Protest in Angeln : Fracking – die Angst bleibt

Ölförderung ist den Kritikern nicht nur wegen möglicher Umweltgefahren ein Dorn im Auge. Sie fürchten auch, dass die Landschaft verschandelt wird und der Tourismus leidet.
Ölförderung ist den Kritikern nicht nur wegen möglicher Umweltgefahren ein Dorn im Auge. Sie fürchten auch, dass die Landschaft verschandelt wird und der Tourismus leidet.

Die Bürgerinitiative glaubt nicht an einen Verzicht der Firma Central Anglia auf die umstrittene Fracking-Technik.

shz.de von
28. Januar 2015, 16:29 Uhr

Die Bürgerinitiative (BI) „Schönes Angeln“ lässt sich durch die jüngsten Äußerungen zum Thema Fracking in Angeln nicht besänftigen. Man sei nach wie vor besorgt über die geplanten Erkundungsbohrungen im Raum Sterup. Dass in Zukunft in weiten Teilen der Landschaft inmitten blühender Rapsfelder Bohrtürme oder Pumpen zu sehen sein könnten, lässt die Kritiker nicht ruhen. In Zeiten der immer knapper werdenden Rohstoffe suchten Energiekonzerne nach neuen Ressourcen, häufig ohne Rücksicht auf Mensch, Tier und Umwelt, betonen die BI-Sprecher Birgitt Jessen-Braun (Steinbergkirche) und Geert-Henning Schauser (Norgaardholz).

Das „Erlaubnisfeld“ Sterup, das vom Unternehmen „Central-Anglia AS“ derzeit auf das Vorkommen von Öl untersucht wird, erstreckt sich über 200 Quadratkilometer von Dollerup (Amt Langballig) bis Oersberg (Kappeln-Land) und reicht weit in die Amtsgebiete Süderbrarup und Mittelangeln hinein. Die Angst vor dem umstrittenen Fracking-Verfahren besteht bei den kritischen Bürgern trotz der gegenteiligen Zusagen von Central-Anglia fort. Das Unternehmen hatte betont, auf konventionelle Art nach Öl bohren zu wollen. Fracking werde dabei keine Rolle spielen, so die Botschaft.

Aber auch unabhängig von der Sorge um die Umwelt werden von der BI wirtschaftliche Nachteile für die Region befürchtet. Die bange Frage: Werden noch Touristen ins Land kommen, wenn hier nach Öl gebohrt wird, oder bricht diese Branche ein? Auch negative Auswirkungen auf die Landwirtschaft seien nicht auszuschließen, und ob die ohnehin erheblich belasteten Gemeindestraßen die zu erwartende Zusatzbelastung durch weitere schwere Fahrzeuge aushalten, sei ebenso fraglich, heißt es von der Bürgerinitiative. Und sollte wider allen Ankündigungen doch gefrackt werden: Wer bezahlt die Schäden, und wie wirken sich Chemie und unterirdischer Wasserdruck auf unser Grund- beziehungsweise Trinkwasser aus?

Schon im Vorfeld einer Informationsveranstaltung im Rahmen der „Steinberger Gespräche“ (Freitag, 6. Februar, ab 19 Uhr, im Gasthof Steinberg) hat der Chemiker Dr. Reinhard Knof zu einem Katalog brennender Fragen der Bürgerinitiative Stellung bezogen. Zum Thema Fracking erklärt er in einer schriftlichen Stellungnahme, dass zwar in der potenziellen Fördertiefe Sandstein vorhanden sei, der eine konventionelle Förderung zulasse. Doch sei das Gestein nicht einheitlich, so dass auch Schichten dabei sein könnten, „die engporig sind und nur durch Fracking erschließbar wären“, so der Wissenschaftler, der auch von anderen Bürgerinitiativen gegen Fracking im Land gern als Referent eingeladen wird und selbst Sprecher der Initiative gegen CO2-Endlager ist. Frage der BI: Wer garantiert, dass dann nicht doch versucht wird, das Fracking durchzusetzen – vor allem, nachdem schon viel Geld investiert worden ist? Anwort von Knof: Niemand könne dies garantieren. „Gegenüber Umweltminister Habeck wurde ein rechtsverbindlicher Verzicht auf Fracking klar abgelehnt.“

Zu den Gefahren bezüglich des Verpressens von Chemikalien sagt der Experte, die für das Fracking verwendeten Chemikalien seien am gefährlichsten während des Transports, der Lagerung und beim Anmischen. Im Untergrund verpresst, vermischten sie sich mit Lagerstättenwasser. „Dann würde alles noch giftiger wieder hochkommen, als es nach unten gepresst wurde. Zur möglichen Bedrohung des Grundwassers erklärt er, das genutzte Wasservorkommen sei mit dem darunter liegenden Salzwasser hydraulisch verbunden. Jegliche Form der Druckausübung im Untergrund erhöhe deutlich die Gefahren für dieses Wasserreservoir.

Als Ärgernis betrachtet die Angelner Bürgerinitiative die Tatsache, dass die Bürger in den betroffenen Gemeinden vor der Antragstellung beim zuständigen Bergamt in Clausthal-Zellerfeld nicht befragt oder auch nur informiert worden waren. Die Central-Anglia habe damit einen möglichen Wettlauf mit anderen potenziellen Erschließungsunternehmen verhindern wollen, so die Erklärung Knofs. Ob denn die Konkurrenz zwischen den Firmen von höherem Rang sei als die Information und die Entscheidung der betroffenen Bürger, wollten die BI-Vertreter wissen. Knof verneint dies: Ein nicht im Erlaubsnisverfahren beteiligter Bürger dürfe nach der jüngsten Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts nicht enteignet werden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen