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Schleswig : Freiheit-Investor will Theater kaufen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Investor des Schleswiger Stadtteils auf der Freiheit interessiert sich jetzt auch für den maroden Theaterbau in der Innenstadt. Er bietet einen Euro. Die SPD spricht von „Immobiliendeal“ und „Vetternwirtschaft“.

Schleswig | Die Zukunft des baufälligen Stadttheaters im Lollfuß wird zum heißen Thema in der Endphase des Bürgermeister-Wahlkampfs. Das liegt nicht zuletzt an Volker Schlüschen, Geschäftsführer und Gesellschafter vom „Team Vivendi“, dem Unternehmen, das den neuen Stadtteil auf der Freiheit entwickelt. Schlüschen hat in einem Brief an den noch amtierenden Bürgermeister Thorsten Dahl angeboten, das einsturzgefährdete Gebäude samt Grundstück zu kaufen – für den symbolischen Betrag von einem Euro.

Erst am Montag hatte CDU-Bürgermeisterkandidat Frank Neubauer angeregt, die Stadt solle sich nicht – wie bisher geplant – selbst um den Abriss kümmern, sondern dies einem privaten Investor überlassen. Dass Schlüschen diesen Ball nur wenige Tage später aufgenommen hat, ruft nun die SPD auf den Plan. Die Landtagsabgeordnete Birte Pauls vermutet ein abgekartetes Spiel und spricht von „Vetternwirtschaft“. Die Ortsvorsitzenden von SPD, SSW und Grünen veröffentlichten gestern Nachmittag eine gemeinsame Pressemitteilung. Unter der Überschrift „Immobiliendeal“ schreiben Henrik Vogt, Babette Tewes und Michael Ramm darin: „Es ist ja nicht das erste Mal, dass Frank Neubauer sich sehr stark für die Belange von Herrn Schlüschen einsetzt. Ihm seien zum Beispiel auch „die vielen teuren Gutachten“ zum Bau einer Therme auf dem Freiheitsgelände zu verdanken. Dem CDU-Kandidaten gehe es „immer nur um das Bedienen von Einzelinteressen“. Der von SPD, SSW und Grünen getragene Bürgermeister-Kandidat Arthur Christiansen warnte vor einem „Schnellschuss“ beim Grundstücksverkauf.

Neubauer betonte unterdessen, dass er hoffe, dass sich noch weitere Interessenten für das Theater-Grundstück melden, so dass die Stadt dann das beste Angebot auswählen könne. „Wichtig ist, dass die Stadt in städtebaulicher Hinsicht die Hand drauf behält“, sagte er. Dem neuen Eigentümer möchte er vertraglich eine Frist setzen, innerhalb der das Gebäude abgerissen und durch einen attraktiven Nachfolgebau ersetzt haben muss.

Neubauer hatte seinen Vorschlag damit begründet, dass die Kosten für den Abriss nach neuesten Berechnungen des Bauamtes auf 760.000 Euro gestiegen sind und ein „Ende der Preisspirale noch nicht in Sicht“ sei. Unter dem Theatergebäude waren kürzlich Schadstoffe entdeckt worden. Sie stammen möglicherweise von einer Tankstelle, die sich bis vor gut 20 Jahren an der Schleistraße neben dem Theaterparkplatz befand. Allein dadurch dürften die Abbruchkosten um 150.000 bis 200.000 Euro steigen. Zudem sei die Bauverwaltung derzeit ohnehin mit Arbeit überlastet, so Neubauer.

In seinem formlos eingereichten Kauf-Angebot stellt Schlüschen eine notarielle Verpflichtung in Aussicht, „die Gebäude in einem noch zu verhandelnden Zeitraum abzureißen“. Gegenüber den Schleswiger Nachrichten sprach er außerdem von Plänen, ein Hotel oder Wohnungen zu errichten und betonte: „Ich meine das ernst. Die Sache ist schon seit längerer Zeit ein Thema für mich.“ Das Angebot habe er nicht als Geschäftsführer vom Team Vivendi unterbreitet, sondern als Privatmann. „Gegebenenfalls wird das noch in eine Gesellschaft gepackt“, sagte er. Den Kaufpreis von einem Euro begründete er damit, dass die hohen Abrisskosten „eventuell sogar einen negativen Bodenwert verursachen könnten“. Bisher gibt es keine belastbaren Zahlen dazu, wie viel Geld die Stadt für das Grundstück bekommen würde, wenn sie das Theater auf eigene Rechnung abreißen lässt und von Schadstoffen befreit, ob es sich also lohnen könnte, das Areal einem privaten Investor zu überlassen.

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erstellt am 14.Okt.2013 | 07:45 Uhr

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