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Helios-Klinik Schleswig : Geballte Pflege-Kraft

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Krankenhaus nimmt an einem Modell-Projekt der Universität Bielefeld für pflegende Angehörige teil.

Den 16. Oktober 2014 wird Antje Przywarra nie vergessen. An diesem Tag wurde ihr Mann mit einer Hirnblutung ins Schleswiger Helios-Krankenhaus eingeliefert. „Da stand ich dann auf einmal, war völlig hilflos. Plötzlich war alles anders. Ich wusste gar nicht, was ich machen sollte.“ Heute hingegen weiß sie es ganz genau. Auch dank der Hilfe der Klinik-Mitarbeiter. Denn die nahmen die Arnisserin in das Programm „Familiale Pflege“ auf, das in Schleswig seit Anfang des Jahres praktiziert wird und gestern nun offiziell vorgestellt wurde.

Kern dieses Modell-Projektes ist die Hilfe und Schulung von Menschen, die ihre Angehörigen in den eigenen vier Wänden pflegen. Und davon zählt man in Deutschland, und auch in Schleswig, immer mehr. Rund 2,6 Millionen Pflegebedürftige gibt es bundesweit, etwa 70 Prozent davon werden zu Hause versorgt. „Entsprechend hoch ist der Informationsbedarf. Genau da setzt das Programm an“, erklärte Carina Lagedroste von der Universität Bielefeld. Dort wurde das Projekt bereits im Jahr 2004 initiiert. Partner ist die AOK Nordwest. Inzwischen wurden an hunderten Kliniken in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Schleswig-Holstein fast 50  000 Angehörige geschult.

In Schleswig sind es seit Beginn des Projektes am Jahresanfang rund 100. Ihnen stehen mit Kathrin Hansen, Anette Hansen, Bettina Ketelsen und Gabriele Wurm vier Krankenschwestern, die sich allesamt zu Pflegetrainerinnen haben weiterbilden lassen, zur Verfügung. „Dazu gehört neben Pflegetechniken, wie etwa zu zeigen, wie man die Patienten richtig lagert, bewegt, wäscht und mit Nahrung versorgt, auch eine psychologische Schulung für den Umgang mit den Angehörigen, die ja meist ganz unerwartet eine völlig neue Rolle übernehmen müssen“, so Helios-Pflegedirektorin Petra Steffen.

In der Regel werden die Familienmitglieder schon während des Krankenhausaufenthaltes in die verschiedenen Techniken eingewiesen. Hinzu kommt eine bis zu sechs Wochen dauernde Begleitung durch die Pflegetrainerin in den eigenen vier Wänden. Dazu hat Helios eigens ein Fahrzeug angeschafft, damit auch Familien auf den Dörfern in Angeln oder auf der Geest unkompliziert erreicht werden können. Antje Przywarra hat dadurch „viel Sicherheit und Kraft gewonnen“. Auch Heidi Holm aus Gammellund, die gemeinsam mit ihrer 76-jährigen Mutter ihren Vater pflegt (er erlitt im März einen schweren Schlaganfall), zeigte sich vom „Familialen Pflege“-Projekt begeistert. „Alleine hätten wir das nie geschafft“ sagte sie.

Das Angebot ist für alle Patienten kostenlos, egal bei welcher Krankenkasse sie versichert sind. Es umfasst neben der individuellen Schulung und Betreuung auch Gruppenkurse und Gesprächskreise, in denen sich die Angehörigen austauschen können. „Viele wollen ihre Eltern oder den Ehepartner weiter bei sich haben und pflegen. Aber das muss man nicht nur wollen, sondern auch können“, fasste John Friedrich Näthke, Geschäftsführer des Schleswiger Krankenhauses, das Hauptziel des Projektes zusammen.

 

 

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erstellt am 11.Sep.2015 | 07:44 Uhr

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