zur Navigation springen

multiresistente Keime : Gefährlichen Keimen auf der Spur

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Schleswiger Helios-Klinikum testet jeden Patienten, um eine MRSA-Datenbank aufzubauen. Sind Landwirte eine Risiko-Gruppe?

von
erstellt am 15.Jun.2015 | 07:20 Uhr

Wenn keinerlei Antibiotika mehr wirken. Wenn nichts mehr hilft gegen Infektionen, die durch gefährliche Krankheitserreger wie MRSA-Bakterien hervorgerufen worden sind – was dann? Multiresistente Erreger haben bei immun-geschwächten Patienten ein leichtes Spiel, können zur tödlichen Gefahr werden. Das Thema Antibiotika-Resistenzen beschäftigt derzeit auch die Politik, gerade hatte es Angela Merkel in die G7-Runde eingebracht. Denn weltweit wie auch in Deutschland wächst der Anteil an der gemessenen Belastung gefährlicher Keime in den Kliniken. Auch in Schleswig?

Das will jetzt das Helios-Klinikum selbst genauer wissen. So wird seit April jeder Patient bei der Neuaufnahme auf multiresistente Keime hin getestet. „Wir wollen Aufschluss darüber gewinnen, wie viele unserer aufgenommenen Patienten mit MRSA-Keimen besiedelt sind und zu welcher Personen- und Berufsgruppe sie gehören“, erklärt Michael Borg, Regional-Krankenhaushygieniker bei Helios, zudem Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin. Vor dem totalen Screening war – wie in deutschen Kliniken üblich – nur ein Abstrich bei Risikopatienten vorgenommen worden. Weil es aber Hinweise innerhalb des Helios-Konzerns darauf gab, dass das Schleswiger Krankenhaus überproportional häufig Patienten mit hoher Keimbelastung bei der Aufnahme aufwies, will man dieser Spur nun auf den Grund gehen. „Wir werden exakte Daten sammeln, um wegzukommen vom bloßen Bauchgefühl, wie viele Patienten betroffen sein könnten“, sagt Borg. Durch das Screening in der Schleswiger Klinik soll eine Datenbank erstellt und dabei ein Risiko-Profil herausgefiltert werden. Eine statistische Aussagekraft sei aber nur zu erreichen, wenn das komplette Screening-Programm drei Monate lang durchgezogen werde. Zumindest fürs erste. „Wir müssen sehen, ob die gewonnenen Erkenntnisse ausreichen, sonst muss das Screening fortgesetzt werden.“

Immer wieder kommt in Medien und Öffentlichkeit der Verdacht auf, dass insbesondere diejenigen Patienten mit MRSA-Keimen besiedelt sind, die in der Landwirtschaft tätig sind und intensive Massentierhaltung betreiben. Denn der Zusammenhang zwischen Massentierhaltung mit oftmals ungehemmtem Antibiotika-Einsatz und der Besiedelung von multiresistenten Keimen bei Menschen steht in der Diskussion. Vor dem Hintergrund der landwirtschaftlich geprägten Region hier – könnte dies auch die Keimbelastung bei den Menschen erhöhen?

Im Emsland gab es dazu in diesen Tagen eine Wette unter Landwirten und einer Anwohner-Initiative. 353 Landwirte hatten an einem freiwilligen Test teilgenommen, um den Grad einer Kontamination mit Keimen festzustellen. Zum Laborergebnis wurde von Seiten der Landwirte jetzt in einer Pressemitteilung veröffentlicht, dass 60 Prozent der 353 Teilnehmer ohne Befunde waren – 40 Prozent der in der Landwirtschaft Tätigen wiesen dagegen MRSA-Befunde auf.

Hygiene-Beauftragter Michael Borg äußert sich zu diesem Aspekt vorsichtig. „Unabhängig davon, welche Ergebnisse bei dem Screening in Schleswig herauskommen werden, gibt es Erhebungen, dass das MRSA-Vorkommen bei Masttierhaltern sowie auch bei Tierärzten deutlich höher liegt als in der übrigen Bevölkerung.“ Doch Schleswig weist in seiner Umgebung auch eine hohe Dichte an Altersheimen und anderen Einrichtungen auf, deren Bewohner gemeinhin ebenfalls zur Risikogruppe der Keimträger gehören. Borg betont, dass der Umgang mit MRSA-Keimen differenziert zu betrachten sei. Denn während es gesunden Menschen nicht schade, multiresistente Keime auf der Haut zu tragen, berge es für immunschwache Patienten, die eine OP oder Chemotherapie hinter sich haben, tödliche Gefahren. Dieser Gefahr müsse man durch gezielte Krankenhaus-Hygiene begegnen. „Betroffene müssen in dem Fall sofort isoliert werden“, sagt Borg.

Doch auch in Privathaushalten sollte man besondere Hygiene bei der Zubereitung etwa von rohem Fleisch beachten, rät Borg. Denn auf dem Fleisch von Schwein, Rind oder Hühnchen tummeln sich oftmals gefährliche Erreger.

Im Schleswiger Krankenhaus wird man frühestens Ende des nächsten Monats erste Erkenntnisse über das Ausmaß der Keimbelastung bei neu aufgenommenen Patienten gewinnen können.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen