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Schleswiger Nachrichten

21. September 2017 | 21:28 Uhr

Gelting : Gelting setzt auf den Vier-Klang

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Kirchengemeinde sammelt Geld für drei neue Bronze-Glocken. Die Kosten werden mit 68 000 Euro veranschlagt.

„Wir wünschen uns, dass im nächsten Jahr wieder ein vierstimmiges Geläut die Besucher der Gottesdienste, Konzerte und kirchlichen Amtshandlungen in unser Gotteshaus rufen wird.“ Diese Hoffnung hegen Pastorin Janine Linde, Gerd Fürstenberg als Mitglied des Kirchengemeinderates und Küster Peter-Jürgen Lorenzen. Die Drei rufen die Bürger zur Mithilfe in Form von Spenden auf. Ihr gemeinsames Credo „Bringen Sie Gelting wieder zum Klingen.“

Seit mittlerweile einem Jahr ruft nur noch eine einzige von bis dahin drei Glocken in die Katharinen-Kirche. Zwei mussten aus Sicherheitsgründen still gelegt werden. Bemerkt wurde die Altersschwäche Anfang 2013 beim Läuten der Glocken in dem separat auf dem Friedhof stehenden und von 1729 stammenden hölzernen Glockenturm. Da gab es scheppernde Nebengeräusche in der zehn Meter hoch gelegenen Glockenstube. Schnell war die Ursache ermittelt: In zwei der Glocken hatte die Halterung des Klöppels zu viel Spiel, so dass der Klöppel auf der Glockeninnenseite umherwanderte. Kein Wunder also, dass sich da ein unsauberer Klang ergab, zumal auch Bolzen in der Aufhängung abgerissen waren. Also wurde ein Glockensachverständiger aus Westfalen zu Rate gezogen. Seinem Gutachten zufolge war die Lebensdauer der beiden Eisenhartgussglocken mit ihrem porösen Gefüge – löchrig wie ein Schweizer Käse –, das zudem von innen nach außen rostete, abgelaufen. Glocken aus diesem Material für sogenannte „Notgeläute haben eine Lebensdauer von 90 bis 100 Jahren – in Gelting waren es 92 Jahre. Im Gutachten wurde auch gesagt, dass die beiden Glocken aus Sicherheitsgründen stillzulegen seien, denn: Sie könnten zerspringen und im schlimmsten Fall den Turm sprengen. Also schweigen seitdem die beiden Glocken.

Eisenhartguss, so Gerd Fürstenberg, ist ein Material, das in der Nachkriegszeit für Glocken verwendet wurde. Nicht zuletzt aus finanziellen Gründen wurde sich dieses Ersatzwerkstoffs bedient. Denn Bronze als klassisches Glocken-Material mit einer Läute-Dauer von rund 800 Jahren bei bester Klanglaut-Entfaltung war und ist teuer - und das Geld dafür hatte man im Jahr 1921 nicht.

Die heutige Glocken-Misere reicht bis 1917 zurück und ist letztlich eine späte Nachwirkung von zwei Weltkriegen. 1917, so Gerd Fürstenberg, mussten in ganz Deutschland die Kirchen ihre Glocken melden – für den Krieg wurde Bronze benötigt, beispielsweise für Munitionspatronen. Damals gab es in Gelting drei Bronzeglocken: 1300, 165 und 45 Kilogramm schwer. Es war die größte, die abgegeben werden musste. Sie wurde zerschlagen und abtransportiert. Da waren es nur noch zwei. 1921 fiel die Entscheidung, das Geläut zu vervollständigen – mit zwei Glocken aus Eisenhartguss. Dabei wurde die 165 Kilogramm schwere Bronzeglocke in Zahlung gegeben. Dann kam der 2. Weltkrieg und da büßte die Kirche 1942 aus den gleichen Gründen wie 1917 ihre letzte Bronzeglocke ein. Es verblieben die beiden Eisenhartgussglocken. 1967 dann der Beschluss, das zweifache Geläut mit einer dritten Glocke aus Bronze zu komplettieren. Seitdem gab es das den Geltingern vertraute dreistimmige Geläut.

Der nun zu vernehmende einstimmige Klang darf kein Dauerzustand bleiben, – so die Entscheidung des Kirchengemeinderates mit Pastorin Janine Linde an der Spitze. Gefolgt werden soll dem Vorschlag des Sachverständigen, das Geläut neu zu formieren – mit drei neuen Bronzeglocken unterschiedlicher Größe. Dazu kommt dann die bronzene Glocke von 1967. Das bedeutet, dass es wieder ein vierstimmiges Geläut wie ehedem – 1763 – geben soll.

Den Kirchen-Verantwortlichen ist bewusst, dass das teuer wird - die Rede ist von 68 000 Euro. Vor diesem Hintergrund ist ein „Glocken-Projekt“ angelaufen und knapp 10 000 Euro sind bereits in der Glocken-Kasse: Spenden von Privatleuten, und aus Stiftungen, Erlöse aus Benefizkonzerten und Kollekten. Auch die Rücklagen werden für das Ziel herhalten müssen. Doch es fehlt noch viel Geld, bevor der Glockenguss in Auftrag gegeben werden kann. Das, so Linde, Fürstenberg und Lorenzen, könne erst geschehen, wenn die erforderliche Summe auf dem Konto sei. Deshalb wird es in naher Zukunft eine Fülle von Aktionen geben, die alle dazu dienen, dem Glocken-Ziel näherzukommen. Angedacht sind ein Bücherflohmarkt, Konzerte, weitere Kollekten und anderes mehr. Auch wird auf Spenden durch Kirchen- und Glockenturmführungen gehofft. Zudem gibt es die „Eine kleine Glocke für eine große Glocke“-Spenden-Initiative von Heinz Kretschmann, wie Pastorin Janine Linde besonders erwähnt.

Und wenn das dann erste vierstimmige Geläut im nächsten Jahr aus dem Glockenturm erklingt, dann werden die alten Eisenhartgussglocken keineswegs verschrottet. Mit ihren 92 Läute-Jahren haben sie Denkmalswert und sollen auf dem Friedhof kirchennah aufgestellt werden – zur Erinnerung.

>Das Spendenkonto unter dem Stichwort „Kirchenglocken Gelting“ bei der Nord-Ostsee-Sparkasse: Kirchenkreis Schleswig-Flensburg IBAN DE49 217 500 000 000068888, BIC: NOLADE21NOS.

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