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Schnarup-Thumby : Fußball-Buch: Zu viel Druck im Jugendfußball

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der gebürtige Schnarup-Thumbyer Ralf Lorenzen nahm ein Jahr lang die Nachwuchsförderung unter die Lupe – und verfasste ein Buch darüber.

Ein Jahr lang haben sich die Autoren auf Fußballplätzen, in Hallen und Vereinsgaststätten herumgetrieben und dabei Eltern, Trainer, Scouts und Berater von der A-Jugend bis zur Nationalmannschaft interviewt. Es waren ausgiebige Recherchen zum Jugendfußball, denn „für uns war wichtig, was wirklich hinter den Kulissen passiert“, sagt Ralf Lorenzen über den Grundgedanken des Buches, das der gebürtige Schnarup-Thumbyer zusammen mit seinem Co-Autor Jörg Marwedel geschrieben hat. Es heißt: „Die Zukunft des Fußballs“.

Lorenzen selbst hat seine Fußballkarriere als Zwölfjähriger bei der SG Thumby begonnen. Der 600-Seelen-Ort hatte damals nur eine Jugendmannschaft, in der Jugendliche unterschiedlichen Alters spielten. Großen Erfolg hatte damals die Frauenfußballmannschaft, die sogar einmal gegen Bayern München ein Ligaspiel absolvierte. Lorenzens damaliger Trainer Willi Hansen nahm ihn dann mit zum TSV Loit, wo er sich weiterentwickelte und später als Torwart in einer Kreisauswahl spielte. Diese Zeit prägte ihn sehr, wie er berichtet. Später trainierte er eine Weile die C-Jugend von 1860 Bremen.

Seit ungefähr 20 Jahren arbeitet der studierte Sozialpädagoge mit Wohnsitz Hamburg als freier Autor mit dem Schwerpunkt Sport. Doch hin und wieder zieht es ihn nach Schnarup-Thumby zurück, wo er mit Freunden aus alter Zeit fachsimpelt und im Haus seiner Mutter ein kleines Zweitbüro eingerichtet hat.

Gemeinsam haben die beiden Autoren das Talentfördersystem des DFB unter die Lupe genommen. Diese Einrichtung belegt seinen Erfolgsanspruch dadurch, dass alle Weltmeister von 2014 – mit Ausnahme von Miroslav Klose und Roman Weidenfelder – dieses System durchlaufen haben.

Doch Lorenzen warnt vor den Begleiterscheinungen. Die Jugendlichen werden immer früher zu Profis gemacht und dürfen nicht lange genug mit dem Ball spielen. „Spätestens ab der E-Jugend kommen von Eltern und Trainern Gift ins Spiel“, hat er festgestellt. Kinder würden bereits im Grundschulalter von ihren Stammvereinen abgeworben. Dabei wäre es für die altersgerechte Persönlichkeitsentwicklung vielfach besser, länger in vertrautem Umfeld zu bleiben.

Viel wichtiger als früher Einnahmen zu sichern, sei es, den Spaß am Fußball zu erhalten. „Darum ist der erste Trainer so wichtig und sollte bestens ausgebildet sein“, fährt er fort. Das jetzige punktuelle Ausbildungssystem sei dafür ein guter Ansatz aber nicht ausreichend. Auch empfiehlt er, die Belastung in den Nachwuchsleistungszentren zu reduzieren. „Keine Talentprognose rechtfertigt es, 15-Jährige einem Alltag auszusetzen, der selbst Erwachsene dem Burn-out näher bringt“, heißt es in seinem Buch. Lorenzen hofft mit seinem Buch verantwortungsbewusste Eltern und Trainer zum Nachdenken zu bringen und mit seinen Anstößen den Druck aus dem Kessel „Jugendfußball“ zu senken.

>„Die Zukunft des Fußballs“ von Ralf Lorenzen und Jörg Marwedel, 144 Seiten, ISBN 978-3-945465-16-5, für 15 Euro im Buchhandel







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