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Sinkende Schülerzahlen : Gemeinschaftsschulen müssen kooperieren

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nach Einschätzung von Experten wird bis 2030 jede zweite Gemeinschaftsschule die Mindestschülerzahlen für die Sekundarstufe I nicht mehr erreichen. Einrichtungen müssen geschlossen werden oder zusammenarbeiten.

Kooperation statt Schließung – das ist die Maxime, der die Schulpolitik im Kreis angesichts der sinkenden Schülerzahlen folgt. Dahinter steht nicht nur die Notwendigkeit, die Erreichbarkeit insbesondere der Grundschulen im Rahmen zu halten, sondern auch die Erkenntnis, dass diese oft mehr sind als Lernorte. In vielen kleineren Orten sind die Schulen Zentralisationspunkt für die Kulturarbeit und den sozialen Austausch. Die jüngsten Betrachtung der weiterführenden Schulen verengte sich hingegen bislang auf die Frage der Umwandlung von Regional- zu Gemeinschaftsschulen sowie Entscheidungen über die Einrichtungen gymnasialer Angebote in der Fläche. Dabei schwebt auch über diesen Schulen das Damoklesschwert des demographischen Wandels.

Jede zweite Gemeinschaftsschule im Kreisgebiet wird bis zum Jahr 2030 von der Schließung bedroht sein, weil sie unter die heute geltenden Mindestschülerzahlen rutschen wird. Das ist das Ergebnis einer Berechnung des Planungsbüros GGR. Dieses lieferte die Prognosezahlen, die der entsprechenden Arbeitsgruppe des Programms Regionale Daseinsvorsorge als Grundlage für ihre strategischen Zukunftsplanungen diente. In der Arbeitsgruppe wurden verschiedene Szenarien durchgespielt, am Ende war man sich sicher: Auch die Gemeinschaftsschulen müssen zunehmend kooperieren, damit die Schullandschaft im Kreis auch in Zukunft funktioniert. Allerdings werde dies ohne die Hilfe des Landes kaum funktionieren.

Denn wie bei den Grundschulen machen Experten auch bei den weiterführenden Schulen grundlegende Bedenken geltend, was beispielsweise die auskömmliche Lehrerversorgung für kooperierende Schulen (Zentrale/Außenstelle) angeht. Außerdem müssen trotz sinkender Schülerzahlen Gebäude voll weiterfinanziert werden. Schließlich würden auch die Kosten für den öffentlichen Personennahverkehr steigen, weil weniger Schüler zu einer gleich bleibenden Anzahl von Standorten gefahren werden müssten.

Vor diesem Hintergrund schlägt die Arbeitsgruppe vor, eine Änderung in der Lehrerzuweisung und Vertretungsregelung durch das Land anzustreben, damit die Grundausstattung von Außenstellen mit Personal gewährleistet bleibt. Außerdem sollte die Mindestschülerzahlen-Regelung flexibilisiert werden. Denkbar wäre aus Sicht der Experten die Einführung eines Strukturfaktors, der das Fortbestehen einer Schule ermöglicht, selbst wenn die Schülerzahl unter die Grenze von 300 beziehungsweise 240 sinkt.

Die Zeit drängt. Zwar ist der Zeithorizont der Prognosen bis zum Jahr 2030 gespannt. Dies sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, „dass die meisten Standortbedrohungen in den kommenden fünf Jahren einen Handlungsbedarf auslösen werden“, heißt es in der GGR-Studie.

Wenn die für dieses Jahr geplante Umwandlung von Regional- in Gemeinschaftsschulen abgeschlossen sein wird, existieren im Kreis 15 Gemeinschaftsschulen. Nach Ansicht der Experten werden im Jahr 2030 sieben davon die Mindestschülerzahlen nicht mehr erreichen, und zwar Eggebek, Böklund, Silberstedt, Erfde, Tarp, Sterup sowie die Gallbergschule in Schleswig, die bereits heute die gültige 300-Schüler-Grenze unterschreite.

Sollte es zu Schulschließungen kommen, hätte das je nach Standort ganz unterschiedliche Auswirkungen in Bezug auf die Erreichbarkeit. Die Gutachter nehmen als zumutbare Zeit für den Schulweg 45 Minuten an. Während eine Schließung etwa der Schulen in Tarp oder Eggebek oder der Gallbergschule Schleswig nur marginale Verschlechterungen bedeuten würde, müsste im Falle einer Schließung der Schule in Böklund jeder fünfte Schüler einen längeren Schulweg in Kauf nehmen. Im Falle von Erfde, Silberstedt oder Sterup wäre es jeder sechste Schüler.

Plausibel erscheinen vor diesem Hintergrund Kooperationen zwischen den Gemeinschaftsschulen Sterup und Satrup sowie Erfde und Kropp. Für Silberstedt wäre aus Sicht der Experten eine Orientierung in Richtung Schleswig denkbar. Einen Schritt voraus sind bereits die Gemeinschaftsschulen in Tarp und Eggebek, die sich bereits auf den Weg zur Kooperation gemacht haben. Sie bieten gemeinsam mit dem Berufsbildungszentrum in Schleswig (BBZ) ab kommendem Sommer einen Abiturzweig in Tarp an. Auch das hat aus Sicht der Arbeitsgruppe Vorbildcharakter – gerade für den äußersten Osten und den Südwesten des Kreises. Im Abschlussbericht Regionalstrategie Daseinsvorsorge heißt es: „Die Einrichtung von BBZ-Außenstellen in bereits vorhandenen Gemeinschaftsschulen scheint sinnvoll, und diese Entwicklung sollte von Kreispolitik und Land unterstützt werden.“


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erstellt am 04.Feb.2014 | 17:00 Uhr

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