Kreis Schleswig-Flensburg : Frauenpower in den Gemeinden

Ellingstedt: Petra Bargheer-Nielsen.
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Ellingstedt: Petra Bargheer-Nielsen.

Die Quote der Bürgermeisterinnen im Kreisgebiet Schleswig-Flensburg liegt bei 15,6 Prozent – doppelt so hoch wie im Bundesschnitt

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29. Januar 2015, 11:36 Uhr

Bürgermeisterinnen sind in der Männerdomäne Lokalpolitik immer noch eine kleine Minderheit. Laut einer Studie mit dem Titel „Frauen führen Kommunen“ aus dem Jahr 2014, die im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend entstanden ist, liegt die Quote der Bürgermeisterinnen in Gemeinden unter 10  000 Einwohner bundesweit bei 7,7 Prozent. In den Dörfern bestimmen also nach wie vor vornehmlich Männer über Schulbauten, Feuerwehrausstattung, Straßensanierung, Neubaugebiet und die Termine fürs Schietsammeln.

Aber es ist eine Trendwende erkennbar – besonders im Kreis Schleswig-Flensburg. Hier ist die Frauenpower auf dem Vormarsch. In den insgesamt 128 Gemeinden und Städten im Kreisgebiet sitzen zwar immer noch meist Männer in den Chef-Sesseln, es gibt aber auch schon 20 Bürgermeisterinnen. Das entspricht einer Quote von 15,6 Prozent – und die ist doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. „Das ist gut so“, sagt Petra Bargheer-Nielsen, Bürgermeisterin in Ellingstedt und Gleichstellungsbeauftragte beim Kreis Schleswig-Flensburg. Grundsätzlich haben es Frauen besonders schwer, in solche Positionen zu gelangen, sagt Petra Bargheer-Nielsen. Ein Grund dafür sei die Dreifach-Belastung. Während sich Männer meist nur um Beruf und Ehrenamt kümmern, komme bei vielen Frauen noch die Verantwortung für die Familie hinzu. Die alte Rollenverteilung sei noch vorhanden.

Die Bürgermeisterin von Ellingstedt ist überzeugt, dass mehr Frauen in Führungspositionen benötigt werden – schließlich leiden Männer zunehmend unter Arbeitsverdichtung. Dass Frauen gute Bürgermeisterinnen sein können, steht für die außer Frage – auch wenn Politik gewöhnungsbedürftig sei. Sie selbst hat erfahren müssen, dass Klüngel unter Männern die Regel sind – auch wenn sie es anders formuliert: „Männer sind bessere Netzwerker“, sagt sie. „Man muss als Frau lernen, da mitzumischen.“ Die Frage, ob Männer von den Frauen Diskussionskultur lernen“, beantwortet Petra Bargheer-Nielsen nicht eindeutig, „Das wäre schön“, sagt sie.

Die Bürgermeisterinnen im Kreisgebiet haben sehr unterschiedliche berufliche Hintergründe und übernehmen sehr unterschiedliche Aufgaben. So ist Sabine Sütterling-Waack Juristin, Bürgermeisterin in Lürschau und sitzt als Abgeordnete im Bundestag. Gudrun Carstensen hat als Bürgermeisterin in Großenwiehe und Vorsteherin des Amtes Schafflund zwei Führungsaufgaben und Petra Bülow „regiert“ in Hollingstedt, ist Vorsteherin des Amtes Arensharde und vertritt die Gemeinden im Kreis im Gemeindetag des Landes. Aber es muss nicht immer die große lokalpolitische Karriere sein.

Dörte Albrecht hat die Verantwortung in Klappholz fast zwangsläufig übernommen. Die selbstständige Tischlerin saß gerade anderthalb Jahre in der Gemeindevertretung, als der Bürgermeister aus beruflichen Gründen zurücktrat. Sie wurde gefragt. „Ich habe in meinem jugendlichen Leichtsinn zugesagt“, berichte sie, „aber nur unter der Bedingung, dass ich Rückhalt habe und alle mich so nehmen, wie ich bin“. Das hat geklappt. „Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass ich nicht akzeptiert werde. Aber wir haben hier in Klappholz nicht die größten Probleme. Mir macht die Aufgabe Spaß.“

Das sagt auch Kristina Franke aus Glücksburg, die einzige Bürgermeisterin im Kreis, die direkt von den Bürgern gewählt wurde. Dabei hat sie angesichts der finanziellen Lage ihrer Stadt eigentlich nicht viel zu lachen. Männliche Konkurrenz macht der Bau-Ingenieurin nicht viel aus. „Ich habe im Betonbau gearbeitet – dagegen ist die Politik hier sehr harmlos.“ Und es hat noch einen Vorteil, mit Männern zu arbeiten: „Wenn sie einer Frau gegenüber sitzen, werden sie meist sehr charmant.“

Frauen haben sich im Kreis Schleswig-Flensburg als Bürgermeisterinnen etabliert. Sie sind bei den Bürgern und den männlichen Lokalpolitikern geachtet. Aber es gibt regionale Unterschiede. Während in den Geest-Ämtern Schafflund, Eggebek, Arensharde, Kropp-Stapelholm und Haddeby 15 Gemeinden eine Bürgermeisterin haben, sind es im großen Gebiet Angelns nur fünf.

Über die Gründe darf spekuliert werden.

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