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Schleswiger Nachrichten

17. Oktober 2017 | 14:05 Uhr

Schleswig : Für die Gallbergschule wird es eng

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Trotz dramatischen Rückgangs der Fünftklässler-Anmeldungen hält sich die Stadt bedeckt. Lornsenschule: „Positive Rückmeldungen für G 8“.

Wohin der Elternwille führt – Schleswigs Schulen haben das zu spüren bekommen. Das erste Anmelde-Verfahren für Fünftklässler, für das die Landesregierung eine absolut freie Schulwahl garantierte, hat prompt die Schullandschaft weiter aufgemischt. Und damit manche Schulleiter in Schrecken versetzt. Denn die Gallbergschule liegt mit derzeit nur 28 angemeldeten Fünftklässlern himmelweit unter der gesetzlichen Mindestmarke für Gemeinschaftsschulen. An der Lornsenschule mit G  8-Ausrichtung sind die Anmeldezahlen gegenüber dem Vorjahr um die Hälfte eingebrochen (wir berichteten).

Für die Gallbergschule ist es der Tiefpunkt einer längeren Entwicklungskurve. Was sagt nun die Stadt als Schulträgerin zum klaren Wahlergebnis durch die Eltern? Wie lange noch möchte sie als Stützrad der Gallbergschule fungieren? Und wie lange will die Schulaufsicht diese Schule durch interne Schüler-Transfers künstlich am Leben erhalten?

Eine wirklich konkrete Antwort gab es dazu gestern nicht. Schulrätin Sybille Pahlke erklärt auf SN-Nachfrage, dass man abwarten müsse, ob noch Nachzügler kämen. Erst dann könne man alles bewerten. Auch die Stadtverantwortlichen halten sich weiterhin bedeckt in der Zukunftsfrage der Gallbergschule. Allerdings verweist Rathaus-Sprecherin Antje Wendt auf eine Stellungnahme der Verwaltung, die zwischen den Zeilen aussagt, dass laut Schulentwicklungsplanung innerhalb der nächsten zwei Jahre gehandelt werden müsse. Und zwar: „Sollte erkennbar werden, dass sich die durch Unterschreitung der Mindestgröße sichtbare Tendenz verstetigt, haben Schulträger, Kreis und zuständige Schulaufsichtsbehörden innerhalb der zwei folgenden Jahre geeignete Anpassungsmaßnahmen einzuleiten ...“ Was auf gut deutsch heißt: Die Gemeinschaftsschule wird ihre Daseinsberechtigung verlieren, wenn die Anmeldezahlen weiterhin den Bach runtergehen. Würde man das Schulgesetz wörtlich nehmen, müsste sie schon bei dem jetzigen Anmeldestand aufgelöst werden.

Jedoch will die Stadt zunächst mit allen Schleswiger Schulleitern sowie mit der Lenkungsgruppe Bildungslandschaft die neuen Anmeldezahlen beleuchten und „mögliche Prognosen für die Zukunft erstellen“. Dabei werde man „immer die gesamte Schullandschaft in Schleswig berücksichtigen und auch auf eine wirtschaftliche und sinnvolle Bereitstellung von Ressourcen durch den Schulträger Rücksicht nehmen.“

Was die Prognosen für die Anmeldezahlen der Fünftklässler bis 2018 angeht, so lag die Schulentwicklungsplanung wohl ziemlich daneben. Hoffnungsvoll war man davon ausgegangen, dass es die Gallbergschule in diesem Frühjahr auf 39 neue Fünftklässler bringen würde. Da es aber tatsächlich nur 28 sind, steht zu befürchten, dass die weitere Prognose für 2016/2017 (mit 42 Schüler-Anmeldungen) ebenfalls viel zu optimistisch geschätzt wurde.

Auch bei der Lornsenschule, die einen gehörigen Dämpfer bei den Anmeldungen wohl wegen ihrer G8-Ausrichtung zu beklagen hat, lagen die Zahlen-Ermittler gehörig schief: 103 Schüler hatten sie ursprünglich prognostiziert, tatsächlich sind es für das kommende Schuljahr nur 51 Fünftklässler, gerade mal die Hälfte. Allerdings verweist Antje Wendt darauf, dass sich insgesamt 32 Fünftklässler weniger als erwartet auf die weiterführenden Schulen in der Stadt verteilt haben, nämlich nur 358 anstatt 390.

Dennoch: Zweifel an Prognosen und Statistiken bleiben. Zumal der Elternwille wie eine Rechnung mit Unbekannten ist. „Unbekannt“ ist beispielsweise, auf welche Gemeinschaftsschule die Eltern im Amt Südangeln ihre Sprößlinge schicken. Da ist nämlich die Böklunder Auenwaldschule derzeit gut im Rennen – sehr zum Nachteil der Gallbergschule.

In der Lornsenschule geht man derweil gelassen mit der Nachricht um, im kommenden Schuljahr nur dreizügig fahren zu können. Orientierungsstufenleiter Carsten Schmolling gegenüber den SN: „Natürlich sind wir betroffen – aber nicht niedergeschlagen.“ Man habe unter den Anmeldungen zu 38 Prozent Geschwisterkinder von G  8-Schülern an der Lornsenschule registriert: „Das und viele Rückmeldungen zeigen uns, dass die Eltern unsere Arbeit anerkennen.“ Schmolling: „Und wenn die Kinder erstmal bei uns sind, gefällt es ihnen in der Regel sehr gut.“

Der Schulelternbeirat unter Vorsitz von Christine Heinrich will sich heute Abend treffen, um zu besprechen, wie die Lornsenschule noch stärker unterstützt werden könne.

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