Treffpunkt „Berjoska“ : Fußball-WM mit Trockenfisch: So erleben Russen in Schleswig das Turnier

Am Verkaufstresen ihres Ladens: Magdalena Bernhardt mit der einzigen Russlandfahne, die sie noch nicht verkauft hat.
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Am Verkaufstresen ihres Ladens: Magdalena Bernhardt mit der einzigen Russlandfahne, die sie noch nicht verkauft hat.

Die russischstämmigen Schleswiger sind bereit für die Weltmeisterschaft in ihrem Heimatland – dank Magdalena Bernhardt.

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14. Juni 2018, 11:00 Uhr

Schleswig | Große Hoffnung hat sie nicht. Im Gegenteil. „Russland wird ganz bestimmt nicht Fußball-Weltmeister. Da bin ich mir sicher“, sagt Magdalena Bernhardt. Aber das müsse auch gar nicht sein. Hauptsache, der Gastgeber, der heute das Turnier mit dem Spiel gegen Saudi-Arabien eröffnet, verkaufe sich gut, sagt die Betreiberin des russischen Ladens „Berjoska“ (auf Deutsch „Birke“) in der Michaelisstraße.

Seit Wochen ist die WM in dem kleinen Geschäft, das ein beliebter Treffpunkt für russischstämmige Schleswiger ist, Gesprächsthema Nummer 1. Klar, dass fast alle russischen Fahnen, die Magdalena Bernhardt im Angebot hatte, vergriffen sind. Ähnlich groß ist die Nachfrage bei Trockenfisch. Denn den würden die Russen am liebsten beim Fußballgucken knabbern, und zwar in den verschiedensten Variationen. Dazu gebe es in der Regel russisches Bier. Und Wodka? „Der kommt erst hinterher auf den Tisch, falls die Mannschaft gewonnen hat.“ Eine große Auswahl des Nationalgetränks gibt es natürlich auch in ihrem Laden.

Trockenfisch in vielen Varianten gibt es im Angebot.
Foto: Sven Windmann
Trockenfisch in verschiedenen Varianten hat Magdalena Bernhardt im Angebot.
 

Zwar würden auch viele Deutsche und auch Türken oder Syrer bei ihr einkaufen. Die Mehrzahl allerdings bildeten ganz klar die Russen. „Und die reden hier viel über Fußball. Es gibt einige, die glauben, dass Russland es schaffen kann. Die meisten denken aber, dass Deutschland bessere Chancen hat. Das glaube ich auch“, sagt Magdalena Bernhardt, die aus einer deutschstämmigen Familie stammt und in der Sowjetunion aufgewachsen ist. Seit 2002 betreibt sie den Laden in Schleswig, verheiratet ist sie mit einem deutschen Mann. „Wir sind für beide Länder“, sagt sie ganz diplomatisch.

Während sie die Spiele wahrscheinlich zu Hause gemeinsam mit ihrer Familie ansehen wird, würden sich viele Schleswiger Russen zum gemeinsamen Fernsehgucken verabreden. Besonders in der Mozartstraße und der Erikstraße, aber auch im Neubaugebiet Berender Redder würden viele russischstämmige Familien leben. Viele von ihnen werden morgen auch – vor und nach dem Eröffnungsspiel – in den „Berjoska“-Laden kommen. Denn dort wird 16. Geburtstag gefeiert. Wenn Russland gewinnt, dann werden das sicherlich auch die Nachbarn mitbekommen. „Denn dann wollen wir draußen feiern.“

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