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Konzert im Dom : Frischer Elan und ein berühmter Bach-Spezialist

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Internationale Chorakademie Lübeck und Altmeister Helmuth Rilling überzeugten in Schleswig.

shz.de von
erstellt am 14.Feb.2015 | 07:35 Uhr

Stehender Applaus im Dom zu Schleswig für Altmeister Helmuth Rilling, die Sängerinnen und Sänger der Internationalen Chorakademie Lübeck und das Orchester der Musikhochschule Lübeck. In ihrem knapp 90-minütigen Programm stellten die international besetzten Akteure vier doppelchörige Motetten von Johann Sebastian Bach vor sowie dessen Orchestersuite Nr. 3 D-Dur BWV 1068 mit der berühmten Air. Viele Gründe eigentlich, in den Dom zu strömen – indes war dieser gerade einmal zu einem guten Drittel gefüllt. Ob es die Aussicht gewesen war, die vier relativ unbekannten, von Stefan Weiler einstudierten Motetten „Der Geist hilft unser Schwachheit auf“ (BWV 226), „Komm, Jesu, komm“ (BWV 229), „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir“ (BWV 228) und „Singet dem Herrn ein neues Lied“ (BWV 225) zu hören, welche das Publikum abgeschreckt hat, oder der zum Teil hohe Eintrittspreis? Der Name des berühmten Bachspezialisten Rilling allein wirkte nicht.

Mit frischem Elan, ansteckender Sangesfreude und hoher Konzentration intonierten die etwa 40 jungen und bestens ausgebildeten Choristen die Motetten, welche Bach in den 1720er Jahren in Leipzig komponierte. Sie waren weniger für den liturgischen Gebrauch bestimmt, sondern dienten ursprünglich überwiegend für Begräbnisfeiern angesehener Bürger. Ungewöhnlich war die überraschende Instrumentalbegleitung mit Streichern, zwei Englischhörnern, Oboe und Fagott, die einen sahnigen Klang ergaben. Lange Zeit wurden die Motetten – bis auf „Singet dem Herrn“, bei der originales Stimmenmaterial überliefert ist – lediglich rein a cappella gesungen. Wenn auch die Feinabstimmung bei manchen Übergängen zwischen den Instrumentalisten und Choristen nicht immer perfekt gelang und die Deutlichkeit in der Artikulation wegen des überakustischen Kirchenraumes nicht so ganz zum Tragen kam, so erlebten die Zuhörer insgesamt sehr ausdrucksstarke Interpretationen vokaler Kompositionskunst.

Die langjährige Erfahrung Rillings wird hier in den Chorgesang eingeflossen sein, der alle Werke auswendig dirigierte. So auch besagte Orchestersuite, die ebenso mit modernen Instrumenten zu Gehör gebracht wurde. Stringent interpretiert kamen die Sätze mit frischen Tempi daher, die Ouvertüre besaß Klarheit und französische Würde, wenn auch wenige Einsätze nicht immer auf den Punkt gebracht wurden. Besinnlich das berühmte Air.

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