LOrnsenschüler : Frische Ideen für die Königswiesen

Die rund 20  000 Quadratmeter große Fläche gilt in Schleswig als Sahnestück.
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Die rund 20 000 Quadratmeter große Fläche gilt in Schleswig als Sahnestück.

Oberstufenschüler entwickeln Modelle für Bebauung der brach liegenden Fläche hinter der Brauerei. Pläne der Eigentümerin liegen auf Eis.

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05. März 2014, 07:45 Uhr

Es ist eines der sogenannten Sahnestücke im Herzen der Stadt. Zentral gelegen, nur einen Steinwurf von der Schlei entfernt. Gleichzeitig aber gehört das Areal zwischen der Königstraße und den Königswiesen zu den Problemkindern Schleswigs. Denn seit vielen Jahren liegt die rund 20 000 Quadratmeter große Fläche brach – obwohl ein Bebauungsplan längst existiert. Diesen Umstand nahmen jetzt die beiden Erdkundelehrer der Lornsenschule Mareen Degebrodt und Ulrich Hadré zum Anlass, ihre Schüler mit der Überplanung des Geländes zu beauftragen: in einer sechswöchigen Projektarbeit mit echtem lokalen Bezug.

Insgesamt 47 Oberstufenschüler aus zwei Klassen mit Erdkundeprofil mussten sich dabei, aufgeteilt in Kleingruppen, reindenken in B-Pläne, Raumordnungen und städtebauliche Richtlinien. Ziel war es, ein maßstabsgerechtes Modell zu bauen, das den realen Vorgaben möglichst entspricht. „Wir hatten dafür ein konkretes Beispiel gesucht. Das Areal an den Königswiesen war perfekt. Es ist nicht weit von unserer Schule gelegen und jeder kennt es“, sagt Ulrich Hadré, für den ein solches Projekt ebenso eine Premiere war wie für seine Kollegin Mareen Degebrodt. Und beide waren am Ende begeistert von den Ergebnissen, die die Jugendlichen präsentierten. „Alle Schüler haben, auch außerhalb der Unterrichtszeiten, großes Engagement gezeigt. Wir hätten nie damit gerechnet, dass so hochwertige Ergebnisse dabei herum kommen“, meint die Erdkundelehrerin.

Dabei waren die Vorgaben für die Schüler nur relativ grob gefasst. Bis zu 60 Wohneinheiten für unterschiedliche soziale Schichten sollten sie für das Gelände einplanen und dabei ökologische Aspekte und das Thema Nachhaltigkeit nicht aus den Augen verlieren. Entsprechend wurden viele der Modellhäuser mit Solarflächen ausgestattet, der Erhalt von Grünflächen stand im Vordergrund, Bodenversiegelung wurde, wenn möglich, vermieden. „Es hat richtig viel Spaß gemacht, so realitätsbezogen zu arbeiten. Es sind tolle Ideen bei diesem Projekt entwickelt worden“, meint Katharina Paulus (16) stellvertretend für einen Großteil der beteiligten Schüler, die nun – wie viele andere Schleswiger auch – gespannt sind, wie es mit dem Gelände weitergeht. „Denn es ist ja wirklich ein attraktives Baugebiet. Schade, dass da nichts passiert“, sagt die 16-jährige Cara Arning, die ebenso wie ihre Mitschülerin Nicola Paege (17) bedauert, „dass da alles so zugewuchert ist“. Gina Marie Hagenow (15) sieht darin gar eine vertane Chance für die Stadt: „Wenn an dieser Stelle etwas Schönes hinkäme, wäre das ein echter Gewinn für Schleswig.“

Das sieht auch Paul Sindram so. Der Architekt ist der Sohn von Sybille Schmid-Sindram, der das Gelände gehört. Von seinem Büro in dem 2012 erbauten weißen Quaderbau an den Königswiesen hat Sindram einen guten Blick auf die brachliegende Fläche – und für deren bauliche Gestaltung bereits Pläne in der Schublade. Allerdings prüfe das Immobilien-Unternehmen seiner Mutter („Waterkant“), für das er arbeitet, zurzeit auch die Umsetzung anderer Projekte außerhalb Schleswigs. Entsprechend sei der Startschuss für eine Bebauung an den Königswiesen, der ursprünglich bereits für das vergangene Jahr angekündigt war, auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Das wiederum bedauert Bürgermeister Arthur Christiansen „außerordentlich“, wie er auf SN-Nachfrage betont. „Bei diesem Gelände handelt es sich um eine Toplage. Wir haben als Stadt keinen Zugriff darauf. Aber wenn es, aus welchen Gründen auch immer, Probleme bei der Bebauung gibt, dann kann man gerne auf mich zukommen.“

Zumindest die Modelle der Lornsenschüler kann sich Christiansen jederzeit gerne ansehen, sagt Lehrer Ulrich Hadré. „Es wäre schön, die Arbeiten dem Bauausschuss oder Bauamt präsentieren zu könnten. Vielleicht bringt man damit ja etwas in Gang.“

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