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VHS-Leiter Christian Hennig : Früher war weniger Yoga

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nach 28 Jahren an der Spitze der Volkshochschule geht Christian Hennig in den Ruhestand.

von
erstellt am 29.Dez.2015 | 19:20 Uhr

Seit 53 Jahren hat die Schleswiger Volkshochschule einen hauptamtlichen Leiter. Seither haben erst zwei Personen dieses Amt bekleidet: Karl-Heinz Hoyer von 1962 bis 1986 – und seit 1987 Christian Hennig. Leicht könnte man meinen, es habe sich über die Jahrzehnte nicht viel verändert in dem stattlichen VHS-Gebäude an der Königstraße. Zum Jahresende geht Hennig in den Ruhestand, und wenn der 65-Jährige von seinen langen Jahren im Dienst erzählt, dann kommt die Sprache tatsächlich auch auf Dinge, die seine Einrichtung in all der Zeit kontinuierlich geleistet hat: Sprach-, Mal- und Töpferkurse waren in den 80er Jahren genauso gefragt wie heute. Die VHS war und ist eine ideale Anlaufstelle für Neubürger, die unkompliziert Kontakte in Schleswig knüpfen möchten.

Aber Vieles hat sich auch geändert. Im Saal im ersten Obergeschoss fanden in Hennigs Anfangsjahren Vortrags- und Filmabende statt. Nach und nach ist daraus eine Yoga- und Gymnastikhalle geworden. Früher musste die Volkshochschule sich das Gebäude mit dem Seniorenkreis, dem Stenografenverein und einer beruflichen Weiterbildungseinrichtung teilen. Karl-Heinz Hoyer hatte zudem seine Dienstwohnung im Gebäude. Das Ehepaar Hennig mit seinen drei kleinen Kindern zog es 1987 hingegen vor, in ein eigenes Haus zu ziehen.

Die Zahl der Kurse und die Zahl der Kursteilnehmer war damals nur halb so groß wie heute mit 600 Angeboten und 5000 Teilnehmern. Die Aufgaben sind gewachsen. So nahm in den vergangenen Jahren die Zahl der Sprach- und Integrationskurse für Einwanderer immer mehr zu. Diese Entwicklung hat sich mit dem Flüchtlingsstrom in diesem Jahr noch einmal beschleunigt. „Das hat unser Haus verändert“, sagt Hennig. Und es hat dazu geführt, dass die Seminarräume auch tagsüber stärker ausgelastet sind.

Gleichzeitig hat der Druck aus der Ratsversammlung, Kosten zu sparen, seither spürbar zugenommen. Seit mehr als zehn Jahren vergeht im Rathaus keine Haushaltsberatung, in der nicht die Frage nach dem Deckungsgrad der Volkshochschule gestellt wird, also dem Prozentsatz der Kosten, die die Einrichtung selbst erwirtschaftet. 65 Prozent sollen es sein, das fordert insbesondere die CDU-Fraktion immer wieder ein. In den vergangenen Jahren waren es zwischen 50 und 60 Prozent bei einem Kostenvolumen von bis zu 700  000 Euro.

Hennig möchte sich an seinem letzten Arbeitstag vor der Rente zu solchen politischen Fragen nicht detailliert äußern, er gibt aber zu bedenken, dass die Volkshochschule in einer Stadt wie Schleswig nicht denselben Deckungsgrad erreichen könne wie zum Beispiel in Flensburg oder Kiel. „In einer Großstadt ist es einfacher, viele Teilnehmer für einen einzelnen Kurs zu gewinnen. Wenn die Gebühren bei uns nicht höher sein sollen als andernorts, dann wird man nicht denselben Deckungsgrad erreichen können.“ Froh ist Hennig, dass die Ratsversammlung – nach Kritik von der CDU – der VHS für die nächsten zwei Jahre eine zusätzliche halbe Arbeitskraft für den Bereich „Gesundes Leben“ bewilligt hat. „Ich bin sicher, dass sich das auszahlen wird“, meint der scheidende Leiter. Seine Nachfolgerin Nicole Schmölz wird schon im Laufe der kommenden Woche das Programmheft für das Frühjahrssemester vorstellen. Ihre weitere Arbeit kann Christian Hennig – zumindest teilweise – aus der Nähe beobachten. Künftig wird der in Stockholm geborene Philologe als freiberuflicher Dozent Schwedisch-Kurse an der VHS anbieten.

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