Ausstellung in Schleswig : Fotograf Matt Stuart und der „Zorro“ von London

Mit kuriosem Schatten und Madonna-Shirt wird dieser Passant zum Hingucker.

Mit kuriosem Schatten und Madonna-Shirt wird dieser Passant zum Hingucker.

Der Brite streift tagtäglich durch Londons Straßen. Seine humorvollsten Bilder zeigt das Stadtmuseum Schleswig.

shz.de von
01. Juli 2018, 18:36 Uhr

Schleswig/London | Seit der Jahrtausendwende erlebt die Straßenfotografie eine Wiederbelebung. Ein Grund: Die ständig erweiterten Möglichkeiten der digitalen Medien wie Handyfotografie, Flickr oder Instagram. Das macht es nicht gerade einfacher für einen Straßenfotografen wie Matt Stuart, dessen Ausschauhalten nach Bildmotiven sich durchaus mit einer Pirsch vergleichen lässt.

Durch seine höfliche und unaufgeregte Art, mit der sich der junge Fotograf geradezu in Luft aufzulösen scheint, gelingt es ihm immer wieder, für einen kleinen Augenblick unauffällig in die Privatsphäre der Londoner einzutauchen. In Schwierigkeiten ist er deshalb noch nie gekommen, was sicherlich auch daran liegt, dass seine Fotos niemals diskreditierend wirken.

Geoff Deyer beschreibt in seinem Essay „Warum macht er das jeden Tag?“, der in Matt Stuarts Buch „All that life can afford“ veröffentlicht ist, dass der Londoner sich in der City normalerweise mürrisch und in großer Eile durch den Menschenstrom bewegt und „jegliches visuelle Anrempeln“ vermeidet. Nicht so Matt Stuart, der „schelmisch anstatt mürrisch den Ausdruck geballter Resignation, unterdrückter Wut und kaum gezügelter Verdrossenheit“ einfängt und uns vor Augen hält, was wir versäumen, wenn wir mit Scheuklappen durch den Alltag hasten: etwa Menschen, die mit verschatteten Augen und Madonna-T-Shirt zum „Zorro“ werden.

Infos: Die Ausstellung

1974 in Harrow im Nordwesten Londons geboren, war für den britischen Fotografen Matt Stuart das Skateboard der erste ständige Begleiter und Auslöser für die bis heute andauernde Faszination des Großstadtlebens. Vor gut zwei Jahrzehnten hat er das Skateboard gegen eine analoge Leica MP getauscht, ohne die er seitdem niemals das Haus verlässt. Das Stadtmuseum Schleswig zeigt unter dem Titel „Alles, was das Leben bieten kann“ bis zum 16. September die weltweite Ausstellungspremiere mit 100 Werken.

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