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Besucherflaute und etliche Händler-Absagen : Gähnende Leere im Friedrichsberg

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Zukunft des traditionellen Adventsflohmarkts ist derzeit völlig offen.

Um 2 Uhr nachts hätten die Stände des Adventsflohmarkts im Friedrichsberg abgebaut werden sollen – doch die meisten Händler hatten bereits Stunden vorher die Schotten dichtgemacht. „Ich musste leider bis 20 Uhr arbeiten und konnte nicht früher kommen“, sagte Besucherin Tanja Brückmann angesichts der fast schon gähnenden Leere, die sie entlang der Friedrichstraße begrüßte. Gemeinsam mit Hans-Christian Jensen konnte sie sich immerhin eine der letzten Grillwürste sichern.

Schon bei der Eröffnung des Flohmarkts um 14 Uhr gab es Lücken zwischen den einzelnen Ständen. Grund seien zehn spontane, wetterbedingte Absagen gewesen, erklärte Veranstalter Ingo Harder: „200 Meter Fläche hatte ich vermietet – 50 Meter davon fehlten.“ Heutzutage würden die Leute einen Blick auf ihre Wetter-App werfen, und werde dann Regen oder Graupel angekündigt, „fahren sie gar nicht erst los“.

Nicht so Martina und Jeannine Theesfeld: Das Mutter-Tochter-Gespann aus Schuby trotzte den widrigen Bedingungen. Wegen des Regens hatten sie ihre Sachen immer wieder abdecken müssen und waren mit ihrem Stand schließlich von der Straße unter das Vordach eines Babyfachgeschäfts geflüchtet. „Wir wollen bis 2 Uhr durchhalten“, erklärte Jeannine Theesfeld. Ein bisschen Standhaftigkeit auch bei den anderen Teilnehmern wäre schön gewesen, ergänzte ihre Mutter angesichts der Freifläche um sie herum. Sie habe sich auf den Abend gefreut, meinte sie. Und dank der Tatsache, dass der Flohmarkt anders als im Vorjahr nur noch einen Tag dauerte, „habe ich mehr Besucher erwartet“. Aber auch wenn der Markt nicht so gut besucht gewesen sei, würde das Duo die Tradition gerne aufrecht erhalten und wäre im nächsten Jahr wieder dabei – wenn es ihn dann noch gibt.

Als alteingesessener Friedrichsberger kenne er den Flohmarkt seit 30 Jahren, sagte Hans-Christian Jensen. Anfang der 90er Jahre habe er selbst Babysachen verkauft, später dort seinen Geburtstag ausklingen lassen: „Da waren wir morgens um 4 Uhr mit der Taschenlampe unterwegs, das war klasse.“ Es wäre schade, wenn der Flohmarkt sterben würde, meinte er – sah das Problem aber ebenso wie die Theesfelds nicht nur beim Wetter, sondern auch in der Planung. „Morgen findet ja auch der Flohmarkt im Parkhaus statt“, stimmte Tanja Brückmann der Kritik zu – wobei sie Ingo Harder keine Schuld gaben. „Die Organisation war super, aber es ist schade, dass die Stadt Schleswig den Veranstalter nicht unterstützt“, meinte auch Ute Mletschkowsky. Gemeinsam mit Renate Biernath baute sie gegen 21 Uhr ihren Stand mit Weihnachtsbasteleien, Büchern und Trödel ab. „Für uns hat es sich gelohnt, aber wir sind quasi die Letzten.“ Ute Mletschkowsky sprach von einem „traurigen“ Gesamteindruck, den der Friedrichsberger Flohmarkt hinterließ. Aber auch sie würde trotzdem nächstes Jahr wiederkommen, betonte sie.

Ob es den Flohmarkt dann aber noch geben wird, ist derzeit offen. „Ich werde erstmal abrechnen und mir dann Gedanken darüber machen“, erklärte Ingo Harder. Sein erstes Fazit am Abend fiel allerdings traurig aus: „Der Wurstverkäufer ist der einzige, der zufrieden sein kann.“ Dabei habe es gut begonnen, meinte Harder. Doch als Regen und Graupel einsetzten, „war es aus“. Dass zeitgleich Mondschein-Shopping in der Ladenstraße und der Weihnachtsmarkt im Stadtmuseum stattgefunden haben, sei ihm bewusst gewesen – doch einen alternativen Termin habe es in der kurzen Vorweihnachtszeit nicht gegeben, so Harder.

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