Testfahrt im Fernbus : Für fünf Euro nach Hamburg

Vor der Abfahrt: Pünktlich um 12.15 Uhr steigt SN-Mitarbeiter Mirco Höfer in den grünen Bus nach Hamburg
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Vor der Abfahrt: Pünktlich um 12.15 Uhr steigt SN-Mitarbeiter Mirco Höfer in den grünen Bus nach Hamburg

SN-Mitarbeiter Mirco Höfer war am Anfang skeptisch, aber sein Fazit fällt positiv aus.

shz.de von
30. Juli 2015, 07:02 Uhr

Seit zwei Wochen gibt es die Fernbus-Linie Flensburg-Berlin mittlerweile. Der Bus des Unternehmens MeinFernbus/FlixBus hält unter anderem auch in Schleswig und bietet somit die Möglichkeit, für einen verhältnismäßig geringen Preis nach Hamburg oder Berlin zu kommen.

Zugegeben: Als mein Redakteurskollege am Montag den Vorschlag machte, ich könnte doch einmal mit der neuen Verbindung Hamburg und zurück fahren, war ich zunächst etwas skeptisch. Immerhin hat sich der Bus an seinem ersten geplanten Zwischenstopp in Schleswig am 16. Juli irgendwo am Brautsee verfahren. Eine einsame Studentin wartete derweil vergeblich am Bahnhof, wo der Bus eigentlich halten sollte (wir berichteten). Ob der Busfahrer dieses Mal wohl die richtige Haltestelle findet? Ich war gespannt.

Die Karten waren schnell gebucht: Online ist dies auf www.meinfernbus.de und www.flixbus.de möglich. Bis nach Hamburg bezahlt man lediglich fünf Euro, nach Berlin kommt man ab 19 Euro. Wer direkt beim Busfahrer bezahlen möchte, muss allerdings nicht nur deutlich mehr hinlegen (16,50 Euro für Erwachsene von Schleswig nach Hamburg), sondern muss auch noch Glück haben, dass der Bus nicht schon völlig ausgebucht ist. Wer bei der Bestellung ein zusätzliches Häkchen setzt und 14 Cent extra bezahlt, hilft dabei, die CO2-Emissionen seiner Fahrt zu kompensieren. Die Spenden gehen an die Klimaschutzorganisation „Atmosfair“.

So weit, so gut: Am Mittag um 12.15 Uhr sollte mein Bus abfahren. Als ich ankam, warteten bereits ungefähr zehn Leute bei der Haltestelle am oberen Ende der Bahnhofsstraße. Von einem deutlich sichtbaren Schild, das auf die Fernbusverbindung hinweist, war nach wie vor keine Spur zu sehen. Zumindest kam der Bus dieses Mal überhaupt – und das sogar bereits einige Minuten zu früh. Ich habe meine Fahrkarte im Internet erworben und bekam danach per E-Mail meine Bestellbestätigung zugesendet. Diese musste ich dann entweder ausgedruckt oder digital mit der optionalen Smartphone-App des Busunternehmens vorzeigen. Der Kontrolleur hat dann die Namen der Passagiere überprüft. Zur Sicherheit sollte man hier seinen Ausweis dabei haben.

Als ich einstieg, war es im Bus bereits rappelvoll, und die Platzsuche gestaltete sich schwieriger als gedacht. Anscheinend hatten die Leute in Flensburg weniger Skepsis als ich. Der Bus setzte sich in Bewegung und fuhr über die B77 in Richtung Rendsburg. Dort stiegen am ZOB lediglich drei weitere Passagiere zu. Nach dem kurzen Halt ging es dann weiter über die A7. Bis Hamburg kam niemand mehr dazu. Die Bedarfshaltestellen Neumünster ZOB und Kaltenkirchen passierten wir ohne weitere Stopps. Die zahlreichen Baustellen, die die Strecke säumten, drückten mir zusehends aufs Gemüt. Zu allem Unglück fing es dann auch noch an zu gießen wie aus Eimern, sodass der Blick aus dem Fenster noch deprimierender wurde. Ein Grund mehr, mir einmal die Bordtoilette von innen anzuschauen. Die war überraschend sauber und ich konnte mich dort sogar aufrecht hinstellen – und das bei meiner Körpergröße von 1,92 Metern. Gerade kam ich zurück an meinen Platz, da standen wir auf Höhe Quickborn bereits im Stau. Offenbar war ein Lkw umgekippt, der die gesamte Fahrbahn versperrte. Der Busfahrer wählte kurzerhand einen Umweg über den Flughafen Fuhlsbüttel. Letztlich kamen wir mit nur fünf Minuten Verspätung um 14.35 Uhr am ZOB beim Hamburger Hauptbahnhof an. Leider dauerte mein Aufenthalt gerade einmal lange genug, um am Jungfernstieg Mittag zu essen.

Denn um 16.15 Uhr fuhr bereits mein Bus zurück nach Schleswig. Dort traf ich Folkert Mende (21) und Josef Huth (19), die beide aus Schleswig kommen und jetzt in Hamburg studieren . „Wir fahren regelmäßig nach Hause, um Freunde zu besuchen. Wir sind sogar am ersten Tag, also am 16. Juli, schon einmal hier mitgefahren. Da hatte der Bus schon zwei Stunden Verspätung, als er in Hamburg ankam. Insgesamt sind wir drei Stunden zu spät in Schleswig angekommen. Das Fußballtraining konnten wir knicken“, erzählte Josef Huth. Sein Freund stimmte ihm zu: „Der Bus ist zwar deutlich bequemer und günstiger als die Bahn oder das Auto, man sollte aber immer etwas mehr Zeit einplanen. Toll ist allerdings auch, dass man während der Fahrt kostenloses W-Lan hat.“ Auf dem Rückweg hat es natürlich wieder geregnet. Ausgestiegen sind wir in der Mansteinstraße, unweit vom Bahnhof.

Mein Fazit: Wer eine günstige Alternative zur Bahn sucht und genügend Zeitpuffer mitbringt, sollte den Bus definitiv in Betracht ziehen.

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