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Frischer Wind für die Flensburger Johannismühle

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

von
erstellt am 09.Mai.2014 | 16:24 Uhr

Der Verfall von Flensburgs letzter historischer Windmühle auf der Ostseite schreitet unaufhaltsam voran. Nicht nur die Flügel und die Galerie der Johannismühle fehlen seit Jahren ersatzlos. Auch der Mühlenkopf gammelt am Boden vor dem Müllerhaus vor sich hin. Erkennbar leidet auch der holzverschalte Rumpf. Viele Holzschindeln über der früheren Galerie sind längst abgefallen.

Als Hans-Werner Urbschat die Mühle im Jahr 2000 von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Wobau übernahm, schien der zweite Frühling des Galerieholländers von 1808 gekommen zu sein. Mit dem Müllermeister Walter Skau hatte er einen Enthusiasten gewonnen, der hier einen echten Windmühlen-Mahlbetrieb starten wollte. Doch Skau wurde in den Mühlen von Justiz und Bürokratie zerrieben, nachdem ein Nachbar gegen die gewerbliche Nutzung geklagt hatte – und die Hängepartie sich hinzog, bis Skau die Puste ausging.

Es ist mittlerweile fast zehn Jahre her, dass der Mann mit der Müllermütze seine vier großen Mühlsteine in Adelbylund ausgebaut und in der Schwensbyer Mühle „Renata“ bei Sörup wieder aufgebaut hat.

Jenseits des komplett erhaltenen historischen Müllerhaus-Ensembles mit dem kopfsteingepflasterten Mühlenhof hat sich seitdem nichts Nennenswertes mehr getan.

Jetzt will Müller Skau, mittlerweile 62, der Stadt und dem Viertel einen Vorschlag machen: „Wenn man für die Sanierung Geld zusammenbekäme, würde ich beim Wiederaufbau helfen und eine Gruppe Aktiver anleiten, die Mühle bautechnisch wiederaufzubauen und zu erhalten.“ Er stellt sich eine Art Bürgerinitiative Johannismühle vor. In den Niederlanden gebe es zahlreiche Vorbilder. Dort würden dann häufig Hunderttausende fließen, die Aktiven verpflichteten sich aber vertraglich, die Mühlenflügel mit einer bestimmten Drehzahl und auch den Mühlekopf zu bewegen.

Skau hat viele sanierte Mühlen gesehen, die dramatisch gelitten hätten, weil sie nicht bewegt worden seien. Dreht sich die schwere Mühlenkappe gar nicht, drückt das Gewicht Beulen hinein. In Schwensby, wo man den Müller täglich von 13 bis 18 Uhr besuchen kann, könne man perfekt studieren, dass Bewegung funktioniere: „Sogar die Holzwürmer finden es doof, wenn sich die Mühle bewegt“, sagt Skau.

Drei Jahre ist her, dass Skau die Denkmalschützer der Stadt nach Schwensby eingeladen hatte. Begeistert seien sie von seinen Ideen gewesen. Gemeldet haben sie sich nicht mehr. Bislang sind aber auch alle Versuche einer anderen Nutzung gescheitert, obwohl es offenbar immer wieder Interessenten gibt, die in dem Baudenkmal zwar nicht mahlen, aber zumindest wohnen oder arbeiten möchten.

Der Flensburger Hügel sei nicht nur der windgängsgste Stadtstandort, den er kenne, sagt Skau. Es ist die letzte Mühle aus dieser Zeit.

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