"Geld her für die Hippotherapie!"

Wie im Kino: Am Freitag überfielen Markus Schabbing alias Pumpkin und Nicole Janze als Honey Bunny 'Tarantinos Bar' für den guten Zweck.  Foto: kra
Wie im Kino: Am Freitag überfielen Markus Schabbing alias Pumpkin und Nicole Janze als Honey Bunny "Tarantinos Bar" für den guten Zweck. Foto: kra

Schauspieler aus dem Landestheater spielten in Tarantinos Bar Szenen aus "Pulp Fiction" nach - und sammelten damit Spenden

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24. Dezember 2012, 07:16 Uhr

schleswig | Beim Überfall auf eine Bar in lauter freudige Gesichter zu blicken, haben bestimmt noch nicht viele Verbrecherpärchen erlebt. Und doch ist genau das am vergangenen Freitag passiert, als es kurz vor 23 Uhr in "Tarantino’s Bar" hieß: "Spot on!" Markus Schabbing als Pumpkin und Nicole Janze alias Honey Bunny sprangen ganz im Stile von Quentin Tarantinos Kultstreifen "Pulp Fiction" von 1994 mit gezückten Waffen auf den Tresen und verlangten nach Geld. Doch statt erschrockener Gesichter ernteten sie zunächst nur begeisterten Applaus.

Die beiden Schauspieler stehen derzeit gemeinsam mit ihren Kollegen Daniel Ratthei und Enno Westernhagen in dem Märchenstück "Die Schneekönigin" des Landestheaters im Slesvighus auf der Bühne. Doch an diesem Abend nutzte das Quartett sein schauspielerisches Talent für einen guten Zweck: Zugunsten der RSH-Spendenaktion "Carsten Köthe hilft helfen" für die Hippotherapie wurde für eine Stunde "das Theater in die Kneipe gebracht", wie Enno Westernhagen erklärte, der Jules Winnfield verkörpert (im Film gespielt von Samuel L. Jackson). Die Idee war dem Betreiber von "Tarantino’s Bar", Marcel Bischof, gekommen, weil "ein Bekannter von mir eine Tochter hat, die spastisch ist und unter epileptischen Anfällen leidet. Und mit der Hippotherapie geht es dem Kind besser und die Seele heilt". Daher hatte er mit RSH Kontakt aufgenommen und die Schauspieler, die nach ihren Auftritten im benachbarten Slesvighus öfter in der Kneipe vorbeischauen, gefragt, ob man nicht eine gemeinsame Aktion starten könne.

Und man konnte. In Anlehnung an den Namen der Bar entschieden sie, "Pulp Fiction" von Quention Tarantino in der Bar zu präsentieren. Binnen einer Woche studierten sie die Texte ein, ehe die Theateradaption im Schnelldurchlauf das Publikum in der vollbesetzten Bar begeisterte.

Nach dem angedrohten Überfall mimten Enno Westernhagen und Daniel Ratthei die Auftragsmörder Jules Winnfield und Vincent Vega, die für ihren Gangsterboss Marsellus Wallace ehemalige "Geschäftspartner" rächen und einen Koffer wiederbeschaffen sollten. Diese Szene spielte im Rampenlicht mitten in der Kneipe und ging für Marsellus einstigen "Geschäftsparter" Brett blutig zu Ende - er wurde erschossen. Diese kultige Szene erhielt besonders viel Applaus, gelang es den Akteuren doch, sie authentisch und überzeugend umzusetzen - auch dank des Fantasie-Zitats aus der Bibel, das Westernhagen alias Jules verlas.

Im Anschluss bezirzte Vincent Mia Wallace, die Frau seines Chefs, mit einer stimulierenden Fußmassage und am Ende landeten sie Twist tanzend auf dem Tisch. Im weiteren Verlauf fehlte die "Gold Watch" von Boxer Butch Collidge ebeso wenig wie Zed, der sich Wallace und Collidge als Sexsklaven halten wollte. Und wie im Original endete die rasante Vorstellung genau da, wo sie begonnen hatte: Beim Überfall von Pumpkin und Honey Bunny. "Gebt das Geld her für die Hippotherapie", forderten sie und gaben eine Plastiktüte herum.

Am Ende sind durch die etwas andere Spendenaktion 220 Euro zusammengekommen. Einen Teil davon steuerte der Verkauf von 130 Tombolalosen bei. Eigens für die Gewinne war Marcel Bischof durch die Innenstadt gelaufen um Sponsoren zu finden - und hat dabei "positives Feedback" erhalten. So war es auch am Freitag. "Es war ein sehr schöner Abend. Das Publikum war begeistert, hat geklatscht und die Schauspieler waren sowieso gut", zeigte er sich mehr als zufrieden.

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