„Zur Eiche“ in Neuberend : Frische Ideen gegen Gasthof-Sterben

Die Besitzerin der Gaststätte „Zur Eiche“, Britta Petersen (links), überlässt Philipp und Sabrina Erck von Erck-Event die Räume für Veranstaltungen und Versammlungen.
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Die Besitzerin der Gaststätte „Zur Eiche“, Britta Petersen (links), überlässt Philipp und Sabrina Erck von Erck-Event die Räume für Veranstaltungen und Versammlungen.

Ende Dezember hatte der Gasthof „Zur Eiche “ in Neuberend seine Türen geschlossen, Jetzt geht es weiter – mit einem völlig neuen Konzept.

shz.de von
24. Januar 2015, 11:45 Uhr

In vielen Dörfern im Kreisgebiet sind die Gasthöfe zugleich Gemeindezentrum, Treffpunkt für Vereine und Verbände, Orte zum Feiern und Trauern, Stätten der politischen Auseinandersetzung in Ausschüssen und Gemeindevertretungen. Kurzum – sie sind die zentrale Drehscheibe des dörflichen Lebens. Für diese Gemeinden ist es ein Horrorszenario, wenn der örtliche Gasthof schließen muss, weil sich kein neuer Pächter findet. Dann sind kreative Lösungen gefragt.

Einige Gemeinden haben die örtliche Gaststätte erworben, um sie zu verpachten – mit unterschiedlichem Erfolg: Im Gasthof „Jäger’s Ruh“ in Steinfeld beispielsweise läuft der Laden nach mehreren Pächterwechseln laut Bürgermeister Heinrich Buch „sehr gut, wir sind sehr zufrieden“. Für das Gasthaus „Zum Langsee“ in Süderfahrenstedt wird indes derzeit händeringend ein neuer Betreiber gesucht. Andernorts wird der Betrieb eingeschränkt, teilweise nur noch auf Anfrage oder für größere Gesellschaften geöffnet wie etwa im Dörpskrog in Ringsberg.

Eine andere Lösung fand die Betreiberin Britta Petersen für ihre Gaststätte „Zur Eiche“ in Neuberend. Anstatt wie geplant das Haus zum Jahreswechsel endgültig zu schließen, überlässt sie die Räume dem Veranstaltungsservice Erck-Event, der dort Feiern von der Taufe bis zur Beerdigung, Veranstaltungen und Versammlungen organisiert. Das Angebot ist nach einem Baukastensystem konzipiert, kann individuell zusammengestellt werden und reicht von einfachen Serviceleistungen während der Veranstaltung über die Bewirtung bis zur vollständigen Organisation des gesamten Events. Mit der Bewirtung der Jahresversammlung der Feuerwehr hat das Konzept gerade eine erste Bewährungsprobe bestanden.

Die neue Idee kommt offenbar an. Zu einem Tag der offenen Tür, bei dem jetzt das neue Angebot vorgestellt wurde, kamen laut Veranstalter rund 350 Menschen, und Agenturchefin Sabrina Erck hat schon etliche Reservierungen für dieses Jahr entgegengenommen. Zu Pfingsten sei die Gaststätte bereits restlos ausgebucht, und auch für Ostern gebe es schon Reservierungen.

Für Neuberend sei das Angebot gut, meint Bürgermeister Hans-Helmut Guthardt. „Für uns als Gemeinde wäre es eine Katastrophe, wenn wir unseren Kommunikationsmittelpunkt verlieren. Der Gasthof war unser Mittelpunkt und unser Versammlungsraum. Man kann nur hoffen, dass die Bürger das jetzt auch annehmen“, sagt er.

Nach dem Aus der „Doppeleiche“ in Hollingstedt 2013 ist, sehr zur Freude von Bürgermeisterin Petra Bülow, nun auch dort eine Lösung in Sicht: Kerstin Schmidt, Tochter des ehemaligen Betreibers, übernimmt nun doch die Grundversorgung in der Gemeinde, will künftig Gesellschaften und Versammlungen dort ermöglichen. Einen täglichen Betrieb soll es nicht geben, sondern vielmehr die Gelegenheit für Vereine und Verbände, sich zu festen Terminen zu treffen. Angedacht ist auch, einen generellen Öffnungstag im Monat festzulegen.

Bürgermeisterin Bülow ist glücklich und dankbar für dieses Engagement. „Das ist eine super gute Nachricht. Wir haben ein Jahr lang gespürt, wie es ist, keine Gaststätte zu haben, wie beschwerlich es ist, die Vereine unterzubringen.“ Derzeit wird die Gaststätte nach einem Sturmschaden im Dach und einem Wasserschaden im großen Saal instand gesetzt. Bülow hofft, dass es ab April wieder Veranstaltungen in der „Doppeleiche“ geben kann. Sollte es nötig werden, will sich die Gemeinde an der Ausstattung des Saals zum Wohle der dort tagenden Vereine und Verbände beteiligen. Das Geld ist bereits im Haushalt eingestellt. Die Hauptsache sei, dort wieder die großen Feste der Feuerwehr, Gilde und Kinder feiern zu können, sagt Bülow.

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