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Schleswiger Nachrichten

21. Oktober 2017 | 11:37 Uhr

Schleswiger Landestheater : Gefahr im Verzug

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CDU plädiert gegen den Standort Hesterberg / Brandbrief des Generalintendanten / Ministerin interveniert

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erstellt am 18.Mai.2013 | 07:31 Uhr

Schleswig | Wenn sich die Kieler Landesregierung mit einem Brief direkt an eine Kommune wendet, dann muss schon Gefahr im Verzug sein. Genau dieses ist am 16. Mai 2013 geschehen. Da ließ Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) an die Fraktionsvorsitzenden der Schleswiger Ratsversammlung und an Bürgermeister Thorsten Dahl ein zweiseitiges Schreiben vom Stapel, betreffend, ganz einfach das "Theater Schleswig".

In ihrem Brief verdeutlicht Spoorendonk die Position des Landes bei der Frage nach dem künftigen Theaterstandort in der Schlei-Stadt. In Planung ist derzeit, wie mehrfach berichtet, die Umnutzung des Hesterberg-Geländes, auf dem derzeit noch das Volkskunde-Museum betrieben wird. In einer Machbarkeitsstudie hatte ein von der Stadt beauftragter Hamburger Generalplaner empfohlen, dieses Gelände für die Schleswiger Landestheater-Dependance zu nutzen. Errechnete Kosten des eigentlichen Theater-Neubaus: rund neun Millionen Euro; Kosten des Gesamtprojekts (inklusive Umbauten und Schadstoffsanierung): 16,5 Millionen Euro brutto.

Eine künftige "umfassende kulturelle Nutzung" des Hesterbergs, so Spoorendonk, sei der "Kulturhaupstadt Schleswig" durchaus "würdig". Die Liegenschaft (Restbuchwert: rund 20,7 Millionen Euro) werde, so Spoorendonk weiter, "der Stadt Schleswig im Zuge eines langjährigen Nutzungsvertrags unentgeltlich zur Verfügung gestellt". Im übrigen prüfe man derzeit "eine finanzielle Beteiligung an der Schadstoffsanierung", die in der Machbarkeitsstudie mit 658 000 Euro ausgewiesen wird.

Doch warum trägt die Ministerin überhaupt noch einmal - die von ihr genannten Fakten sind weitgehend bekannt - Eulen nach Athen?

Die Antwort heißt: Weil die Gefahr besteht, dass das gesamte Konstrukt des Landestheaters den Beteiligten um die Ohren fliegt. Eigentlich sollte die Ratsversammlung auf ihrer Sondersitzung am 21. Mai ein möglichst einstimmiges Votum für das Hesterberg-Projekt beschließen. Auf einer Geberkonferenz am Ende des Monats würden dann Nägel mit Köpfen gemacht: Die Finanzierungszusagen von Stadt, Kreis, kommunalen Spitzenverbänden und Land sollten verbindlich eingesammelt werden. Im Hintergrund des sportlichen Zeitrahmens droht die Kündigung des städtischen Vertrages mit dem Landestheater zum 31. Juli 2013.

Angesichts dieser Spitz-auf-Knopf-Situation ist der CDU-Fraktion aufgefallen, dass eine Option bisher nicht geprüft wurde: der Neubau des Stadttheaters am bisherigen Standort am Lollfuß. Deswegen wird sie am 21. Mai im Rat den Antrag einbringen, die Kündigungsfrist des Gesellschaftsvertrages zu verschieben und eine neuerliche Entscheidung darüber zu treffen, "wo das eigentliche Bühnenhaus errichtet wird". Auch die Freiheit scheint der CDU als künftiger Standort plausibel zu sein. Das alles heißt aber, dass erst die künftige Ratsversammlung ab September darüber entscheiden würde.

Als dieser Antrag, zu dem die CDU weiterhin steht, vorab bekannt wurde, gab es erhebliche Unruhe im theaterpolitischen Raum. Gestern wurde ununterbrochen telefoniert und konferiert, schließlich geht es auch um das Stimmverhalten der anderen Fraktionen im Rat. FDP-Vertreter Dr. Jürgen Wenzel hatte sich bereits vorab gegen das Hesterberg-Projekt ausgesprochen. SSW und SPD dagegen halten an dem Plan fest. Bleiben die Grünen.

Deren Position ist komplex. Sie sperren sich nicht gegen den Theaterstandort Hesterberg, halten die aufgerufene Summe von insgesamt 16,5 Millionen Euro aber für überteuert. Einen Alternativstandort auf der Freiheit können sie sich wohl nicht vorstellen. Am liebsten hätten sie, darin mit der CDU einig, das neue Theater am alten Standort, dem Lollfuß. Auch sei eine Sanierung des baufälligen Gebäudes ja durchaus möglich, wie die Expertise des Hamburger Architekten Horst von Bassewitz (wir berichteten) gezeigt habe.

So bildet sich möglicherweise für den 21. Mai im Rat eine schwarz-grüne Koalition im Stimmverhalten ab. Denn ein wesentliches Argument der CDU-Fraktion gegen den Hesterberg ist die traditionelle Positionierung des Theaters im Lollfuß. CDU-Ratsherr Frank Neubauer: "Unser Theater gehört ins Herz der Stadt. Der Hesterberg ist weit weg von jeder Infrastruktur." Hinzu kommt eine zweite Hauptsorge, die auch von der FDP thematisiert wird: mögliche Folgekosten für den Erhalt der Gebäude.

Es lässt sich leicht vorstellen, dass diese neue Gemengelage für Peter Grisebach, den Generalintendanten des Landestheaters, ein Graus ist. Er hat einen Brandbrief an alle Fraktionsvorsitzenden der Ratsversammlung geschickt, in dem deutliche Worte nicht fehlen dürften. Grisebach geht davon aus, dass seine Gesellschafter einer Verschiebung der Kündigungsfrist in Schleswig nicht zustimmen werden. Und so befürchtet er, dass nunmehr "Egoismen" die Existenz des Landestheaters bedrohen. Dann stehen 380 Arbeitsplätze zur Disposition.

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