St. Petri-Dom schleswig : Geburtstagsständchen für Rainer Selle

Zum 60. Geburtstag  von Kantor Rainer Selle (Bildmitte) gestaltete die Domgemeinde einen Musik-Gottesdienst.
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Zum 60. Geburtstag von Kantor Rainer Selle (Bildmitte) gestaltete die Domgemeinde einen Musik-Gottesdienst.

Domkantor erhielt von seiner Gemeinde ein besonderes Geschenk: Einen Festgottesdienst mit Musik von Johann Sebastian Bach.

shz.de von
12. Januar 2015, 10:53 Uhr

Im Gottesdienst im St. Petri-Dom war gestern noch einmal ein Hauch von Weihnachten zu spüren: Der Weihnachtsbaum stand noch geschmückt da, und die festliche Ausgestaltung durch Chöre und Posaunenchor erinnerte an den alljährlichen Familiengottesdienst am Heiligabend. Diesmal jedoch wurde der 60. Geburtstag von Rainer Selle gefeiert, und die Domgemeinde machte dazu ihrem Kantor das größtmögliche Geschenk: Einen Festgottesdienst ganz im Zeichen der Musik.

Eingerahmt wurde dieser von Kompositionen und Choralsätzen des barocken Musikers Johann Sebastian Bach – so zum Beispiel Präludium und Fuge in C-Dur als Orgelvor- beziehungsweise Nachspiel. Der Musiker, zu dem Selle eine besondere Affinität hat und der viele Sätze zu altbekannten Chorälen geschrieben hat, wird auch oft als „der vierte Evangelist“ bezeichnet, da er die biblischen Texte in seinen Werken in die Sprache der Musik gesetzt hat. Bischof Gothart Magaard brachte es in seiner Predigt auf den Punkt: „In der Musik bekommen wir Zugang zum Evangelium, selbst wenn die Predigt versagt.“

Im Mittelpunkt seiner Predigt stand die Ankunft der Weisen aus dem Morgenland in Bethlehem, wie es zum Beginn der Epiphaniaszeit üblich ist. In Bezug auf die Lautmalerei in dem Orgelvorspiel zum Choral „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ unterstrich Magaard noch einmal die Aussagekraft von Musik: „Ich sah die Kamele durch den Dom ziehen.“

Da die Sprache der Musik an diesem Vormittag im Vordergrund stand, boten Selle und die Domkantorei die Lesung des Psalm 100 gleich in zweifacher Vertonung dar: Zum einen die von Felix Mendelssohn Bartholdy und zum anderen die von Rainer Selle selbst. Diese Motette für Chor und Orgel hat er 1979 zu seiner Hochzeit komponiert. Von den teilweise neunstrophigen Chorälen, bei denen die Orgel in der Regel eine Begleitfunktion hat, hatte Selle gestern die Gelegenheit, einige komplett selber zu gestalten. Dabei stellte er mit rauschenden und knarrenden Orgelklängen seine Improvisationskünste unter Beweis. Für diese sei er „weit über die Grenzen der Stadt bekannt“, betonte Pastor Michael Dübbers, der mit seinen zwei Kollegen Liturgie und Lesung übernahm. Nach dem Gottesdienst hatte der Kirchengemeinderat zu einem Empfang eingeladen.

Auch Peter Lehmann, der seit Jahrzehnten im Domchor singt, ging auf den musikalischen Stil Selles ein: „Er schafft es, neue Reize zu setzen.“ Neben der Orgel begleitete auch der Posaunenchor die Gemeinde. Mit dieser „treuen Truppe“ (Dübbers) musiziert Selle seit 18 Jahren nicht nur im Gottesdienst, sondern auch bei anderen Anlässen in der Region, wie zuletzt im Dezember bei der Einweihung der neuen Beleuchtung von Schloss Gottorf. Die Musik verstummte auch nach dem Gottesdienst nach zahlreichen Ständchen von Domchor und Kantorei nicht.

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