Aal-Utsetten in Schleswig : Frische Fische für die Schlei

Mit viel Gefühl: Der Holmer Fischer Nils Ross entlässt winzige Glasaale in die Freiheit – um sie in drei Jahren wieder fangen zu können.
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Mit viel Gefühl: Der Holmer Fischer Nils Ross entlässt winzige Glasaale in die Freiheit – um sie in drei Jahren wieder fangen zu können.

Fischer setzen zwischen Schleswig und Maasholm erneut 300 000 junge Aale aus Großbritannien aus. Die Aktion zeigt erste Erfolge.

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25. März 2017, 12:33 Uhr

Seit gestern hat die Schlei 300  000 neue Bewohner. Sie sind in 47 Styroporkisten aus Großbritannien gekommen, wo sie eingefangen wurden. Winzige, fast durchsichtig schimmernde Glasaale. Alle zusammen bringen 93 Kilogramm auf die Waage. Die Holmer Fischer haben sie ausgesetzt. Erst direkt an einem ihrer Bootsstege am Holm, dann fuhren sie mit dem Boot hinaus zur Möweninsel, ans Haddebyer Noor und ans Ufer vor dem ehemaligen Zuckerfabrik-Gelände. Für rund die Hälfte der Glasaale geht es nach dem Stopp am Holm im Lieferwagen der Halstenbeker Aalversandstelle schleiabwärts nach Karschau, Arnis, Kappeln und Maasholm. Im Sommer folgen noch einmal knapp 100 Kilogramm junge Aale – die bis dahin in Gefangenschaft noch ein gutes Stück wachsen dürfen.

Für Jörn Ross, den Ältermann der Holmer Fischerzunft, und seinen Sohn Nils ist das „Aalutsetten“ inzwischen Routine. Angefangen haben die Fischer damit vor sieben Jahren. Denn schon seit langer Zeit mussten sie damit leben, dass Aal – seit Jahrhunderten ein wichtiger Fangfisch in der Schlei – immer seltener in ihren Netzen zappelte.

Das Phänomen ist nicht auf die Schlei beschränkt. Seit den 1970er Jahren soll der Aalbestand in ganz Europa um 90 Prozent zurückgegangen sein. Der „Aalbesatz“, wie es auf Hochdeutsch heißt, wird als Gegenmaßnahme unter anderem vom Europäischen Fischereifonds gefördert. Teilweise müssen die Schleifischer aus Schleswig und Kappeln die Aktion aber aus der eigenen Tasche bezahlen. Jörn Ross ist überzeugt, dass es sich lohnt. Die Aal-Population in der Schlei habe in den letzten Jahren wieder zugenommen. Aber wie effizient das „Aalutsetten“ genau ist, das wissen auch die Holmer Fischer nicht. Die Uni Hamburg hat im Auftrag des Landes Schleswig-Holstein ein Forschungsprojekt gestartet, bis aber Ergebnisse vorliegen, wird noch einige Zeit vergehen. Für die Fischer ist ohnehin seit langem klar, wer ihnen die Aale wegfrisst. „Unser Lieblingsvogel“, sagt Jörn Ross – und meint den Kormoran. Er und sein Kollege Jörg Nadler schätzen, dass die schwarzen Vögel jeden zweiten bis dritten Aal in irgendeiner Form zu fassen bekommen. Bissspuren an den gefangenen Fischen sind ein gewohnter Anblick.

Bei anderen Fischen verhält es sich ähnlich. Der Aal ist nicht die einzige Art, die die Fischer in der Schlei aussetzen. Mit Maränen (auch als Schnäpel bekannt) tun sie das schon seit den 1980er Jahren. Erst in der vergangenen Woche wurden eine halbe Million winzige Maränen ins Wasser gelassen. Nächste Woche folgen noch einmal so viele. Auch Meeresforellen werden immer wieder ausgesetzt. Der sarkastische Kommentar von Jörn Ross: „Wir müssen ja was tun für die Kormorane, die haben Hunger.“

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