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Kreis Schleswig-Flensburg : Frust in der Zulassungsstelle

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wer in Schleswig sein Auto an- oder ummelden will, muss viel Zeit mitbringen.

von
erstellt am 06.Jun.2016 | 18:45 Uhr

Mohammed Hussein ist Freitagmittag extra erst kurz vor Dienstschluss in die Kfz-Zulassungsstelle gekommen. „Ich hatte gehofft, dass ich dann nicht mehr so lange warten muss“, sagt der 25-jährige Schleswiger. Doch die Taktik geht nicht auf – eine Stunde später ist sein neues Auto immer noch nicht angemeldet, er ist ganz einfach noch nicht an der Reihe. „20 Leute sind vor mir dran“, stellt er mit Blick auf seine Wartemarke mit der Nummer „N  198“ resigniert fest. „Aber das ist ja seit Jahren so, dass man hier so lange warten muss“, betont Hussein.

Erleichtert zeigen sich kurz darauf David Zabel (27) und seine Freundin Janina Dorn (25) aus Hollingstedt, als sie die Zulassungsstelle nach gut einer Stunde endlich mit neuen Papieren und frisch gestempelten Nummernschildern verlassen können. „Heute ist hier ziemlich viel los. Und ich habe das Gefühl, dass nur wenige Büros besetzt sind“, sagt Janina Dorn. Das sei schon nervig.

Jan Wiese, Leiter der Straßenverkehrsbehörde in der Kreisverwaltung, weiß, dass viele seiner Kunden unzufrieden sind. Allein, es fehle ihm an Personal, um den Ansturm angemessen bewältigen und die Wartezeiten in einem erträglichen Rahmen zu halten. Eigentlich sind Wieses Angaben zufolge elf Mitarbeiter für die Zulassungsstelle vorgesehen. Vier haben die Behörde innerhalb der vergangenen zwölf Monate jedoch verlassen, drei davon haben innerhalb der Kreisverwaltung eine besser dotierte Stelle angetreten. Ein weiterer Mitarbeiter hat bereits die Zusage für eine Stelle in einem Sozialzentrum erhalten.

Die vergleichsweise schlechte Bezahlung ist ein entscheidender Grund für die hohe Fluktuation. So werden die Mitarbeiter in der Zulassungsstelle in die Entgeltgruppe 5 mit einer Verdienstspanne von 2164 bis 2757 Euro brutto eingestuft. Zum Vergleich: Im Sozialbereich vergütet der Kreis seine Angestellten nach E  8 (bis zu 3130 Euro monatlich). Wiese: „Dadurch entsteht natürlich eine große Sogwirkung.“ Und mit jedem Wechsel gehe ein gehöriges Maß an Erfahrung verloren.

Das verbleibende Personal muss die Arbeit alleine schultern, der Unmut vieler Kunden tut sein Übriges – der Frust steigt und damit auch die Zahl der Krankheitsfälle. Doch so schlimm wie in Flensburg sind die Zustände in Schleswig nicht. In der Fördestadt, wo weit mehr Vorgänge als an der Schlei bearbeitet werden, haben neun von 19 veranschlagten Mitarbeitern in den vergangenen zwölf Monaten der Behörde den Rücken gekehrt. Hinzu kommt ein extrem hoher Krankenstand. Am 6. Mai, dem Brückentag nach Himmelfahrt, musste die Flensburger Zulassungsstelle sogar schließen, weil nur vier Angestellte zum Dienst erschienen waren. Ein geordneter Betrieb sei nicht mehr gewährleistet gewesen, erklärt Wiese, der auch für die Zulassungsstelle der Stadt Flensburg zuständig ist. Die vier Mitarbeiter halfen an jenem Tag in Schleswig aus.

Um den Personalengpass zu beseitigen, hat der Kreis die Zulassungsstelle inzwischen auch für verwaltungsverwandte Berufe wie etwa Bürokaufleute oder Reno-Gehilfen geöffnet. Entsprechende Stellenausschreibungen liefen, sagt Wiese. Als weitere Sofortmaßnahme hat die Verwaltung beschlossen, die Zulassungsstelle am Dienstagnachmittag vorläufig nicht mehr für den Publikumsverkehr zu öffnen. Die Mitarbeiter sollen die Zeit vor allem nutzen, um die Post zu bearbeiten und neue Kollegen einzuarbeiten. Normalerweise ist die Zulassungsstelle Dienstagnachmittags von 13.30 bis 15.30 Uhr geöffnet. Ab August, so hofft Jan Wiese, soll die Behörde dann so gut aufgestellt sein, dass sie wieder die geplanten 27,5 Stunden in der Woche geöffnet hat.

Um Viertel vor eins kann Mohammed Hussein am Freitag dann auch endlich die Nummernschilder an seinem neuen Auto montieren. Die Mitarbeiter haben Überstunden gemacht, um den Ansturm in der Zulassungsstelle zu bewältigen. Normalerweise ist freitags um 12 Uhr Feierabend.

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