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Schleswiger Nachrichten

23. Oktober 2017 | 21:46 Uhr

Schleswig : Freie Sicht auf den Adlerhorst

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bester Blick von Gottorf aus: Ein Brutpaar hat sich am Rande des Burgsees niedergelassen. Abrissarbeiten am Schloss schrecken jedoch die Vogelschützer auf.

von
erstellt am 30.Mär.2015 | 07:11 Uhr

Es war schon eine kleine Sensation, als im vergangenen Sommer bekannt wurde, dass sich in Schleswig erstmals seit über 100 Jahren wieder Seeadler angesiedelt haben. Jetzt wird diese schöne Geschichte fortgeschrieben – und obendrauf gibt es sogar noch ein Sahnehäubchen. Denn anders als im Vorjahr, als die Greifvögel noch unbemerkt von der Öffentlichkeit mitten im Wald westlich des Burgsees (erfolglos) gebrütet hatten, haben sie nun einen neuen Horst gebaut, der für die Schleswiger deutlich besser einsehbar ist. Und zwar direkt gegenüber der Schlossinsel.

Anfang März ist das Vogelpaar an das Ufer des Sees umgezogen und hat dort ein Plätzchen für sein Nest hoch oben in einer großen Pappel gefunden. Wer sich nun, bewaffnet mit einem Fernglas, auf die Nordbrücke stellt, die die Schlossinsel mit der Allee zum Barockgarten hin verbindet, hat also beste Sicht auf das Adlerpaar, das sich beim Brüten fleißig abwechselt. „Das ist schon sensationell, dass die Tiere so stadtnah brüten. In der Regel verstecken sie ihre Nester eher. Toll, dass man hier so nah dran sein kann“, sagt Holger Weidmann von der Projektgruppe Seeadlerschutz in Schleswig-Holstein. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern hat er entschieden, jetzt öffentlich zu machen, was sich dort direkt vor den Toren Gottorfs abspielt. Sie wollen die Schleswiger für „ihr Brutpaar“, wie sie sagen, gleichzeitig begeistern aber auch sensibilisieren. Denn trotz der Nähe des Horstes zum Trubel, der rund um das Landesmuseum herrscht, brauchen die Tiere Ruhe.

Deswegen bieten die Mitglieder der Projektgruppe um Weidmann an, dass interessierte Spaziergänger sie jederzeit ansprechen könnten. Denn in diesen Tagen stehen sie oft im nord-westlichen Bereich der Schlossinsel und haben einen genauen Blick auf die Geschehnisse am anderen Ende des Sees. Dort wiederum hat der zuständige Förster Claas Löhr-Dreier den Wald für Fußgänger bis Ende August gesperrt, um den Bruterfolg der Adler durch zu neugierige Fußgänger nicht zu gefährden. „Da ist aber ohnehin ein sehr unzugängliches Gelände, weil das Gehölz seit 15 Jahren nicht mehr bewirtschaftet wird, also ein Naturwald ist. Und der Wanderweg, der da hindurch führt, ist auch weit weg. Also ist die Sperrung kein Problem“, sagt Löhr-Dreier. Zudem sei von dort aus, bedingt durch den dichten Bewuchs, der Blick auf das Nest sowieso deutlich versperrter als von der Schlossinsel aus.

Von Gottorf aus wiederum drohte den ruhebedürftigen Seeadlern in den vergangenen Tagen eine ganz andere Gefahr, wie die Mitglieder der Projektgruppe berichten. Denn zurzeit wird hinter der Nydamhalle ein alter Kutschen-Schuppen abgerissen – und zwar mit ziemlich lauten Begleiterscheinungen. „Als es hier neulich wieder ordentlich gerumst hat, schaute ich zum Nest rüber und plötzlich waren die Tiere weg“, erzählt Vor-Ort-Betreuer Christoph Matthiesen. Sofort habe er deshalb zum Telefon gegriffen und seine Kollegen informiert. Einen Tag später saß man mit Andreas Rau, Archäologe auf Schloss Gottorf, an einem Tisch. Ergebnis: Die Arbeiten gehen weiter, allerdings möglichst leise. Und sollte man feststellen, dass die Greifvögel sich dadurch gestört fühlen, werden die Maschinen sofort gestoppt. „Das ist ganz in unserem Sinne. Denn auch für die Museumsbesucher ist es spannend, die Adler zu beobachten. Manchmal sieht man sogar, wie sie sich direkt vor der Schlossinsel einen Fisch aus dem Wasser ziehen“, sagt Rau, der selbst Fördermitglied der Projektgruppe und „seit 30 Jahren begeisterter Ornithologe“ ist. Deswegen geht er auch mehrfach pro Tag raus und schaut durch sein Fernglas, um ein Blick auf das junge Adlerpaar zu werfen, oder macht Fotos von ihnen. „Seit dem 3. März brüten sie. Wir hoffen auf Nachwuchs rund um den 10. April“, hat er ausgerechnet. Der Burgsee sei offenbar ein super Habitat für seltene Vögel, sagt Rau. Denn auch Eisvögel, Fischreiher oder Rohrweihen seien hier heimisch.

 

 

 

 

 

 

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