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Landestheater in die „Heimat“ : Gemischte Gefühle auf der Freiheit

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bürgermeister und Stadtwerke-Chef wollen die „Heimat“ zum vollwertigen Theatersaal machen – Generalintendant Grisebach ist skeptisch.

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erstellt am 25.Nov.2015 | 20:28 Uhr

Der Plan, das Gebäude der „Heimat“ zu einem Kulturzentrum zu machen – bei Peter Grisebach sorgt er für sehr gemischte Gefühle. Einerseits, so der Generalintendant des Landestheaters, freue er sich für Mario Hoff. „Das, was er in der ‚Heimat‘ aufgebaut hat, wird gerettet.“ Auf der anderen Seite jedoch empfinde er die Entscheidung als „Katastrophe“, denn: „Schleswig war immer das Herz des Landestheaters. Davon wird sich endgültig verabschiedet.“ Im ehemaligen Mannschaftsheim auf der Freiheit werde man auch nach einem Umbau keine Opern, Operetten oder Musicals aufführen können, ist Grisebach überzeugt.

Dieselben Politiker, die in der Theaterdebatte einst den Hesterberg als in der Walachei oder Wüste gelegen verspottet hätten, seien nun für die Stätte auf der Freiheit, kritisiert der Generalintendant. „Der Hesterberg liegt 600 Meter Luftlinie vom alten Theaterstandort im Lollfuß entfernt. Die ‚Heimat‘ fast vier Kilometer.“ Gleichwohl werde das Landestheater natürlich auch auf der Freiheit spielen, wenn die Stadt dort für eine neue Bühne sorge, stellt Grisebach klar. Aber dann werde man dort eben nur noch Schauspiel anbieten können.

Das sehen Bürgermeister Arthur Christiansen und Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs nicht unbedingt so. „Unser Ziel ist es, dass dort alles möglich ist“, betonten beide gestern unisono, als sie weitere Einzelheiten zu den Plänen erläuterten. Im Idealfall reiche das Spektrum vom Abiball über Comedy bis zur Oper. Denkbar seien im großen Saal mobile Tribünen. Auch Tagungen sollen in dem multifunktionalen Gebäude stattfinden.

Wenn die zum Stadtwerke-Verbund gehörende Kommunalbetriebe GmbH die „Heimat“ für eine Million Euro von Team Vivendi gekauft hat, soll im ersten Halbjahr 2016 eine genaue Bestandsaufnahme erfolgen, kündigte Schoofs an. „Wir wissen, dass wir viel zu sanieren und zu modernisieren haben“, sagte er. Er gehe aber davon aus, dass der ursprünglich von der Ratsversammlung für ein neues Theater gesteckte Rahmen von fünf Millionen Euro ausreichen werde. Bei ersten Besichtigungen hätten Baufachleute die Umbaukosten auf drei Millionen Euro geschätzt.

Christiansen geht davon aus, dass sich der Kreis mit einer Million Euro an der Multifunktionshalle beteiligen werde. Auch werde man versuchen, für den nicht-kommerziellen Teil – sprich: das klassische Theater – Landesmittel einzuwerben. „Da steht die Regierung noch immer im Wort.“ Unterm Strich werde der Betrieb des Kulturzentrums wohl ein Zuschussgeschäft werden, glaubt Schoofs. Zumindest das Programm des Varietétheaters „Heimat“ sei aber kostendeckend.

Laut Schoofs könnten die Umbauten 2018 abgeschlossen sein. Ob dann aber auch schon die Schauspieler des Landestheaters dort schon auf der Bühne stehen werden, ist nach Angaben des Bürgermeisters wenig wahrscheinlich. Christiansen wies noch einmal auf die planungsrechtlichen Probleme hin. Der aktuelle Betrieb in der „Heimat“ falle unter den Bestandsschutz, weil früher im Mannschaftsheim auch Veranstaltungen stattgefunden hätten. An diesem Status quo werde auch durch Sanierungsarbeiten nicht gerüttelt. Wenn jedoch zum Beispiel die Dachkonstruktion verändert werde, um Schauspiel zu ermöglichen, sei dafür eine Baugenehmigung erforderlich. Dafür wiederum sei ein Bebauungsplan für das östliche Gelände der Freiheit erforderlich – und den gebe es noch nicht. Prüfen werde man auch die Möglichkeit eines vorhabenbezogenen B-Plans. Christiansen: „Der könnte vielleicht schneller umgesetzt werden.“ Er könne sich jedoch vorstellen, so der Bürgermeister weiter, dass man das Projekt zum Anlass nehme, den 2006 aufgestellten Rahmenplan für die Freiheit komplett zu überarbeiten und damit der ins Stocken geratenen Entwicklung des Stadtteils neuen Schwung zu verleihen.

Wichtig sei es, dass das Slesvighus als Interimsspielstätte des Landestheaters zunächst weiter genutzt werden könne, betonte Christiansen. Er gehe von weiteren sechs Jahren aus, bis auf der Freiheit sämtliche planungsrechtlichen Hürden genommen sind.

Überrascht vom „Heimat“-Deal zeigte sich derweil die Initiative um Professor Willy Dierks und Caroline Schwarz, die im Lollfuß eine Stadthalle mittels einer Genossenschaft errichten wollte. „Es ist schade um den Lollfuß“, meinte Diercks. Andererseits freue er sich über die neue Einigkeit in der Theaterfrage. „Wichtig ist uns, dass man auf der Freiheit nicht nur eine Notlösung hinbekommt.“

Weitaus optimistischer ist naturgemäß Mario Hoff, der Macher des Varietétheaters „Heimat“. „Das Gebäude mit seiner Lage am Wasser ist es wert, weiterentwickelt zu werden. Es ist eine Bereicherung für die Stadt.“

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