Bunde Wischen in Schleswig : Gatterwild schießen: Tod mit dem letzten Bissen im Maul

Mit einer Winchester (Kleinkaliber-Gewehr) schießt Bunde-Wischen-Geschäftsführer Gerd Kämmer den Rindern direkt ins Gehirn. Auf dem Foto stellt er die Szene auf einer Wiese vor dem Bioland-Hof nur nach. Tatsächlich werden die schlachtreifen Tiere ausschließlich auf einer Koppel in der Nähe von Lürschau getötet.
Mit einer Winchester (Kleinkaliber-Gewehr) schießt Bunde-Wischen-Geschäftsführer Gerd Kämmer den Rindern direkt ins Gehirn. Auf dem Foto stellt er die Szene auf einer Wiese vor dem Bioland-Hof nur nach. Tatsächlich werden die schlachtreifen Tiere ausschließlich auf einer Koppel in der Nähe von Lürschau getötet.

Der Bioland-Betrieb Bunde Wischen erspart seinen Rindern den Stress auf dem Schlachthof – und tötet sie stattdessen per Kopfschuss auf der Wiese.

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09. Mai 2015, 07:00 Uhr

Schleswig | Ob das nicht irgendwie brutal sei? Diese Frage muss sich Gerd Kämmer seit gut fünf Jahren immer wieder gefallen lassen. Und jedes Mal lautet seine Antwort: „Nein. Genau das Gegenteil ist der Fall.“ Dann dauert es in der Regel nicht lange, bis er sein Gegenüber überzeugt hat. Davon, dass es richtig ist, Rinder per Kopfschuss auf der Wiese zu töten.

Genau das nämlich macht der Verein Bunde Wischen, dessen Gründer und Geschäftsführer Kämmer ist, seit dem Jahr 2010. „Früher bedeutete das Schlachten und alles, was damit zusammenhängt, den größten Stress im Leben unserer Tiere. Vor diesem letzten Akt haben auch wir als Bioland-Betrieb lange die Augen verschlossen – und mussten deshalb nach Alternativen suchen“, erzählt der 52-jährige Biologe.

Fündig geworden sind er und seine Kollegen in der Gatterwildhaltung. Dort ist der gezielte Schuss ins Gehirn der Tiere längst gängige Praktik. Denn Rehe und Hirsche lassen sich schlichtweg nicht in den Schlachthof führen. „Und auch für unsere Tiere ist es purer Stress. Sie sind kaum an Menschen gewöhnt, kennen nur das Leben mit der Herde auf der großen Wiese und werden auch nur selten von einem Ort zum anderen transportiert.“ Dementsprechend sei es nur konsequent, die Rinder auch in ihrem gewohnten Umfeld zu töten, wenn es für sie an der Zeit sei, dass sie zu Lebensmitteln werden.

Die genauen Einzelheiten dieses Kugelschuss-Verfahrens will Kämmer in einer Podiumsdiskussion zum Thema Tierwohl während des Gottorfer Landmarktes gemeinsam mit Landwirtschafts- und Umweltminister Robert Habeck erläutern. Dann wird er auch von der Zusammenarbeit mit der Universität Kassel, Fachgebiet Agrartechnik, berichten. Deren Mitarbeiter und Studenten begleiten Bunde Wischen, seitdem der Verein mit dem Tötungsverfahren angefangen hat. Demnächst, so Kämmer, wird sogar eine Doktorarbeit darüber veröffentlicht. „Fakt ist, dass es sich positiv auf die Fleischqualität auswirkt, weil die Tiere keine Stresshormone ausschütten. Viel wichtiger ist aber, dass sie deutlich weniger leiden.“

Das wiederum merke man auch daran, wie sich die Herde insgesamt verhält. Denn wenn Kämmer oder einer seiner Kollegen, die eigens für dieses Verfahren eine Zusatzausbildung absolviert haben, zum Kleinkaliber-Gewehr greifen, sind die anderen Tiere in der Nähe. Aus zehn bis zwölf Metern erfolge dann der gezielte Schuss. „Da es dabei noch nie eine laute Schmerzäußerung eines der Rinder gegeben hat, bleiben die anderen immer ruhig“, erzählt Kämmer.

Insgesamt rund 700 Galloways und andere Robustrinder hat der Verein auf Flächen (insgesamt etwa 1400 Hektar) im Kreis Schleswig-Flensburg, in der Stadt Flensburg und im Kreis Rendsburg-Eckernförde laufen. Dabei übernehmen die Tiere die Aufgabe als Landschaftspfleger, etwa in geschützten Gebieten wie auf der Geltinger Birk, am Wikingermuseum in Haithabu oder auf der Schlei-Halbinsel Reesholm. Aus Sicherheitsgründen werden die schlachtreifen Tiere jedoch nur auf einer Koppel in der Nähe von Lürschau getötet. Dort stehen sie erst einige Zeit, um sich, so Kämmer, an die Fläche zu gewöhnen. Erst dann komme es zum finalen Schuss. „Es ist also ein Tod mit dem letzten Bissen im Maul.“

Danach allerdings muss alles recht schnell gehen. Die Rinder werden mit einem Radlader zur Seite gefahren und dann entblutet (Kämmer: „Das ist der Moment, der die meiste Überwindung kostet.“). Anschließend müssen die Tiere innerhalb von einer Stunde zum Schlachthof transportiert werden, wo man sie schließlich weiterverarbeitet. Eine Prozedur, die sich bei Bunde Wischen rund 200 Mal pro Jahr wiederholt – und von der Gerd Kämmer vollkommen überzeugt ist: „Wenn man Fleisch essen möchte, gibt es keine gerechtere Methode, die Tiere zu töten. Mit Streicheln funktioniert das leider nicht.“

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