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Schleswig : Forensik-Insasse nutzte Restaurant-Besuch zur Flucht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nach tagelangem Schweigen haben sich die Behörden zum Forensik-Insassen geäußert, der seit Freitag auf der Flucht ist.

Nachdem die Behörden tagelang gemauert hatten, haben sie gestern nun doch ein wenig Licht ins Dunkel gebracht und einige Informationen zum Fall des am vergangenen Freitag aus der Forensischen Psychiatrie geflohenen Straftäters preisgegeben.

Demnach handelt es sich bei dem Mann um einen 26-Jährigen osteuropäischer Herkunft. Er wurde im Mai 2015 vom Landgericht Itzehoe wegen besonders schweren Raubes in zwei Fällen zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verurteilt. Darin einbezogen war die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, wie Peter Müller-Rakow, Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Itzehoe, gestern gegenüber den SN erklärte. Nachdem der junge Mann, der zwei Tankstellen überfallen hatte, zunächst zehneinhalb Monate in einem Gefängnis saß, wurde er deshalb in die Forensik nach Schleswig verlegt.

Dort galt der 26-Jährige als unauffällig und therapiewillig. In den vergangenen Monaten unternahm er bereits mehrere begleitete Freigänge. Am vergangenen Freitagnachmittag war er schließlich mit einer Gruppe von mehreren Insassen und Aufpassern in der Stadt unterwegs. Eine Pause in einem Fischrestaurant am Hafen nutzte er schließlich zur Flucht, wie Inke Asmussen, Sprecherin der Schleswiger Helios-Klinik, die die Forensik im Auftrag des Landes betreibt, bestätigt. Dass die Insassen regelmäßig Freigang hätten, sei Teil der Therapie und gesetzlich vorgeschrieben. „Es geht ja schließlich darum, die Menschen wieder auf ein Leben in der Gesellschaft vorzubereiten“, betonte Asmussen. Dazu gehörten auch begleitete Gruppenausflüge, die oftmals am Freitag stattfinden.

Dass diesmal dabei ein Insasse die Flucht ergriff, wurde indes nur durch einen anonymen Hinweis bekannt, der am Montag in der SN-Redaktion einging (wir berichteten). Warum die Öffentlichkeit nicht von den Behörden informiert wurde, versuchte gestern noch einmal Peter Müller-Rakow zu erläutern. „Es gibt in solchen Fällen ein Stufenmodell, nach dem vorgegangen wird. Wir befinden uns jetzt in Stufe 1, das heißt, dass umfangreiche Fahndungsmaßnahmen laufen. Dazu gehört es noch nicht, die Öffentlichkeit mit einzubeziehen. Das könnte später kommen“, sagte der Staatsanwalt, der sich „in laufendem Austausch“ mit der Polizei befinde. Dabei habe man allein das Ziel der „Aufenthaltsermittlung des Flüchtigen“ im Auge. Das habe Priorität, alles andere komme danach. Wenn es um das Warnen der Öffentlichkeit vor Gefahren geht, sei hingegen die Polizei zuständig. Da diese bislang von einer Veröffentlichung der Flucht abgesehen hat, geht man offenbar davon aus, dass von dem 26-Jährigen keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung ausgeht.

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erstellt am 23.Feb.2017 | 14:42 Uhr

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