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Totschlag in Lürschau : Führerscheinprozess: Zehn Jahre Haft für 57-Jährigen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Lkw-Fahrer verlor seine Fahrerlaubnis. Die zuständige Führerscheinsachbearbeiterin musste deswegen sterben. Das Landgericht Flensburg verurteilte den 57-Jährigen wegen Totschlags. Ein Mord war nicht nachzuweisen.

shz.de von
erstellt am 05.Dez.2013 | 16:59 Uhr

Lürschau | Für den gewaltsamen Tod einer Führerscheinsachbearbeiterin bei Schleswig muss ein 57-Jähriger wegen Totschlags für zehn Jahre ins Gefängnis. Die Richter am Flensburger Landgericht sahen es als erwiesen an, dass der Mann die Mitarbeiterin der Schleswiger Kreisverwaltung Ende April in ihrem Haus in Lürschau (Kreis Schleswig-Flensburg) erstochen hat. Wegen Hirnschäden, die der Angeklagte nach langjährigem Alkoholkonsum habe, sei ein geringerer Strafrahmen anzuwenden als bei Totschlag normalerweise üblich, hieß es in der Begründung. Der Staatsanwalt hatte auf elf Jahre und drei Monate plädiert. Die Verteidigung wollte ein Strafmaß von unter zehn Jahren erreichen. Der Angeklagte nahm das Urteil regungslos auf.

Dem 57-Jährigen ehemaligen Lastwagenfahrer war zum zweiten Mal der Führerschein entzogen worden. Das Opfer, seine zuständige Sachbearbeiterin und ehemalige Nachbarin, hatte ihn zudem angezeigt, weil er ohne Fahrerlaubnis Auto gefahren war. Eine angeordnete Medizinisch-Psychologische Untersuchung hatte der Mann nicht bestanden. Der Angeklagte hatte vor Gericht Erinnerungslücken von mehr als einer Woche geltend gemacht - die ihm das Gericht aber nicht abnahm, wie der Vorsitzende Richter der Urteilsverkündung betonte.

Der Angeklagte habe die Tat mit heftiger Gewalt und Brutalität ausgeführt und noch dazu im geschützten Umfeld des Zuhauses des Opfers. „Sie haben sehr viel Schuld auf sich geladen“, sagte der Vorsitzende Richter Michael Lembke. Eine Verurteilung wegen Mordes - wie von der Nebenklage gefordert - kam für die Erste Große Strafkammer - dennoch nicht infrage. Es habe keinerlei Augenzeugen und keine Tatspuren gegeben, die einen bestimmten Verlauf nachweisen würden, sagte Lembke. So könne nicht zweifelsfrei bewiesen werden, dass der Angeklagte heimlich durch die unverschlossene Nebentür ins Haus geschlichen sei.

Vielleicht habe er dort vorher angeklopft oder sogar an der Haustür geklingelt, sagte Lembke. Auch ob das Opfer tatsächlich wehr- und arglos gewesen ist, sei nicht sicher: Es habe sehr wohl Anzeichen von Kampfspuren gegeben. Auch wenn die Gleichung „Führerschein gegen Leben“ objektiv einen niederen Beweggrund darstelle - dem Täter müsse die Niedrigkeit seiner Tat auch subjektiv bewusst sein. Ob dies hier der Fall sei, sei nicht eindeutig zu sagen. „Das ist das juristische Ergebnis“, sagte der Vorsitzende Richter. Es werde die Hinterbliebenen nicht trösten, aber es sei die Pflicht des Gerichts, emotionslos und objektiv nach juristischen Kriterien zu urteilen.

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