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Ordensschwester in Schleswig : Geschenke braucht Clemente nicht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Besuch bei einer Nonne, die Weihnachten in ihrer Missionsschwestern-WG in der Gutenbergstraße feiert.

von
erstellt am 24.Dez.2016 | 17:15 Uhr

Schleswig | Weihnachtsstress? Den kennt Schwester Clemente nicht. Denn Geschenke kaufen, das muss sie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Dass sie genau so lange selbst keine mehr bekommt, daran hat sie sich ebenfalls längst gewöhnt. Schließlich hat sie sich selbst dazu entschlossen, als sie 1956 den Missionsschwestern vom heiligen Namen Mariens beitrat und dort acht Jahre später das Gelübde abgab, an das sie sich bis ans Ende ihres Lebens halten wird: in Armut leben, gehorsam sein und ehelos zu bleiben. Da passen Geschenke unter dem Weihnachtsbaum einfach nicht dazu.

Clemente ist eine von drei Missionsschwestern, die zurzeit in einem kleinen Anbau neben dem Pfarrhaus der katholischen St.-Ansgar-Kirche ihr Zuhause haben. Schon seit 1952 gibt es diese Niederlassung der Schwestern Mariens in Schleswig. Aber so richtig auf dem Zettel haben die meisten Bewohner der Schleistadt sie noch immer nicht – obwohl das Schwestern-Trio täglich viel unterwegs ist. „Ich gehe sehr oft an die Schlei und bete dort meinen Rosenkranz. Dabei werde ich häufig angesprochen und gefragt, was ich da mache“, erzählt Schwester Clemente. Oft würden die Leute denken, dass sie eine Diakonisse aus Kropp sei. Eine katholische Nonne erwarte hier – in der sogenannten Diaspora – offenbar kaum jemand.

Dabei hatte das Mutterhaus des Ordens (das Kloster Nette in Osnabrück, in dem auch Schwester Clemente ihre Ausbildung machte und viele Jahre arbeitete) unter anderem in Schleswig eine Station gegründet, um den Norden zu missionieren. Durch die vielen Flüchtlinge, die nach dem Krieg aus den Ostgebieten nach Deutschland kamen, wuchs auch hier die Zahl der Katholiken rasant an. Diese Menschen sollten betreut werden. Eine Aufgabe, die Schwester Clemente und ihre Mitstreiterinnen Schwester Ludgeris und Schwester Christel bis heute übernehmen. „Wir sollen nicht hinter verschlossenen Mauern leben, sondern unser Auftrag ist es, bei den Menschen zu sein. Wir wollen Jesus Christus ein Gesicht geben“, sagt Clemente.

So verrichten die drei Damen viele kleine und große Dienste in der Gemeinde. Helfen bei der Messe, machen Kranken- und Geburtstagsbesuche und sind auch in der Flüchtlingshilfe sehr aktiv. „Wir sind alle Rentnerinnen, haben in den vergangenen Jahrzehnten schon viele Aufgaben innerhalb des Ordens erledigt. Jetzt wollen wir hier noch – solange es geht – unsere Kraft und Erfahrung einbringen“, sagt Clemente.

Abseits dieser offiziellen Aufgaben gibt es aber auch ein privates Leben für die Drei. Und das findet in erster Linie innerhalb ihrer bescheiden eingerichteten, aber gemütlichen Wohngemeinschaft statt. „Ja, das kann man so nennen“, sagt Clemente, die diese Art des Zusammenlebens sehr schätzt, aber auch zugibt: „Natürlich gibt es da auch mal Streit. Das gehört doch dazu, wir sind schließlich auch nur Menschen.“ Und die haben – wenn auch nur in sehr beschränktem Rahmen – hin und wieder ganz menschliche Bedürfnisse. So kann es auch sein, dass Sonntagsabend gemeinsam der „Tatort“ im Fernsehen angeschaut wird. Persönliches Taschengeld gibt es allerdings nicht. Die Drei haben zwar ein gemeinsames Konto, das ihnen vom Mutterhaus gestellt wird. Luxus gönnen sie sich davon aber so gut wie gar nicht. Höchstens mal ein Bahnticket, um die Familie zu besuchen.

Ein Großteil davon wohnt in Clementes Fall noch in der Nähe von Osnabrück. Nur dort werde sie noch bei ihrem ursprünglichen Namen, den sie im Orden abgelegt hat, gerufen. Verraten möchte sie ihn uns aber nicht. „Das ist nicht wichtig“, sagt die 79-Jährige. Dafür aber erzählt sie: Bei ihrem Eintritt in die Schwesterngemeinschaft sei die Reaktion innerhalb ihrer Familie sehr unterschiedlich gewesen. „Es gab auch Stimmen, die meinten, dass ich es nicht lange durchhalten würde.“ Diese aber sind längst verstummt. Auch weil Schwester Clemente aus voller Überzeugung Ordensschwester ist. „Ich habe in mir eine Berufung gespürt und wusste gleich: Hier ist mein Platz.“ Dass heute immer weniger Frauen so fühlten wie sie damals, findet sie schade. Schon lange gebe es, nicht nur in ihrem Orden, Nachwuchssorgen.

Umso wichtiger sei es, dass die Kirche und die Orden neue Wege gingen. Dass Papst Franziskus etwa „immer für eine positive Überraschung gut ist“, findet sie sehr gut. Auch sie selbst geht mit gutem Beispiel voran: So fährt sie nicht nur gerne und viel Auto, um die Menschen in der Region um Schleswig persönlich zu besuchen, sondern setzt sich auch ebenso gern vor den Computer, um Mails zu verschicken oder mit den befreundeten Ordensschwestern in Brasilien, die sie schon zwei Mal besucht hat, zu kommunizieren. „Und das geht nun einmal am besten über Facebook“, sagt sie und lächelt.

Und wie wird Weihnachten in der Schwestern-WG in der Gutenbergstraße gefeiert? Bescheiden natürlich. Aber mit geschmücktem Baum. Statt der Geschenke warten darunter doch einige Überraschungen, die mindestens genau so viel Freude machen können. „Ich sammle immer meine gesamte Weihnachtspost und mache sie erst an Heiligabend auf. Darauf freue ich mich schon.“

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