In Schleswig droht ein Rekord : Ganz schön nass hier

Landunter in Schleswig: Nicht einmal Regenschirme hielten den Regengüssen stand.
Foto:
1 von 2
Landunter in Schleswig: Nicht einmal Regenschirme hielten den Regengüssen stand.

Regen im Kreis Schleswig-Flensburg: Meteorologe Lars Rohwer hat sich die trockenen Zahlen angeschaut.

Die Landwirte sorgen sich darum, dass ihre Ernte buchstäblich im Schlamm versinkt, Veranstalter von Open-Air-Events sehen den Pleitegeier kreisen und Touristen verkriechen sich am Strand unter dem Regenschirm oder laufen in der Einkaufsstraße Slalom um riesige Pfützen – sie alle leiden unter dem ständigen Regenwetter. Ist es nur ein Gefühl, oder fällt in diesem Jahr tatsächlich mehr Regen als sonst?

Oft muss man als Meteorologe gefühlte Wettererscheinungen nach einem Blick auf Messwerte und Statistik wieder verwerfen, in diesem Fall täuscht das Gefühl jedoch nicht. Im Schnitt fallen im Kreis Schleswig-Flensburg jedes Jahr auf jeden Quadratmeter 830 Liter Regen – von Schleswig bis zur nordfriesischen Grenzregion etwas mehr.

In diesem Jahr liegt der Mittelwert bei 1045 Litern Regen pro Quadratmeter – das sind umgerechnet knapp sieben gut gefüllte Standard-Badewannen voll. Doch der Niederschlag verteilt sich nicht gleichmäßig über das Land, es gibt auch in dem relativ kleinen Kreisgebiet durchaus regionale Unterschiede. Dabei schneidet die Stadt Schleswig am feuchtesten ab. Die Messtöpfe des Deutschen Wetterdienstes haben in der Kreisstadt bisher 1142 Liter Niederschlag pro Quadratmeter registriert – und das fast ausschließlich in Form von Regen, die Menge an Schnee und Hagel ist zu vernachlässigen.

Das bedeutet für jeden Quadratmeter in Schleswig 1142 Literflaschen Wasser, mehr als drei pro Tag. Und es droht sogar ein Rekord. Die bisherige Regenhöchstmenge seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1947 wurde 1965 ermittelt – damals fielen in der Stadt 1152 Liter Regen. Die letzten zehn Liter sind durchaus noch aufzuholen – auch wenn in der Stadt wohl niemand wirklich Wert auf diesen Rekord legt.

Im benachbarten Eggebek liegt der Wert mit 1076 Litern Regen pro Quadratmeter etwas darunter. Die Station in Eggebek (Daten seit 1979, ohne die Jahre 2005 bis 2008) hat einen neuen Allzeit-Rekord aufgestellt. Hier hat es seit Messbeginn vorher noch nie so viel geregnet.

Dass die meisten Niederschläge in dieser Region auftreten, ist natürlich kein Zufall. Einerseits gibt es dort, nach Nordsee und plattem Land, bei Westwind die ersten, kleinen Hügel, die etwas mehr Regen aus den Wolken quetschen, zudem verstärken sich kräftige Schauer und Gewitter über der meist wärmeren Landmenge, die etwas von den Küsten entfernt liegt.

Aber auch sonst liegen die Jahresniederschläge mit 1066 Litern in Satrup, 1060 Litern in Erfde, 1050 Litern in Weesby und 1006 Litern in Wagersrott über der Tausender-Marke. Lediglich Jagel und Glücksburg fallen mit 986 beziehungsweise 973 Litern Regen pro Quadratmeter etwas ab.

Der Blick in die Statistik zeigt außerdem, dass die Jahre mit großen Niederschlagsmengen in den letzten zehn bis 30 Jahren zugenommen haben. Das verwundert in Zeiten des Klimawandels beziehungsweise der Klimaerwärmung allerdings nicht wirklich, kann eine wärmere Atmosphäre doch mehr Wasser aufnehmen und abregnen lassen. Eine einfache Regel kann man daraus nicht ableiten, das Jahr 2016 war sogar zu trocken.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen