die Autofahrer zwar mit Tempo 30 über die verengte Piste, aber das ist zu ertragen. In der Gegenrichtung gibt es eine Umleitung. Ab Kropper Busch soll der Verkehr über Tetenhusen und Hohn wieder auf die Bundesstraße geleitet werden. So jedenfalls stellt es sich der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr in Flensburg vor. Das ist zunächst auch noch kein Problem. Mehrfach wird auf die Umleitung U 1 hingewiesen. Und nach wenigen hundert Metern biegen alle Fahrzeuge brav links ab, auf der L 39 geht es parallel zur Bundesstraße in Richtung Tetenhusen. Hier kann man nichts falsch machen. Die Reise durch die idyllische Landschaft lässt keine Missverständnisse aufkommen. Abbiegemöglichkeiten gibt es nicht – bis kurz vor Tetenhusen plötzlich drei Schilder auftauchen. Das erste weist geradeaus – mit der Erinnerung an die U1 und dem Hinweis Rendsburg.

Auswärtige Autofahrer bremsen hier schon leicht ab. Die beiden folgenden Schilder verstärken die Verunsicherung deutlich: U 2 empfiehlt, links abzubiegen – ebenso wie ein Wegweiser, der linkerhand in drei Kilometern Entfernung die B 77 verspricht.

Diese Stelle ist eine wahre Fundgrube für Verkehrs-Psychologen. Man kann die Fahrer mit dem Fuß auf der Bremse förmlich grübeln sehen: Rendsburg? Eigentlich wollte ich doch wieder auf die B77. Dann das zweite Umleitungsschild – und der Hinweis auf die Bundesstraße. Hier reißen viele Autofahrer das Steuer herum. Besonders stark wird der Linksdrall, wenn der erste einer Schlange sich für diese Richtung entscheidet. Sie alle treffen nach kurzer Fahrt tatsächlich an die Bundesstraße. Aber hier ist immer noch die Baustelle. Der Weg nach Rendsburg ist gesperrt, es geht nur zurück nach Kropp, geradeaus in die Wildnis nach Feldscheide oder die Autofahrer müssen wenden und die richtige Umleitungsstrecke suchen. Die Entscheidung nimmt meist eine ganze Weile in Anspruch, denn fast allen Autofahrern ist die Orientierung durch die zahlreichen Kurven inzwischen komplett abhanden gekommen.

Der polnische Lkw-Fahrer rangiert seinen Sattelzug immer noch lamentierend durch einige gewagte Manöver wieder zurück und die beiden jungen Frauen aus Rendsburg zuckeln nach ausführlichen Streckenhinweisen ergeben hinterher.

Die Umleitung gibt es jetzt seit knapp zwei Wochen. Beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr war gestern von den Schwierigkeiten noch nichts bekannt. Gerhard Nörenberg kündigte jedoch an, man werde sich die Situation anschauen und gegebenenfalls für eine klarere Beschilderung sorgen. Die zweite Umleitung sei übrigens durchaus bewusst eingerichtet worden. Der Hinweis auf die B 77 ohne die Erklärung, dass diese nur in Richtung Kropp befahren werden kann, könne allerdings tatsächlich für Missverständnisse sorgen. Ein Problem, so Nörenberg, stellen auch Navigationssysteme dar: Die führen ihren Fahrer immer auf den kürzesten Weg – auch wenn dieser gesperrt ist. „Da nützt dann manchmal auch die beste Beschilderung nichts“, sagt der Experte.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen