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Schleswiger Nachrichten

23. August 2017 | 06:31 Uhr

Schleswig : Friedensgipfel für den Bahnhof

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nach Streit über die Umbaupläne: Bürgermeister will Investor und Behörden an einen Tisch bringen und Kompromisslösung finden

Gibt es doch noch ein Happy End im Streit um den Umbau des Bahnhofes? Ganz so weit ist es noch nicht. Zumindest aber haben sich der aus Süddeutschland stammende Investor und Bürgermeister Arthur Christiansen darauf verständigt, die Gespräche wieder aufzunehmen und „den Reset-Knopf“ zu drücken. Auf Deutsch gesagt bedeutet das: alles auf Null. Man wolle gemeinsam endlich eine Lösung finden, heißt es.

Das scheint auch bitter nötig zu sein. Denn in den vergangenen Monaten war das Verhältnis zwischen den Behörden, also dem städtischen Bauamt und der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises, sowie dem Eigentümer gelinde gesagt schwierig. Unterschiedliche Auffassungen über die künftige Gestaltung des Bahnhofes endeten in einem von der Stadt verhängten Baustopp. Parallel dazu wurden gegenseitige Vorwürfe laut. Insbesondere der Investor nutzte die Facebook-Seite seines „Event-Bahnhofs“ immer wieder dazu, die Öffentlichkeit über den Disput zu informieren. Statt miteinander redeten beide Parteien nur noch übereinander – und dabei war es für neutrale Beobachter schwer zu beurteilen, wer von beiden im Recht ist.

Der neue Anbau im hinteren Bereich des Bahnhofes nimmt weiter Formen an.
Der neue Anbau im hinteren Bereich des Bahnhofes nimmt weiter Formen an.
 

Fest steht, dass es zurzeit vonseiten der Stadt keine Baugenehmigung für den Umbau des denkmalgeschützten Bahnhofes gibt, den der Unternehmensberater im April 2013 bei einer Auktion in Berlin für 182  000 Euro ersteigert hatte. Seine Pläne für das Gebäude sind ambitioniert: Er will es zu einem Event-Tempel mit Sports-Bar, After-Work-Bereich, Restaurant und Kleinkunst-Bühne umbauen. Dass es tatsächlich so weit kommt, hofft nicht nur der Investor, sondern auch viele Schleswiger – und der Bürgermeister, der jetzt zu einem Friedensgipfel im Bahnhof zu Gast war. „Das war mir wichtig, da ich ein zunehmendes Verfestigen der Fronten befürchtete“, erklärt er auf SN-Nachfrage. Zudem machte er noch einmal deutlich, dass die Stadtverwaltung dem Bauprojekt nicht grundsätzlich ablehnend gegenüberstehe, sondern die Aktivitäten am Bahnhof begrüße, „die nicht zuletzt dem Friedrichsberg zugute kommen werden“. Allerdings müsse sich der Investor an geltende Vorgaben und gesetzliche Regelungen halten. Um all das zu klären, schlug Christiansen ein Treffen mit allen Beteiligten vor, bei dem sämtliche Unstimmigkeiten ausgeräumt werden sollen.

Dieser Friedensgipfel könnte bereits Mitte März stattfinden. „Wir sollten uns so schnell wie möglich an einen Tisch setzen“, hofft auch der Investor. Denn ursprünglich war die Eröffnung seines „Event-Bahnhofes“ für Ende dieses Jahres geplant. „Das wird aber nichts. Durch die ganzen Auseinandersetzungen mit den Behörden haben wir viel Zeit verloren. Deswegen haben wir die Eröffnung jetzt auf das Frühjahr 2018 verschoben“, sagt der Geschäftsmann, der nach wie vor nicht namentlich genannt werden möchte. Denn: „Hier geht es um die Sache, nicht um Personen. Und ich schätze meine Privatsphäre.“

Dass der Bürgermeister nun die Initiative ergreift und als Mediator fungieren wolle, begrüßt der Eigentümer ausdrücklich. „Wir hatten ein sehr zufriedenstellendes Gespräch. Herr Christiansen ist bemüht, dass wir alle gemeinsam eine Lösung finden, und hat mir erklärt, dass er dieses Vorhaben zur Chefsache erklärt hat“, sagt er. Christiansen selbst betont aber: „Fragen der Denkmalpflege oder der gesetzlichen Genehmigungspflicht kann ich als Bürgermeister selbstverständlich nicht mit einem Handstreich aus der Welt schaffen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass eine gemeinsame Anstrengung und die Bereitschaft zu Kompromissen zu einer Lösung führen können.“

Derweil wird am Bahnhof fleißig weitergearbeitet. „Dabei handelt es sich allerdings ausschließlich um nicht-genehmigungspflichtige Tätigkeiten“, wie der Investor versichert. Auch die Planungen für die Zukunft laufen weiter auf Hochtouren. Unter anderem würden zurzeit erste Bewerbungsgespräche mit einem künftigen Event-Manager, einem Küchenchef sowie einem Service-Leiter stattfinden. Auch konkrete Events werden geplant. Der für Ende des Jahres fest gebuchte Auftritt von TV-Sternchen Micaela Schäfer etwa wurde nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. „Es läuft weiter. Wir ziehen das hier durch. Ich habe schon so viel Geld investiert, da haue ich doch nicht einfach ab“, sagt der Investor. Im Notfall aber müsse man „manche Dinge juristisch klären“.

 

 

 

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erstellt am 23.Feb.2017 | 18:20 Uhr

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