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Poetry Slam : Geschichten von Flüchtlingen und Piraten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Vier Wortakrobaten traten am Mittwoch beim Poetry Slam in der Stadtbücherei an.

Das Publikum, das sich am Mittwochabend zum Poetry Slam in der Stadtbücherei einfand, war erwartungsgemäß ganz anders als das der meisten Schleswiger Kulturveranstaltungen: Nicht grauhaarige Köpfe füllten die Reihen, sondern mehrheitlich jugendliche Gesichter lauschten dem Dichter-Wettstreit, den der Kreisjugendring im Rahmen der interkulturellen Wochen organisiert hatte.

Schon am Eingang wurde jedem Besucher klar, als er einen „Refugees Welcome“-Stempel auf die Hand gedrückt bekam, worum es sich thematisch an diesem Abend handeln sollte. Trotzdem waren erst in der zweiten Runde die Gedichte an das Thema Flüchtlingskrise und Interkulturalität gebunden. Im ersten Durchlauf war es den vier Jungpoeten Lena Iwersen, Hille Norden, Fabian Navaroo und Björn Katzur freigestellt, welches Thema sie in ihre rhythmischen, bildhaften und oftmals blumigen Zeilen verdichteten: So gab Lena Iwersen eine tragische Liebesgeschichte zum Besten und Navaroos Text, der von Rittern und Prinzessinnen handelte, brachte das Publikum zum Lachen – auch weil er sich im Subtext um vielfältige Lebensformen drehte, deren Begrifflichkeiten er gewitzt und mit Leichtigkeit reimte. Auch Björn Katzurs Zeilen brachten das Publikum zum Lachen, indem der Hamburger Stadtmeister mit Begriffen und Fakten der mittelalterlichen und modernen Piraterie jonglierte und dabei theatralische Stimmwechsel vornahm, die einem den lachhaften Dilettantismus einer Wohlstands-geprägten Piratengruppe vor Somalia sehr nahe brachte.

Doch nicht die Heiterkeit und der Unterhaltungswert der Darbietung seien das alleinige Kriterium bei der Wertung, betonte Moderator Björn Högsdal. So könnten auch ernste Texte gut sein. In dem Zusammenhang erklärte der Kieler Künstler die Regularien des Poetry Slams, die in Deutschland einen Zeitrahmen von fünf Minuten pro Poet vorsehen, und verteilte sechs Stimmkarten, mit der die jeweiligen Jurymitglieder eine Wertung von einem bis zehn Punkte abgeben konnten. Auch mit Applaus hantierten die 80 Besucher nicht zu sparsam. Dieser war aber erst in der Finalrunde entscheidend, für die die Punktwertungen aus den ersten beiden Runden addiert wurden. Am Ende war Fabian Navaroo der Gewinner des Abends. Bei seiner Zugabe zog er das Publikum mit einem sprachlichen Steigerungslauf und einem wahnsinnigen Tempo nochmals in seinen Bann.

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