Schleswiger Weihnachtsmarkt 2017 : Gema-Ärger: Dicke Rechnung für nicht gesungene Lieder

Sie geben nichts: Marit Schoppmeier und Rüdiger Knospe vom Stadtmarketing.
Sie geben nichts: Marit Schoppmeier und Rüdiger Knospe vom Stadtmarketing.

Die Gema verlangt 2300 Euro für den Schleswiger Weihnachtsmarkt 2017 – obwohl der ohne Musik auskam.

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26. Mai 2018, 07:53 Uhr

Wenn auf einem Weihnachtsmarkt ein Kinderchor „Last Christmas“ singt, dann klingeln bei den Erben von George Michael die Kassen. Dafür sorgt die „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“, besser bekannt unter ihrer eingängigen Abkürzung Gema.

Die Gema vertritt in Deutschland die wirtschaftlichen Interessen von zehntausenden Songschreibern aus der ganzen Welt. Mit wie viel Nachdruck sie das tut, das erlebt Stadtmanager Rüdiger Knospe Jahr für Jahr.

Für 2016 forderte die Gema von ihm rund 2300 Euro für „Bürger-, Straßen-, Dorf- und Stadtfeste, die im Freien stattfinden“. Dabei hatte er auf dem Weihnachtsmarkt gar keine Musik aufgeführt. Beschallung gab es, sagt Knospe, ausschließlich vom Kinderkarussell, das aber seinen eigenen Vertrag mit der Gema hat. Knospe einigte sich schließlich mit der Gema auf eine Zahlung von rund 200 Euro – und zwar für die Lieder, die während des lebendigen Adventskalenders gesungen wurden. Das seien zwar überwiegend alte Weihnachtslieder gewesen, deren Urheberrechte schon seit Jahrzehnten oder noch länger abgelaufen sind. Knsope konnte aber auch nicht gänzlich ausschließen, dass vielleicht doch mal ein paar Kinder Rolf Zuckowskis „In der Weihnachtsbäckerei“ intoniert haben – oder auch „Last Christmas“.

„Mich erinnert das an die Methoden von sehr dubiosen Firmenverzeichnis-Anbietern“

Für 2017 wollte sich der Stadtmanager diesen Ärger sparen. Es gab keinen musikalischen Adventskalender mehr. Das Thema war für ihn erledigt. Bis vor wenigen Tagen. Dann kam die neue Rechnung von der Gema. Samt ausgefülltem Überweisungsträger oder wahlweise einer Einzugsermächtigung und zehn Prozent Zuschlag als Strafe dafür, dass Knospe der Gema nicht rechtzeitig mitgeteilt habe, welche Lieder er aufführte. Gesamtbetrag 2303,75 Euro.

Knospe schrieb der Gema, dass er nicht zu zahlen beabsichtige. Auf eine Antwort wartet er bisher. Auch auf eine Anfrage unserer Zeitung, was die Grundlage für diese Rechnung ist, meldete sich die Gema am Freitag nicht.

„Mich erinnert das an die Methoden von sehr dubiosen Firmenverzeichnis-Anbietern“, sagt Knospe – und spielt dabei auf Unternehmen an, die auf gut Glück Rechnungen verschicken in der Hoffnung, irgendein Buchhalter, der nicht genau hinschaut, werde schon bezahlen.

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