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Schleswiger Nachrichten

20. August 2017 | 08:31 Uhr

Oeversee : Freilaufende Hunde stören die Ruhe

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Im Naturschutzgebiet Obere Treenelandschaft werden Vierbeiner ohne Leine mehr und mehr zum Problem. Die Geschäftsführerin des Naturschutzvereins appelliert deshalb an die Halter, an dem Rückzugsort für viele Tiere Rücksicht zu nehmen.

Britta Gottburg mag Hunde. Und vor allem freut sie sich, dass zahlreiche Menschen in das 2000 Hektar große Naturschutzgebiet des Vereins Obere Treenelandschaft strömen, um dort – gern auch mit ihren Vierbeinern – die Ruhe und die schöne Landschaft zu genießen. Die Freude der Geschäftsführerin des Naturschutzvereins aber wird dadurch, dass viele Hundebesitzer bei ihren Spaziergängen auf eine Leine gern verzichten, deutlich gemildert. „Ich finde es total schön, dass es den Menschen hier so gut gefällt, aber es ist nun mal ein Naturschutzgebiet, dort dürfen die Hunde nicht frei herumlaufen“, sagt die 42-Jährige, deren Büro im Großsolter Weg in Oeversee zu finden ist, unter einem Dach mit dem ADS-Waldkindergarten.

Dass Hunde in dem großen Areal, dessen beliebteste Ausflugsziele laut Gottburg die Fröruper Berge, der Sankelmarker See, das Treenetal und die Dünenlandschaft am Treßsee sind, angeleint sein müssen, darauf weisen zahlreiche so genannte Piktogramme hin. „Aber viele halten sich nicht daran – und mehr Spaziergänger, als man denkt, kommen gleich mit mehreren Hunden“, hat Gottburg festgestellt. Und was sie noch enttäuschender findet: „Wenn man sie darauf anspricht, haben einige Verständnis dafür, aber sehr oft gibt es unfreundliche Kommentare, weil sich die Betroffenen angegriffen fühlen. Man hört Dinge wie: ,Hunde müssen doch frei herumlaufen dürfen, es ist sünde, sie nur an der Leine zu haben.’“ Das sei ja richtig, sagt sie, „aber um sie frei herumlaufen zu lassen, fährt man doch nicht in ein Naturschutzgebiet“. Zudem könnten die Hunde ja an einer sehr langen Leine geführt werden. Gottburg: „Eine Leine haben die meisten ja auch dabei – aber sie benutzen sie nicht.“

Hundebesitzer würden neben zahlreichen anderen Spaziergängern das ganze Jahr über in das Naturschutzgebiet kommen, sogar aus Flensburg und von weiter her – und zu jeder Jahreszeit treffe sie auf nicht angeleinte Hunde. Momentan sei das besonders ärgerlich, weil Brut- und Setzzeit ist, zahlreiche Vögel auf ihren Nestern sitzen und auch andere Tiere ihre Jungen zur Welt bringen. Herumstromernde Hunde würden diese massiv stören. „Deshalb gibt es ja Naturschutzgebiete: Es sind Rückzugsorte für Tiere, vor allem für seltene.“

Von zehn Ausflüglern mit Hund, die sie zum Beispiel in den Fröruper Bergen treffe, sagt Gottburg, lasse mehr als die Hälfte die Vierbeiner frei herumlaufen – und in den vergangenen Jahren seien es immer mehr geworden. „Inzwischen erhalte ich sogar E-Mails von Bürgern, die sich darüber beschweren, dass so unglaublich viele Hunde frei herumlaufen. Oder sie kommen direkt bei mir im Büro vorbei – auch Hundehalter, die sich über die anderen ärgern.“ Auch Schäferin Angela Dornis, deren Stall sich in den Fröruper Bergen befindet, hat Probleme mit Hunden. „Immer wieder versuchen freilaufende Tiere, zu den Schafen zu kommen. Und auch der Kot, der nicht entfernt wird, ist ein Problem, er verunreinigt die Wiesen“, erklärt Gottburg. Zudem begegneten die Waldkita-Kinder vielen herumlaufenden Hunden, hätten vor diesen oft Angst.

Was Britta Gottburg aber am meisten beunruhigt: Einen wirklichen Ausweg weiß sie nicht. „Wir sind manchmal ratlos“, sagt sie. In den Wäldern gelte in Schleswig-Holstein immerhin eine generelle Anleinpflicht. Man könne aber nicht jedes Mal die Polizei rufen, wenn jemand die Regeln missachtet. Das wolle sie auch gar nicht. „Uns wird immer mal wieder gesagt, wir sollten Ranger einsetzen, die aufpassen – aber dafür fehlen uns die Mittel.“ Deshalb hofft sie, die Menschen durch Aufklärung sensibilisieren zu können, sie baut auf deren Belehrbarkeit. Dabei soll ein Flyer mit Verhaltensregeln helfen, den sie vor wenigen Wochen angefertigt hat. Dieser wird an vielen Stellen ausgelegt und zum Beispiel von einer Anwohnerin der Düne am Treßsee, die selbst Hundebesitzerin ist und das Verhalten der anderen nicht versteht, sogar hinter die Scheibenwischer parkender Autos geklemmt.

Gottburg weiß um das generelle Problem, das zu der misslichen Situation führt: „Früher hielt man Hunde meist auf dem Hof. Heute haben nicht nur mehr Menschen einen – er hat auch innerhalb der Familie einen viel höheren Stellenwert, man unternimmt deutlich mehr mit ihm. Aber das soll ja nicht zu Lasten der übrigen Tierwelt gehen.“ Gleichzeitig hebt sie deutlich hervor: „Wir wollen Hundehalter keinesfalls vergraulen, im Gegenteil – aber sie sollen einfach Rücksicht nehmen.“

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erstellt am 22.Mai.2014 | 07:45 Uhr

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