Träume geplatzt : Geltinger Fähre ist endgültig Geschichte

Das waren noch Zeiten: Bis 1999 pendelte die „Gelting Syd“ zwischen Gelting und Faaborg.
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Das waren noch Zeiten: Bis 1999 pendelte die „Gelting Syd“ zwischen Gelting und Faaborg.

Die Wiederbelebung der Verbindung nach Faaborg ist gescheitert. Geringe Chancen für eine Linie von Olpenitz nach Fünen.

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12. Januar 2015, 10:54 Uhr

Viele Leute wollten es nie so richtig wahrhaben: Als Mitte 1999 Butterfahrten mit zollfreiem Verkauf durch europäisches Recht gekippt wurden, war das auch für die Fährverbindung zwischen Gelting und Faaborg ein harter wirtschaftlicher Schlag. Der Betrieb wurde zeitgleich eingestellt, mit dem zollfreien Verkauf verlor die Reederei ihre wirtschaftliche Basis und löste sich auf. Die Autofähre „Gelting Syd“ wurde nach Marokko verkauft. 64 Jahre lang hatte die 28 Meilen lange Verbindung bestanden, die in besten Zeiten von bis zu 600  000 Passagieren pro Jahr genutzt wurde.

Das Ende der Seeverbindung zwischen der Geltinger Bucht und dem Hafen auf Fünen wurde zunächst hingenommen, das rote Schiff aber wurde offensichtlich doch vermisst. 2012 gründete sich eine Facebook-Gruppe mit dem Ziel, die Fährlinie wieder zu reaktivieren. Innerhalb kürzester Zeit hatte die Gruppe 13  000 Mitglieder – und die Hoffnung wuchs. Die Reederei Nordisk Faergefart meldete Interesse an, es wurden Pläne geschmiedet, Daten für die erste Fahrt genannt und sogar Europaministerin Anke Spoorendonk meldete sich zu diesem Thema zu Wort. Selbst Preise für die Überfahrt wurden schon genannt: 6,40 Euro für Fußgänger und 37,10 Euro für ein Auto mit vier Insassen. Das Interesse an einer Reaktivierung ging in erster Linie von der dänischen Seite aus und wurde auch von Geschäftsleuten in Faaborg forciert und gesponsert. Sie versprechen sich von Seereisenden aus Deutschland gute Geschäfte und weitere Arbeitsplätze.

Inzwischen sind mehr als zwei Jahre vergangen. Eine Fähre gibt es immer noch nicht. Und es wird sie wohl auch nie wieder geben. Die dänische Reederei erklärte auf Nachfrage, dass das Projekt Gelting gestorben sei, und auch auf der einst so regen Facebookseite herrscht seit Monaten Stille. Da sind nicht einmal mehr Durchhalteparolen zu finden. Die Idee einer neuen Fährverbindung ist tot.

Zumindest eine kleine Chance aber gibt es für eine Fährverbindung zwischen Fünen und Olpenitz, wie der dänische Reeder Jan Kopper bestätigte. Im Kappelner Ortsteil Olpenitz wird derzeit an einem Ferienresort gearbeitet. Um Touristen zu bedienen, hat der Bauherr eine Fährverbindung ins Spiel gebracht. Deutsche Reeder winkten bisher ab, weil ihnen die Bedingungen in dänischen Häfen offenbar zu streng sind. „In dieser Woche sehen wir wahrscheinlich weiter“, hofft Jan Kobber.

„Die Reaktivierung der Linie zwischen Faaborg und Gelting war von Anfang an eine Luftnummer“, sagt Solveig Schöllermann von der Geltingmole GmbH. Die Mole war 1964 eigens für die Fährlinie errichtet worden. Nach dem Aus der Fährlinie 1999 hatte die Gesellschaft zunächst die Landflächen von der Reederei gekauft, anschließend die Rechte für die Wasserflächen von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung. Im Laufe der Jahre wurde der ehemalige Fähranleger mit viel Aufwand zu einem Sportboothafen umgebaut. Was die Wiederbelebung der Fährlinie betrifft, hat ein Gespräch zwischen Vertretern der Nordisk Faeregefart und Geltingmole stattgefunden. „Danach waren die Pläne eigentlich endgültig erledigt“, sagt Solveig Schöllermann. Man sei zwar offen und ohne vorgefasste Meinung in das Treffen gegangen, die Fakten aber sprachen für sich: An der Anlegestelle steht inzwischen eine Diesel-Tankstelle, die Fahrrinne ist versandet, es gibt keine Parkplätze und keinen Raum für Auto-Warteschlangen. „Es wäre ein Millionenaufwand, hier wieder einen Fähranleger zu installieren“, sagt Schöllermann. Und da ist noch ein Aspekt, der dagegen spricht: die Umweltbelastung. „Schon vor 1999 haben sich die Segler über die Rußpartikel beschwert, die durch die Schornsteine der Fähren auf den gepflegten Decks gelandet sind“, sagt Schöllermann. Auch wenn die Technik inzwischen fortgeschritten ist – diese Belastung will den Kunden in Gelting niemand zumuten.

Die Fährverbindung zwischen Gelting und Faaborg wird nur in der Erinnerung weiterleben – und auf einer Internetseite, auf der die Historie, Bilder, Fahrpläne und eine Speisekarte aus der Zeit vor 1999 zu sehen sind. Der Preis von 68 Kronen für Stjerneskud (Fischfilet mit Krabben und Spargel) zeigt ganz deutlich: Die Linie ist Geschichte.

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