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Schleswiger Nachrichten

23. Oktober 2017 | 13:57 Uhr

Frau stand unter Schock – und bremste nicht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Tragischer Unfall in Kropp: Autofahrerin wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

von
erstellt am 29.Apr.2015 | 18:03 Uhr

Plötzlich herrschte Aufregung im Aldi-Markt an der Industriestraße in Kropp. „Jemand sagte, ein älterer Mann sei angefahren worden“, erinnerte sich Petra H. gestern im Schleswiger Amtsgericht an den 20. Februar des vergangenen Jahres – den Todestag ihres Vaters. Petra H. trat bei der Strafverhandlung ebenso wie ihre Schwester als Nebenklägerin auf. Sie sei daraufhin nach draußen auf den Parkplatz geeilt, berichtete sie weiter, und wenig später wurde ihre Befürchtung grausame Realität. Ihr Vater war der besagte „ältere Mann“. Ein Mercedes hatte den 76-Jährigen aus Kropp samt seines Rades beim Verlassen des Supermarkt-Parkplatzes erfasst, ihn einige Meter mitgeschleift und dann mit den Vorderreifen überrollt. Der Mann erlag seinen Verletzungen.

Die Fahrerin des Mercedes wurde vom Richter in Schleswig nach einer gut dreistündigen Verhandlung der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen.

Zum Unfallgeschehen selbst konnte die Angeklagte kaum Angaben machen. „Ich habe ihn nicht gesehen. Es war, als wäre er vom Himmel gefallen. Aber das geht ja nicht. Mir ist es immer noch unerklärlich. Auf einmal knallte es“, sagte die heute 74-Jährige. Es sei dunkel gewesen und regnerisch. Sie habe die Industriestraße queren und den gegenüberliegenden Lidl-Parkplatz anfahren wollen, vorher zu beiden Seiten geguckt, aber weder rechts noch links jemanden entdeckt.

Erst ein lautes dumpfes blechernes Geräusch, nachdem sie losgefahren war, habe sie darauf aufmerksam gemacht, dass etwas nicht stimmte. Was genau, wusste sie zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht, da sie den Radfahrer ja nicht bemerkt und auch keine weitere Erschütterung im Fahrzeug gespürt habe, wie sie versicherte. Allein der Knall jedoch habe sie so erschreckt, dass sie wie gelähmt gewesen sei. Sie befürchtete, eine Absperrung oder ähnliches übersehen zu haben.

Dass die Angeklagte nach Zeugenaussage einer Ersthelferin und nach vermuteter Annahme eines Sachverständigen nach dem Aufprall nicht unmittelbar bremste und dadurch Fahrrad und Unfallopfer noch ein paar Meter weiter schleifte, führte der Richter gestern auf den Schockzustand der Angeklagten zurück. Der Sachverständige, der relevante technische Mängel an Fahrzeug und Rad ausschloss, hatte zuvor betont, dass durch ein solches Bremsen Schlimmeres vermutlich hätte verhindert werden können.

Der Staatsanwalt sprach von einem besonders tragischen Unfall und einem „Augenblicksversagen“ der Angeklagten. „Mir tut das alles furchtbar leid. Ich denke täglich an ihn und komme überhaupt nicht mehr zur Ruhe“, sagte die Busdorferin, die vor dem Unfall nicht einen Eintrag in das Verkehrszentralregister hatte, nach der Urteilsverkündung. Ihre Strafe: 100 Tagessätze zu je 50 Euro.

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