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Lornsenschule und Musikschule : Gemeinsam gegen den G8-Stress

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Kreismusikschule und Lornsenschule vereinbaren Kooperation: Künftige Fünftklässler erlernen im Rahmen des regulären Unterrichts Instrumente

von
erstellt am 20.Feb.2017 | 08:21 Uhr

Welche Belastung die verkürzte Schulzeit mit dem Abitur nach dem 12. Jahrgang für die Jugendlichen an der Lornsenschule mit sich bringt, das spürt Willi Neu hautnah. Der Leiter der Kreismusikschule merkt deutlich, dass die Gymnasiasten weniger Zeit als früher dazu haben, das Spielen von Musikinstrumenten zu erlernen. „Gerade für Kinder, die auf dem Land leben, wird es zunehmend schwer, für die Musikschule noch einmal zurück nach Schleswig zu fahren, wenn sie erst nach dem Nachmittagsunterricht nach Hause kommen“, sagt Neu. Mit dieser Situation wolle man nun „kreativ umgehen“, betont er.

Deshalb haben Kreismusikschule und Lornsenschule eine neue Form der Zusammenarbeit geschlossen. Kinder, die nach den Sommerferien in die fünfte Klasse des G8-Gymnasiums eingeschult werden, können innerhalb des Schulunterrichts ein Instrument erlernen. Zur Auswahl stehen Gitarre, Keyboard, Klarinette, Klavier, Saxofon, Schlagzeug, Trompete, Violine und Violoncello.

Die Lornsenschule weitet dazu ein Angebot aus, das bereits seit 30 Jahren existiert: den Musikzweig. Unter dem allgemeinen Schülerschwund an der Lornsenschule hatte zuletzt auch dieser Zweig gelitten. Statt kompletter Musikzweig-Klassen mit bis zu 28 Schülern gab es zuletzt nur noch halbe Klassen, in denen die Kinder in der Orientierungsstufe statt der obligatorischen zwei Stunden pro Woche vier Stunden Musikunterricht hatten – eine davon ist reserviert für das Singen im Chor.

Im neuen Schuljahr sollen die Fünftklässler nun eine der vier Musikstunden für den Instrumentalunterricht verwenden können. Dazu gehen sie die Michaelisallee hinauf bis zur Musikschule an der Suadicanistraße. Lehrkräfte der Kreismusikschule arbeiten mit den Schülern dann individuell oder in kleinen Gruppen von zwei oder drei Kindern. In diesem Punkt geht die Kooperation der Kreismusikschule mit der Lornsenschule weiter als die bereits bestehende Zusammenarbeit mit der Bruno-Lorenzen-Gemeinschaftsschule mit ihren „Bläserklassen“.

Die Instrumente werden den Lornsenschülern – soweit möglich – zur Verfügung gestellt. Kostenlos ist das Angebot allerdings nicht – auch wenn für Familien, die wenig Geld haben, Ermäßigungen möglich sind. „Das Honorar wird unter 40 Euro im Monat liegen“, sagt Christoph Kalies. Der Musiklehrer an der Lornsenschule hat das Konzept gemeinsam mit Willi Neu entwickelt. Das Projekt ist zunächst auf ein Jahr beschränkt. Kalies hofft aber, dass es sich zu einer dauerhaften Einrichtung entwickelt.

Es ist nicht das erste Vorhaben, mit dem die Lornsenschule aus der G8-Zeitnot eine Tugend machen möchte. So gibt es bereits im laufenden Schuljahr in Klassenstufe 5 eine „Sportklasse“, für die die Schule mit mehreren Vereinen zusammenarbeitet.

Auch die Domschule setzt im Wettbewerb um neue Schüler auf Zusatzangebote. Im Nachbar-Gymnasium, das nach wie vor am Abitur nach dem 13. Jahrgang festhält, gibt es sogenannte „Mint-Klassen“ mit zusätzlichen Unterrichtsstunden in Naturwissenschaften und Informationstechnik.

Willi Neu erwähnt die Domschule nicht ausdrücklich, wenn er davon spricht, dem gegenwärtigen „Mint-Hype“ etwas entgegensetzen zu wollen. Der Musikunterricht bereite nicht in jedem Fall auf das spätere Berufsleben vor – aber auch das sei natürlich möglich. Vor allem aber sei die Fähigkeit, ein Musikinstrument zu spielen etwas, was den Alltag weit über die Schulzeit hinaus bereichere. „Es ist ein Köfferchen, das man sein ganzes Leben lang bei sich hat.“ Christoph Kalies führt noch eine Reihe weiterer Argumente für das Musizieren an: Es stärke die motorischen Fähigkeiten, biete emotionale Ausdrucksmöglichkeiten, erweitere die Allgemeinbildung, übe diszipliniertes Verhalten und fördere die Fähigkeit, einander zuzuhören und aufeinander einzugehen.

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