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Schleswiger Nachrichten

11. Dezember 2017 | 16:48 Uhr

Geldstrafe für Tunesien-Trip mit Tochter

vom

Einspruch des Vaters abgelehnt - er muss zahlen

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Lürschau | Für die Mutter aus Lürschau war es ein Martyrium, wie es die sechsjährige Tochter erlebt hat, ist nicht bekannt: An einem Sonntag im August 2011 nahm ihr Vater sie mit in seine tunesische Heimat - und blieb drei Monate dort. Der Mutter erzählte er am Telefon: "Du siehst deine Tochter nie wieder."

Diese Drohung machte er nicht wahr. Nach drei Monaten kehrte er mit dem Kind nach Deutschland zurück. Jetzt beschäftigte sich das Schleswiger Amtsgericht mit dem Fall. Der Mann hatte einen Strafbefehl in Höhe von 60 Tagessätzen wegen "Entziehung Minderjähriger" erhalten. Das entspricht einer Geldstrafe im niedrigen vierstelligen Bereich.

Er legte Widerspruch ein, und so war nun eine mündliche Strafverhandlung im Amtsgericht angesetzt. Die Mutter des Kindes war als Zeugin erschienen. Der Angeklagte aber erschien nicht. Kurz vor Beginn hatte er bei seinem Verteidiger angerufen und sich krank gemeldet. Richter Dr. Ole Sachtleber war ebenso wie die Staatsanwaltschaft der Ansicht, die verhängte Strafe sei "ausgesprochen milde" ausgefallen und schlug dem Verteidiger vor, den Widerspruch in Absprache mit seinem Mandanten zurückzunehmen. Dazu aber war etwas Überzeugungsarbeit nötig. Der Anwalt argumentierte, sein Mandant habe doch eigentlich nichts Unrechtes getan. Er sei bloß zu den Großeltern gefahren. "Wenn die in Lürschau wohnen würden und nicht zufällig in Tunesien, würde niemand auf die Idee kommen, dass das ein Problem wäre." Schließlich hätten die Eltern das gemeinsame Sorgerecht gehabt. Die Drohung, das Kind nicht zurückzubringen, sei nicht ernst gemeint gewesen, sondern der Emotionalität in der Trennungssituation geschuldet.

Nachdem der Richter wiederholt klar gemacht hatte, dass all das nichts an der Strafbarkeit der Kindes-Entziehung ändere, erklärte sich der Angeklagte telefonisch bereit, seinen Widerspruch gegen den Strafbefehl zurückzuziehen. Die Mutter brauchte nicht mehr in den Zeugenstand zu treten.

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