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Kreisverwaltung : Gefährliche Pensionierungswelle

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Kreisverwaltung droht eine gigantische Pensionierungswelle. Deshalb will man das Bewerbungs- und Ausbildungssystem umstellen.

von
erstellt am 20.Mär.2015 | 07:45 Uhr

Weil der demographische Wandel für die Kommunen im Kreisgebiet eine enorme Herausforderung ist, hat auch der Kreis sich dieses Themas angenommen, unter anderem mit der Beteiligung am bundesweiten „Aktionsprogramm regionale Daseinsvorsorge“. Damit kommt der Kreis seiner Ausgleichsfunktion für den kommunalen Raum nach. Zugleich jedoch steht auch die Kreisverwaltung selbst unter erheblichem Zugzwang. Denn auch sie könnte zum Opfer von Überalterung und Fachkräftemangel werden. Schon jetzt ist das Durchschnittsalter mit 46,8 Jahren so hoch, dass zwischen 2018 und 2023 eine gewaltige Pensionierungswelle über das Kreishaus hinwegrollen wird. Bis dahin scheiden 30 Prozent der Mitarbeiter aus.

Diese Gefahr und Antworten auf die Frage, welche Mittel dagegen helfen sollen, zeigt der Personalentwicklungsbericht auf, der jetzt im Hauptausschuss vorgestellt wurde. Grundtenor: Es muss alles dafür getan werden, den Kreis als modernen und attraktiven Arbeitgeber zu positionieren, damit sich mehr junge Menschen für eine Tätigkeit in der Verwaltung entscheiden. Die Rahmenbedingungen haben sich zumindest statistisch in den vergangenen Jahren leicht zum Vorteil des Kreises verändert.

Vor allem die Fehlzeitenquote, die im Jahr 2011 auf ein Rekordniveau von 7,5 Prozent geklettert war, konnte gedrückt werden und liegt nur noch bei 5,5 Prozent – ein Indiz dafür, dass die Arbeits- und die psychische Belastung insbesondere in den damals besonders problematischen Bereichen – wie den Sozialzentren und dem Fachdienst Regionale Integration (Hartz IV) – gesunken ist.

Hier wirken sich die zahlreichen Neueinstellungen in den vergangenen Jahren aus, die die Zahl der Kreisbediensteten auf 859 erhöhten. Das schlägt sich auch in der Fluktuationsquote nieder, die das Maß der Personalabgänge innerhalb eines Jahres angibt und die nach Einschätzung der Arbeitgeberverbände fünf Prozent nicht überschreiten sollte. Hier liegt der Kreis mit 4,9 Prozent im grünen Bereich, wenngleich sie im Fachbereich Regionale Integration mit neun Prozent noch immer problematisch erscheint. Mehrarbeit und Überstunden konnten gegenüber dem Vorjahr von 17  400 auf rund 9700 fast halbiert werden.

„Demographieorientierte Personalpolitik“ ist das Zauberwort für den Weg, den der Kreis mit seinem Personalentwicklungskonzept im Jahr 2012 einschlug und der dafür sorgen soll, dass sich die Verwaltung erfolgreich in den Kampf um Fachkräfte einschalten kann, junge Menschen Gefallen an einem entsprechenden Job finden und mit den Älteren nicht auch deren Wissen aus der Verwaltung ausscheidet.

Vor dem Hintergrund leerer Kassen und der Konkurrenz mit der freien Wirtschaft um immer weniger Köpfe sagt Landrat Wolfgang Buschmann: „Wir stehen vor extremen Herausforderungen.“ Es gelte in Zukunft unter anderem, die eigenen Stärken stärker herauszustellen, erklärt er – „und die liegen sicher nicht in unserem starren Vergütungssystem“. Stattdessen biete man im Vergleich mit vielen Unternehmen beispielsweise bessere Lösungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, so der Landrat, der auch das aktive Gesundheitsmanagement des Kreises zu den Pfunden zählt, mit denen die Kreisverwaltung wuchern kann.

Das Bewerbungs-System für Nachwuchskräfte müsse reformiert werden. Insbesondere der Einsatz sozialer Medien sei ein wichtiges Thema. „Die haben wir bisher noch nicht einmal ansatzweise beackert“, so Buschmann, der sich auf Basis der Ergebnisse einer eigens auf Personalthemen angesetzten Arbeitsgruppe auch ein Portal für Online-Bewerbungen vorstellt. Zudem müsse die Verwaltung mit ihren Angeboten verstärkt dort werben, wo die Jugendlichen sind – an den Schulen. Ein Umsteuern kündigt der Landrat auch für Auswahlverfahren an. Es gelte künftig, sich auf die Potenziale der Bewerber zu konzentrieren und sie nicht vornehmlich auf ihre Schwächen – beispielsweise in der Rechtschreibung – abzuklopfen. Für die Betreuung von Auszubildenden müsse man dann bei den erfahrenen Mitarbeitern Zeitkontingente freischaufeln. Insgesamt müssten die Bemühungen auch um Führungskräfte deutlich intensiviert werden, so Buschmann. „Wir müssen heute reagieren, um nicht morgen in einen gnadenlosen Konkurrenzkampf mit anderen Verwaltungen zu geraten.“

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