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SN-Serie “So kocht die Welt“ : Frische Gewürze aus der alten Heimat

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Inder Nirmal Dhanju betreibt in Schleswig ein Modegeschäft – und versteht als ehemaliger Restaurantbesitzer eine Menge vom Kochen.

von
erstellt am 19.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Menschen aus allen Ecken der Welt bereichern seit vielen Jahren das Leben in Schleswig und der Region. Wie sie hierher gekommen sind und welche Geschichten hinter ihnen stehen, bleibt jedoch oft im Verborgenen. Deshalb stellen die SN in einer Serie Frauen, Männer oder auch ganze Familien vor, die ihre Wurzeln in anderen Ländern und Kulturkreisen haben und inzwischen hier eine neue Heimat gefunden haben. Wie kann das besser funktionieren als bei einem guten – und jeweils landestypischen – Essen? Heute: Nirmal Dhanju, der vor 23 Jahren seine Heimat Indien Richtung Deutschland verließ.

 

Wer bei Nirmal Dhanju zum Essen eingeladen ist, hat Glück. Nicht nur, dass der 51-Jährige ein äußerst freundlicher Mensch und zuvorkommender Gastgeber ist, er versteht auch besonders viel von der Arbeit in der Küche. Schließlich hat der gebürtige Inder, der heute das Geschäft „Dhanju Moden“ in der Ladenstraße betreibt, früher gemeinsam mit seinem Bruder in der Nähe von Bremen ein Restaurant betrieben. Und natürlich standen seinerzeit unter anderen auch indische Gerichte auf der Speisekarte.

„Uns beiden macht Kochen Spaß, aber meistens kocht Nirmal, und dann häufig indisch“, sagt Lebensgefährtin Gerlinde Niemann (54), während sie im heimischen Haus in Schuby den Begrüßungscocktail serviert – Lassi, ein indisches Joghurtgetränk. Herrlich erfrischend. „Aber ich esse auch gerne deutsche Gerichte, zum Beispiel Spanferkel, Krustenbraten und Senfeier“, betont Nirmal Dhanju. Nur Rindfleisch isst er wie die meisten Inder nicht.

Dhanju stammt aus Punjab, einem Bundesstaat im Norden Indiens, in dem die Menschen vorwiegend von der Landwirtschaft leben. Zugleich ist der Punjab das Zentrum der Religionsgemeinschaft der Sikhs. Auch Nirmal Dhanju ist ein Sikh. „Die Sikhs sind im Hinduismus so etwas wie die Protestanten im Christentum“, erklärt Gerlinde Niemann. Nirmal Dhanju kam vor 23 Jahren nach Deutschland. Kennengelernt hat sich das Paar später über ihre Arbeit in einem Steuerberatungsbüro. In den hohen Norden verschlug es die beiden, als Gerlinde Niemanns Tochter aus erster Ehe ihre Zelte in Jagel aufschlug. „Mittlerweile leben wir seit 13 Jahren hier. Eigentlich wollten wir in Schleswig ein Restaurant aufmachen. Wir fanden aber nichts passendes“, sagt Dhanju. Ins Auge fielen ihnen aber die Räumlichkeiten in der Ladenstraße. Und da sich ein Freund in Sachen Mode auskannte, sattelten sie kurzerhand um. Eine Entscheidung, die beide nicht bereut haben: „Dadurch haben wir an den Wochenenden mehr Zeit.“

Aber Kochen ist eine Leidenschaft von Nirmal Dhanju geblieben. Das erfährt der Gast schon beim Verzehr der leckeren Vorspeise: in Kichererbsenmehl frittierter Fisch. Weiter geht’s mit Chicken masala. Dazu serviert der Hausherr Basmati-Reis, das indische Linsengericht Dal, einen Joghurt-Karotten-Dip sowie landestypisch zubereiteten Blumenkohl. „In Indien wird viel Blumenkohl gegessen“, sagt er. Natürlich darf auch das Chapati nicht fehlen. Nirmal Dhanju backt das traditionelle Fladenbrot in der Pfanne. „In Indien wird es überm offenen Feuer gemacht.“ Anschließend reicht er das frische Brot per Hand seinem Gast. „Das soll zeigen, dass man willkommen ist“, erklärt seine Lebensgefährtin den typischen Brauch. Dann demonstrieren beide, wie man ein abgerissenes Brotstück wie eine Art kleine Schaufel benutzt, um das köstliche Essen zu sich zu nehmen.

Schweiß treiben einem die Gerichte nicht auf die Stirn. „In Nordindien wird weniger scharf gegessen“, sagt der Gastgeber. Sein Chutney, mit Zutaten aus dem eigenen Kräutergarten, hat es dann aber doch ein bisschen in sich – was an der enthaltenen halben Chilischote liegt.

Hat er eigentlich noch Heimweh? „Ein bisschen“, sagt Nirmal Dhanju. Einmal im Jahr fliegt er zu seiner Familie nach Indien. „Aber nach kurzer Zeit will ich dann wieder zurück. Ich fühle mich jetzt hier zu Hause“, sagt der Mann, der seit 14 Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Seine Familie hat es aus armen Verhältnissen weit gebracht, ist international aufgestellt. Einer seiner Brüder lebt wie er in Deutschland, ein anderer in Spanien sowie eine Nichte in England. Nirmal Dhanjus Tochter aus erster Ehe wohnt in Berlin.

Wenn er von seinen Indien-Besuchen zurückkehrt, hat er jedes Mal einen neuen Vorrat an frischen Gewürzen im Gepäck. Kreuzkümmel, Kurkuma, Knoblauch oder Ingwer dürfen nicht fehlen, wenn Nirmal Dhanju am Herd zur Tat schreitet. Ganz zur Freude seine Gäste.

 

 

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