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Weniger Fördermittel vom Land : Frauen-Beratungsstelle in Geldnot

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Weil das Land weniger Geld aus dem Europäischen Sozialfonds (EFS) gibt, gerät die Beratungsstelle Frau & Beruf in Geldnot. Der Kreis will zwar einspringen, hat aber selbst keine Mittel zur Verfügung.

Der Fachkräftemangel macht auch vor dem Kreis Schleswig-Flensburg nicht Halt, und so ist es für Arbeitsmarkt-Experten vordringlich, die vorhandenen, aber bislang ungenutzten Potenziale ausschöpfen zu können. Diesem Zweck soll – und will – die Beratungsstelle Frau & Beruf dienen. Sie berät Frauen seit 25 Jahren über Chancen für einen Wiedereinstieg in den Beruf, die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit, Existenzgründung, Umschulung und viele andere Themen. Angesichts der Tatsache, dass die so genannte „stille Arbeitsmarktreserve“ von rund 4000 Menschen im Kreis überwiegend aus Frauen besteht, kommt die Ansage des Landes, die Förderung der Beratungsstelle zu kürzen, zur Unzeit. Denn für die Differenz müssten die Kreise Nordfriesland und Schleswig-Flensburg sowie die Stadt Flensburg aufkommen, deren Haushalte allesamt der Konsolidierungs-Kontrolle des Landes unterliegen.

Für dieses Jahr hat die Beratungsstelle, die vom Verein zur Förderung grenzüberschreitender Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik in Flensburg getragen wird, beim Kreis einen Zuschuss von 4000 Euro beantragt, für die kommenden Jahre würden jeweils 8000 Euro benötigt. Die Finanzierungslücke in der Region Nord (Beratungsstellen gibt es im ganzen Land) beträgt jährlich 22 500 Euro. Sie tritt auf, weil die Landesregierung für die in diesem Jahr beginnende neue Förderperiode nicht mehr 100 Prozent der Kosten aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds zur Verfügung stellt, sondern nur noch 90 Prozent.

Das bringt die Politik im Kreis in die Zwickmühle. Die Mitglieder des Sozialausschusses im Kreistag votierten am Dienstag zwar einstimmig dafür, das Geld zur Verfügung zu stellen, allerdings unter dem Vorbehalt, dass die Verwaltung Wege findet, es zu beschaffen. Denn eigentlich sind die spärlichen Mittel für freiwillige Leistungen bereits bis zum Jahr 2016 komplett verplant. „Es muss einfach unser Bestreben sein, eine Förderung hinzubekommen“, betonte Walter Behrens (CDU), „hier sollte noch einmal Schweiß fließen“. Darin waren sich alle Fraktionen einig. Auch müsse die Frage geklärt werden, woher Nordfriesland und Flensburg das bereits zugesagte Geld nehmen, sagte Ausschussvorsitzender Manfred Wilner-Höfer (Grüne). „Die haben schließlich auch einen Konsolidierungsvertrag mit dem Land unterschrieben.“

Zuvor hatte Vereinssprecherin Katharina Petersen klargemacht, dass der Verein neben der Agentur für Arbeit und dem Fachdienst Regionale Integration des Kreises keine Parallelstrukturen betreibt, sondern das Angebot unabhängig, niederschwellig und ergänzend sei. Was von Fachbereichsleiter Stephan Asmussen ausdrücklich bestätigt wurde: „Letztlich leben wir füreinander. Wir geben uns gegenseitig Impulse und stehen in stetigem Austausch.“

Sollte die Finanzierung gelingen, versprach Petersen, dass der Verein die Beratungsarbeit im Kreisgebiet intensivieren werde. Deren Anteil am Tätigkeitsspektrum betrage bislang rund 40 Prozent und solle – auch nach den Vorstellungen des Zuschussgebers, also des Wirtschaftsministeriums – auf 70 Prozent gesteigert werden. Neben bereits bestehenden Beratungsterminen in Schleswig, Kropp und Kappeln sollen weitere in Süderbrarup und Schafflund angeboten werden. Außerdem sind für den Herbst und das Frühjahr Präsenzaktionen im ländlichen Raum, etwa in Stapelholm, geplant.

So sollen Frauen besser erreicht werden, die sich aus familiären Gründen (Pflege, Kindererziehung) aus dem Arbeitsleben zurückgezogen haben, aber auch diejenigen, die nur geringfügig beschäftigt sind. Immerhin sind von den rund 15 000 Minijobs im Kreisgebiet 9000 von Frauen besetzt. Petersen: „Hier verbirgt sich ein enormes Potenzial an Fachkräften, auf das der Kreis zum Beispiel im Bereich der Gesundheits- und Pflegedienstleistungen in hohem Maße angewiesen sein wird.“

 

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erstellt am 27.Aug.2014 | 12:00 Uhr

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