zur Navigation springen

Von der Schliessung bedroht : Frauen-Beratungsstellen in Geldnot

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Drei Frauenberatungs-Einrichtungen beantragen höhere Sozialzuschüsse beim Kreis, um ihre Existenz zu sichern – aber das Geld fehlt. Jetzt wollen Politiker den Haushalt des Kreises nach versteckten Ressourcen durchkämmen.

von
erstellt am 02.Okt.2013 | 07:45 Uhr

Sie sind ein Zufluchtsort für Mädchen und Frauen und werden immer stärker in Anspruch genommen: das Frauenzentrum und die internationale Frauenwerkstatt „Saheli“ in Schleswig sowie das Kappelner „Frauenzimmer“. Seit Jahren bieten die anerkannten Beratungsstellen Frauen Hilfe an bei Schwangerschaft, in Konflikten oder auch bei Gewalt in der Ehe. Doch während Anforderungen und Kosten stetig steigen, geht den Einrichtungen finanziell die Puste aus. Im Sozialausschuss des Kreises hat man das Problem erkannt, tut sich aber mit der dringend benötigten Erhöhung der Zuschüsse schwer.

Den drei Frauenberatungsstellen steht das Wasser bis zum Hals. Karin Gülden, Vorsitzende der Frauenwerkstatt „Saheli“ , klagt über steigende Kosten, die ohne zusätzliche Gelder nicht mehr tragbar seien. Die Miete gehöre dazu. Und natürlich die Arbeitskräfte, um die umfangreiche Beratung sicherstellen zu können. „Wir sind auf die Förderung angewiesen, um die Einrichtung aufrecht zu erhalten“, sagt sie. „Sonst können wir nicht weiterarbeiten.“ Für den Verein gab es seit 2003 jeweils 3024 Euro aus dem Kreishaushalt. Jetzt wurden 4000 Euro beantragt.

Beim Frauenzentrum Schleswig sieht es nicht ganz so dramatisch aus. Zwar ist die Beratungsstelle nicht von einer Schließung bedroht, doch Ursula Heß-Konrad gibt sich mit der finanziellen Lage nicht zufrieden. „Wir sind seit unserem Bestehen unterfinanziert“, stellt sie klar. Für die Förderung gebe es Richtlinien vom Land, die vorsehen, dass das Land 50 Prozent der Mittel zur Verfügung stelle, der Kreis und die Stadt Schleswig die restlichen 50 Prozent. Der Kreis habe laut Heß-Konrad seinen Anteil noch nicht erreicht.

Von den Fördergeldern sollten 1,5 Stellen für die sozialpädagogische Beratung von Frauen und Mädchen bezahlt werden. Doch das decke sich nicht mit den Anforderungen in der Realität. Zurzeit gibt es im Frauenzentrum zwei halbe Stellen, eine weitere in Kappeln beim Kooperationspartner „Frauenzimmer“. Nicht genug, um ein umfangreiches Angebot zu leisten. 800 Beratungen ständen pro Jahr an, die Zahl sei in den vergangenen Jahren um 20 Prozent gestiegen.

Hinzu kommen die Mietkosten. „Wir brauchen geschützte und barrierefreie Räumlichkeiten, damit auch behinderte Frauen zu uns kommen können“, erklärt die Beraterin. Doch solche Räumlichkeiten sind teuer.

Auch das „Frauenzimmer“ in Kappeln fordert vom Kreis mehr Unterstützung. Die Begründung: Die Zahl der Beratungen hat sich um 50 Prozent erhöht und liegen nun auf dem gleichen Niveau wie die des „Frauenzentrums“ in Schleswig.

Deshalb hoffen die Mitarbeiter der Frauenvereine nun, dass der Kreis die Förderanträge (Frauenzentrum: plus 6000 Euro; Frauenzimmer: plus 4000 Euro) bewilligt. Schließlich sollten Frauen die Unterstützung bekommen, die sie benötigen, heißt es.

Das wollen auch die Politiker. Inke Asmussen (SPD): „Zu den Frauenzentren kommen immer mehr Frauen in Not, und darunter sind zunehmend schwere Fälle. Es muss etwas geschehen.“ Das Problem: Mehr als die 37 400 Euro, die der Kreis in den vergangenen Jahren an freiwilligen Leistungen im Sozialbereich ausschütten konnte, sieht auch der Haushaltsentwurf für 2014 nicht vor. Ausnahmen sind nur möglich, wenn auch die Gegenfinanzierung gesichert ist. Angesichts der Konsolidierungszwänge des Kreises bei zugleich immer noch hoher Verschuldung (80 Millionen Euro) sah Sozialfachbereichs-Leiterin Heike Albert dafür keinen Spielraum. „Für 2014 wird das nichts mehr.“ Ähnlich argumentierte Rainer Haulsen (CDU): „Wir haben einen Eckwerte-Beschluss, auch wenn es einem im Herzen weh tut.“

Olaf Jöhnk (Freie Wähler) beharrte indes darauf, dass im Haushalt des Kreises so viel Geld zu finden sein müsste, dass die Frauenberatungsstellen zu retten wären. Danach wollen die Politiker in den Herbstferien den Haushalt durchkämmen. Beschlüsse wurden so lange zurückgestellt.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen