165. Jahrestag : Gedenken an die Schlacht von Idstedt

Kreispräsident Ulrich Brüggemeier (li.) und Idstedts Bürgermeister Edgar Petersen haben für die Idstedt-Stiftung einen Kranz niedergelegt.
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Kreispräsident Ulrich Brüggemeier (li.) und Idstedts Bürgermeister Edgar Petersen haben für die Idstedt-Stiftung einen Kranz niedergelegt.

Bemühen um eine Überwindung der unterschiedlichen geschichtlichen Sichtweisen: Deutsche und Dänen legen gemeinsam Kränze nieder.

shz.de von
27. Juli 2015, 07:43 Uhr

Zum 165. Jahrestag der Schlacht bei Idstedt legten Repräsentanten der deutschen und dänischen Seite am Sonnabend Kränze auf dem Michaelisfriedhof in Schleswig, an den Sammelgräbern in Schuby-Neukrug und Böklund sowie an der Gedenkstätte in Idstedtkirche nieder. Dort begrüßte Kreispräsident Ulrich Brüggemeier in seiner Funktion als Ratsvorsitzender der Idstedt-Stiftung 75 Mitglieder und Freunde. Sie trafen sich anschließend in der örtlichen Gaststätte zur Kaffeetafel und zu einer Gedenkrede. Diese hielt Frank Lubowitz aus Apenrade zum Thema „Nationale Geschichtsschreibung und ihre Überwindung“. Der Leiter des Archivs sowie der historischen Forschungsstelle der Deutschen Volksgruppe Nordschleswig ging der Frage nach, warum erst seit 15 Jahren Deutsche und Dänen gemeinsam der blutigsten Schlacht Nordeuropas gedenken.

Dazu führte er die unterschiedlichen Sichtweisen der damaligen Zeit an – „heroische“ Erhebung gegen Unterdrückung auf schleswig-holsteinischer Seite, aber Aufruhr gegen Recht und Ordnung nach dänischem Empfinden. Frank Lubowitz spannte den Bogen noch viel weiter: Dänemark habe in der Festlegung der Eider als Grenze durch Karl den Großen im Jahre 811 seine Rechtfertigung gesehen, das Herzogtum Schleswig zu beanspruchen. Schleswiger und Holsteiner indes hätten ihr eigenes Geschichtsbild aus dem Vertrag von Ripen 1460 bezogen: „Up ewig ungedeelt.“

Die Verhältnisse nach der Idstedt-Schlacht 1850 hätten die Beziehungen auf der Cimbrischen Halbinsel mit erneutem Krieg 1864, der heutigen Grenzziehung 1920 sowie der Besetzung Dänemarks durch deutsche Truppen 1940 weiter belastet.

Doch bereits vor der politischen Wende durch die Bonn-Kopenhagener Erklärungen von 1955 hätten sich Historiker beider Seiten auf Thesen zur Geschichte und Problematik der deutsch-dänischen Beziehungen geeinigt. Die Professoren Troels Fink (bis 1975 dänischer Generalkonsul in Flensburg) und Alexander Scharff von der Uni Kiel seien die „Väter“ einer neuen Generation von Geschichtslehrern mit inhaltlich neu gefassten Schulbüchern.

Heute bezeichne man das Ereignis vom 25. Juli 1850 als „Bürgerkrieg im Gesamtstaat“, und wie selbstverständlich gedenke man gemeinsam der vielen Opfer. In diesem Zusammenhang lobte Kreispräsident Ulrich Brüggemeier das Miteinander im Grenzland als ein Modell, das zahlreiche Konflikte in Europa lösen könnte.


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