Rettungsaktion im Thorsberger Moor : Gefährliches Spiel mit dem Leben

Mathias Galle entdeckte zwei Jungen im Eis des Thorsberger Moors und leitete die Rettungsaktionen ein.
Mathias Galle entdeckte zwei Jungen im Eis des Thorsberger Moors und leitete die Rettungsaktionen ein.

Zwei Jungs brechen auf viel zu dünner Eisfläche ein.

shz.de von
09. März 2018, 07:00 Uhr

Sie haben noch einmal Glück gehabt: Im Thorsberger Moor von Süderbrarup brachen gestern zwei neunjährige Jungs ins Eis ein. Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Nachbarn konnten sie aus dem eiskalten Wasser retten.

Mathias Galle wohnt am Thorsberger Moor. Mit seinem Hund Lotta war er rund um den Teich unterwegs. Schon von Weitem hörte er das Lärmen von zwei Kindern, die sich am Ufer aufhielten. Dann plötzlich „ein Knacken und Krachen und auch Hilferufe“, berichtet er. 100 Meter entfernt waren zwei Jungs mehr als zehn Meter vom Ufer entfernt ins Eis eingebrochen. Als Herrchen und Hund das Ufer erreichten, hatte sich einer bereits ans Ufer retten können. Galle, von Beruf Polizist, benachrichtigte seine Kollegen. Eine Nachbarin eilte herbei. Sie hatte das Geschehen vom Dachgeschoss ihres Hauses beobachtet, nahm den völlig durchnässten Jungen mit, packte ihn in Decken ein und gab im etwas Heißes zu trinken.

Unterdessen versuchte Matthias Galle am Teichufer mit einer ausziehbaren Aluminiumleiter, die die Frau herbeigeschafft hatte, den zweiten Jungen zu sichern. Er rief ihm zu, sich festzuhalten und die Füße zu bewegen, um den Blutkreislauf in Gang zu halten. Und doch: „Ich merkte, wie er immer schwächer wurde und Schwierigkeiten hatte, sich zu konzentrieren.“ Der Retter schob die Leiter soweit ins Wasser hinein, dass sie auf dem moorigen Grund aufsetzte. Nun hatte das Kind Halt unter den Füßen. Jetzt wagte sich Galles Kollege – inzwischen von der örtlichen Polizeistation eingetroffen – selbst auf die Eisfläche. Vergeblich. Schon am Ufer sackte er hüfttief in den Schlamm ein. Mehrere Versuche, dem Kind eine Leine zuzuwerfen, misslangen. Erst als ein Feuerwehrmann aus Süderbrarup eine Leiter für sich selbst als Untergrund auslegte, und bäuchlings bis zur Einbruchstelle robbte, kam die Rettung. Der Mann zog den völlig unterkühlten Jungen aus dem kalten Wasser.

Kaum am Ufer wurde das Kind warm eingepackt und mit dem Rettungswagen ins nächste Krankenhaus gebracht. Dann versank die Leiter im schwarzen Gewässer.

„Das sind Bilder, die man nie wieder aus dem Kopf bekommt“, sagte kurz darauf die erschütterte Nachbarin. Und Erstretter Galle harderte mit der erlebten Hilflosigkeit. „Du konntest nichts tun, nur zuzusehen.“ Von Gratulationen und Danksagungen wollte er nichts wissen. „Das war doch meine Pflicht, das hätte jeder andere auch gemacht.“ Was das Fehlen jeglicher Rettungsgeräte am Teich betrifft – da hoffe er auf Nachbesserung. Das Thorsberger Moor sei ein gut frequentiertes Naherholungsgebiet. Einige lange Stangen oder Bretter täten hier gute Dienste.

Bei Redaktionsschluss ging es den beiden Glückspilzen wieder gut. Sie werden keine bleibenden Schäden zurückhalten, vielleicht aber aus ihrem dramatischen Erlebnis gelernt haben: „Das Betreten noch vorhandener Eisflächen ist lebensgefährlich“, warnt unterdessen die Polizei. „Es ist in keiner Weise tragfähig.“



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