Stephan Dose als Bürgermeister : Für drei Wochen Vorgesetzter von 200 Mitarbeitern

Sogar in den Ferien ist die Terminmappe gut gefüllt: Der amtierende Bürgermeister Stephan Dose bespricht sich mit Chefsekretärin Gabriela Marx. Foto: Jennert
Sogar in den Ferien ist die Terminmappe gut gefüllt: Der amtierende Bürgermeister Stephan Dose bespricht sich mit Chefsekretärin Gabriela Marx. Foto: Jennert

Neuer Stadtrat Stephan Dose erstmalig amtierender Bürgermeister

Avatar_shz von
06. Juli 2013, 04:59 Uhr

Schleswig | Den Begriff "Mitarbeiter" nimmt Stephan Dose nicht gern in den Mund. Die 200 Beschäftigten der Stadtverwaltung sind für ihn stattdessen "Kollegen", auch wenn er derzeit in der Hierarchie ganz oben steht. Dose wirkt wie jemand, der sich einfinden muss in eine ungewohnte Rolle. Zum ersten Mal ist er amtierender Bürgermeister und damit Chef aller städtischen Mitarbeiter. Er vertritt Amtsinhaber Thorsten Dahl, der sich in einem dreiwöchigen Sommerurlaub befindet.

Die Legitimation für seinen ungewöhnlichen Ferienjob hat Dose von der Ratsversammlung erhalten. Nach der Kommunalwahl wählte Schleswigs höchstes Gremium den SPD-Fraktionsvorsitzenden einstimmig zum neuen Ersten Stadtrat, also zum ersten stellvertretenden Bürgermeister. "Ich wusste, was auf mich zukommt", sagt der 49-Jährige. Aufgeregt sei er daher nicht gewesen, als er in dieser Woche auf dem Chefsessel im Bürgermeisterzimmer Platz genommen hat. "Aber ich habe großen Respekt vor dem Amt."

Das ist durchaus berechtigt, denn der amtierende Verwaltungschef ist nicht nur dazu da, an das Telefon zu gehen, wenns klingelt. Die Amtsgeschäfte laufen ganz normal weiter, wenn auch auf kleinerer Flamme als außerhalb der Ferien. Die Dokumentenmappe ist jeden Tag gefüllt, auswärtige Termine stehen an, zwischendurch müssen Gespräche mit den Mitarbeitern geführt werden. Dose ist Bürgermeister mit allen Rechten und Pflichten. Er kann Gemeindevermögen im Wert von bis zu 150 000 Euro veräußern oder sogar - nach einer öffentlichen Ausschreibung - Bauaufträge in unbegrenzter Höhe vergeben.

Der Mann an der Spitze weiß, welche Verantwortung er hat. "Ich unterschreibe nichts, was ich nicht gelesen habe", sagt Dose. Bei Unklarheiten fragt er im jeweiligen Fachdienst nach. Er fühlt sich akzeptiert. "Das Team ist gut, alle sind freundlich, keiner ist davon genervt, dass hier ein Politiker auf dem Stuhl sitzt." Die ganze Welt umkrempeln will er nicht: "Ich fände es nicht gut, wenn der Bürgermeistervertreter alles im Rathaus umorganisieren würde. Das gehört sich nicht gegenüber dem eigentlichen Amtsinhaber."

Dennoch gibt es ein paar Dinge, die der Sozialdemokrat bewegen will. Ganz oben auf seiner Agenda steht die Reparatur der Schleswiger Straßen. Seit Monaten ist hier kaum etwas passiert, obwohl die Ratsversammlung die benötigten Gelder längst freigegeben hat. Zwischen den Zeilen lässt sich heraushören, dass es wohl ein Kompetenzgerangel zwischen verschiedenen städtischen Abteilungen gab. Dose möchte niemanden bloßstellen, sondern will das Problem endlich gelöst haben. Er will erreichen, dass die schlimmsten Schlaglöcher zügig gestopft werden, zunächst in der Flensburger Straße und am Brautsee. Und auch auf der Baustelle Kindergarten Stadtfeld soll es nach langem Stillstand vorangehen. Dose drängt darauf, dass die Außenanlagen rechtzeitig zum Beginn des neuen Kindergartenjahres fertiggestellt werden, "damit die Kinder wieder draußen spielen können".

Urlaub genommen hat sich Stephan Dose für seine Zeit als Bürgermeister nicht. So muss er pendeln: Vormittags und nachmittags ist er als hauptamtlicher Personalrat in der Kreisverwaltung tätig, in der Mittagspause und am späten Nachmittag als Chef im Rathaus - gegensätzlicher könnten die Aufgaben kaum sein. Zwölf Stunden kommen dabei zusammen. Doch für ehrenamtliche Kommunalpolitiker, die voll im Beruf stehen, sei dies durchaus nicht ungewöhnlich, so Dose. Zudem sei im Rathaus alles stets gut vorbereitet.

Als große Stütze bezeichnet der amtierende Bürgermeister seine Chefsekretärin Gabriela Marx, "die mir sogar jeden Tag eine Kanne Kaffee auf den Schreibtisch stellt". Zumindest in dieser Hinsicht habe er es zu Hause nicht ganz so gut. "Da koche ich mir den Kaffee selbst."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen